Feuerwehr

Esloher Feuerwehr-Chef reagiert auf unfaire Kritik

Beim Brand eines Bauernhofes in Büenfeld ist die Feuerwehr im Großeinsatz.       

Beim Brand eines Bauernhofes in Büenfeld ist die Feuerwehr im Großeinsatz.      

Foto: Frank Selter

Eslohe.  Es klingt wie ein Witz, ist aber bitterer Ernst: Die Esloher Wehr muss sich rechtfertigen, warum sie manchmal mit „zu vielen“ Kräften ausrückt.

Kleiner Brand, großer Auflauf: Die Esloher Feuerwehr reagiert auf Kritik aus der Bevölkerung. Manch einer versteht nicht, warum die Wehr oft mit einem großen Aufmarsch aus der ganzen Gemeinde zu Einsätzen anrückt, die sich vielfach als Kleinbrand oder einfache Hilfeleistung herausstellen.

Eslohes Feuerwehrchef Christof Hoffmann sagt eines direkt vorweg: „Die Sache ist zu komplex, um sie hier bis ins Detail zu erklären und jedem verständlich zu machen.“ Anhand einiger Beispiele will er dennoch versuchen, die Thematik zu erklären.

So wird die Feuerwehr am 22. Januar dieses Jahres in der Mittagszeit zu einem Kellerbrand nach Leckmart gerufen. „Der Disponent in der Leitstelle macht sich bei der Abfrage des Notrufs grundsätzlich ein Bild vom Schadensausmaß und gibt dann ein Einsatzstichwort vor“, erklärt Hoffmann. In diesem Fall sei es das Einsatzstichwort „F3“ gewesen, das 20 Einsatzfunktionen erfordert.

„Wir sprechen hier nicht einfach von einer Anzahl an Personen, die ausrücken muss, sondern es geht um Funktionsbesetzungen“, so der Wehrleiter. Es nütze ja nichts, wenn am Einsatzort zwar genügend Kräfte sind, aber am Ende nicht genügend Atemschutzgeräteträger. Und davon brauche man bei Brandeinsätzen in der Regel einige. „Außerdem müssen genügend qualifizierte Führungskräfte, Maschinisten und Fernmeldekräfte zu Verfügung stehen“, sagt Hoffmann.

Bei der Alarmierung fange der Einsatzleitrechner an, so viele Einheiten zu alarmieren, bis er eben die 20 Einsatzfunktionen zusammen habe.

Nach der alten Alarm- und Ausrückeordnung im Januar waren das für den Einsatz in Leckmart die Einheiten Cobbenrode, Eslohe und Bremke. Letztlich hatte es im Keller dann allerdings gar nicht gebrannt: Vor Ort entdeckten die Einsatzkräfte ein Sicherheitsventil der Heizungsanlage, das lediglich heißen Wasserdampf abgelassen hat.

„Das weiß man natürlich vorher nicht“

„Das weiß man natürlich vorher nicht“, so der Wehrleiter. Bei unklaren Lagebildern werde immer das größtmögliche Schadensausmaß angenommen und dem folge dann das entsprechende Einsatzstichwort. „Also ist auch die Qualität des Notrufes ein entscheidendes Kriterium, welches Einsatzstichwort mit dem zugeordneten Personalbedarf vorgegeben wird“, sagt Hoffmann.

Weil sich die Personalsituation der Wehr in den vergangenen Monaten verbessert hat, würden bei einem ähnlichen Einsatz in Leckmart laut Hoffmann aktuell nur noch Cobbenrode und Eslohe alarmiert - auch nachts und am Wochenende.

Noch drastischer war das Verhältnis zwischen Einsatzgröße und der Anzahl der Einsatzkräfte Anfang Januar im Esloher Amselweg. Hier ist ein Wohnungsbrand gemeldet worden, bei dem nicht auszuschließen war, dass sich noch Personen im Gebäude befinden. In diesem Fall habe die Leitstelle eine „F3Y“-Alarmierung ausgelöst. Soll heißen: Wohnungsbrand mit Menschenleben in Gefahr. „Bei einer solchen Alarmierung werden direkt 30 Einsatzfunktionen erforderlich“, sagt Hoffmann.

Alte Alarm - und Ausrückeordnung

Da hier ebenfalls noch die alte Alarm- und Ausrückeordnung maßgebend gewesen sei, sei die gesamte Gemeindefeuerwehr angerückt. Selbst nach der neuen Ordnung würden hier also immer noch 4 von 5 Einheiten benötigt. Lediglich die Cobbenroder wären aktuell nicht mehr dabei. Auch bei diesem Einsatz habe niemand ahnen können, dass lediglich ein Topf auf einem Herd gekokelt hatte und am Ende keine Menschen in Gefahr waren.

Bei den Technischen Hilfeleistungen ist das Prozedere nicht anders. „Hinzu kommt hierbei, dass bei Personen in Zwangslage immer der Rüstwagen 1 des Löschzugs sowie ein weiteres Fahrzeug mit technischen Geräten wie Spreizer und Schere alarmiert werden.

„Wir machen solche Aufmärsche nicht gerne“, betont der Wehrleiter und stellt klar: „Um zu einem schnellen und reibungslosen Einsatzerfolg zu kommen, muss in kurzer Zeit geeignetes Einsatzpersonal am Einsatzort sein und das erfordert unter Umständen auch schon mal einen größeren Aufmarsch“.Mit der neuen Alarm-und Ausrückeordnung sowie der verbesserten Tagesverfügbarkeit solle sich das aber jetzt in Grenzen halten.

Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting stellt sich hinter die Kameradinnen und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehr. Es gebe nur eine Maxime, sagt er. Und die heiße „Sicherheit“. „Ich will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn irgendwann bei einem Einsatz mal zu wenig Kräfte ausrücken“, betont er. Und all diejenigen, die über die Aufmärsche der Wehr nicht nur sauerländisch frotzeln, sondern tatsächlich ernsthaft meckern, erinnert er daran, dass es sich hier um Ehrenamtler handelt, an denen sich jeder gern ein Beispiel nehmen dürfe.

Das Phänomen mangelnder Nachbarschaftshilfe

In diesem Jahr hatte die Esloher Feuerwehr zwischen Januar und April bereits rund 30 Einsätze. Vor etwa 15 Jahren war das die Bilanz am Ende eines Jahres. Das Phänomen mangelnder Nachbarschaftshilfe sei inzwischen auch auf dem Land angekommen, nennt Hoffmann den Hintergrund für die deutlich gestiegenen Einsatzzahlen. Es werde zu schnell die 112 gewählt und zu wenig miteinander gesprochen.

„Eigentlich sollte es so sein, dass die Feuerwehr dann gerufen wird, wenn nichts anderes mehr geht“, sagt der Wehrleiter. Natürlich solle sich niemand selbst in Gefahr bringen und die Wehr komme gerne auch einmal zu viel als einmal zu wenig, sagt er.

Mit Milch gelockt

Aber es gebe reichlich Beispiele, in denen noch vor Jahren niemals die Feuerwehr gerufen worden wäre: Etwa bei der Rettung eines Rehkitzes aus einem wenige Zentimeter tiefen Lichtschacht im Juni des vergangenen Jahres, oder der Befreiung einer Katze, die im Februar dieses Jahres im Kanal unter einem Gullideckel in Niedersalwey eingeschlossen war und von der Feuerwehr mit einem einfachen Schälchen Milch wieder herausgelockt werden konnte. „Solche Hilfeleistungen hätte man möglicherweise mit der Unterstützung anderer auch selbst in den Griff bekommen können“, sagt Hoffmann.

Und vergessen dürfe man nicht die Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen. „Das war vor 15 Jahren auch noch nicht so häufig wie heute, da es weniger Anlagen gab“, so der Wehrleiter.

Hintergrund

Es gibt eine Tages- und eine Nacht/Wochenende-Alarmierung: Aktuell verfügt der Löschzug Eslohe tagsüber über 15 Einsatzkräfte, nachts über 22. Die Einheiten aus Bremke, Cobbenrode und Reiste haben tagsüber 5 Einsatzkräfte abrufbar und nachts bzw. am Wochenende den Maximalwert von 9. Bei der Einheit Wenholthausen hält sich der Einsatzwert tagsüber wie nachts und am Wochenende mit 9 Funktionen die Waage.

Die Tagesverfügbarkeit hat sich aktuell deutlich verbessert, vor allem in den Einheiten Cobbenrode und Wenholthausen, die zuvor jeweils nur 3 Einsatzkräfte zur Verfügung hatten. So erhofft sich Eslohes Wehrleiter, dass der Aufmarsch der Feuerwehr ein wenig „gedämpft“ werden kann.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben