Gesundheit

Fachkräftemangel: Tunesier lernen in Grafschafter Fachklinik

Die tunesischen Studenten im Hintergrund. Vorne Yassine Jemni (Admission), Stefan Schumann (Krankenhausgeschäftsführer Kloster Grafschaft), Schwester Theodora (Pflegedirektion) und Mahdi Chaari (Admission, von links). 

Die tunesischen Studenten im Hintergrund. Vorne Yassine Jemni (Admission), Stefan Schumann (Krankenhausgeschäftsführer Kloster Grafschaft), Schwester Theodora (Pflegedirektion) und Mahdi Chaari (Admission, von links). 

Foto: Alexander Lange

Grafschaft.  Was die zehn tunesischen Pflegestudenten im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft erlebten und wie es in Zukunft weitergeht.

Es sei ganz anders, aber schön. Die saubere Luft, kein Lärm und die grüne Natur, hier könne man sich wohlfühlen. Zehn Pflegestudenten aus Tunesien hospitieren noch diese Woche im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft. Kein Urlaub im Sauerland, sondern ein Praktikum im Rahmen ihres Studiums. Eine Premiere für die Studenten, die Hochschule sowie die Ärzte der Fachklinik in Grafschaft. Eine Premiere mit Erfolg.

„Ich glaube es ist für alle Teilnehmer ein tolles Erlebnis. Sie sind alle mit einer sehr hohen Motivation nach Deutschland gekommen“, erklärt Klinikgeschäftsführer Stefan Schumann. Wie funktioniert das deutsche Gesundheitssystem? Wo unterschiedet sich die Behandlung zwischen Deutschland und Tunesien? „Und natürlich geht es auch um die Gewinnung von Fachkräften. Das ist weiterhin ein großes Problem besonders bei uns im ländlichen Raum.“

Kontakt über Sprachschule Admission

Der Kontakt nach Tunesien und zur Hochschule für Pflege entstand über die Sprachschule Admission. Den positiven Eindruck vor Ort habe man ausbauen wollen, das Pflegestudium sei dort auf einem hohen Niveau, so Schumann: „So reifte der Plan einer Zusammenarbeit.“

Ausgewählte Studenten - „die besten der Hochschule“ - erhielten neben der Ausbildung die Chance auf Sprachkurse, die im März diesen Jahres starteten. „Dann kam Corona und der Lockdown uns auch in Tunesien dazwischen, weshalb wir den Sprachkurs zwischenzeitlich online stattfinden lassen mussten“, erklärt Maadi Chaari von Admission. Die Studenten lernten neben ihren Prüfungen und ihrer Bachelorarbeit also noch die deutsche Sprache - und kamen mit dem B1-Sprachniveau Anfang September nach Grafschaft.

Pflegedirektorin Schwester Theodora begleitete die zehn Studenten und „Neu-Sauerländer“. Es sei eine Herausforderung und ein wenig auch ein Experiment gewesen, erzählt sie: „Wir haben uns natürlich auch gefragt, ob das alles klappt und dann gleich zehn Studenten auf einmal.“ Aber es klappte, weil „alle sehr diszipliniert und besser als erwartete deutsch sprechen“. Auf die Stationen des Fachkrankenhauses verteilt ging es um alle Gesundheitsthemen, die in Grafschaft auf der Tagesordnung stehen.

Medizinische Fachsprache ist Latein

Ein Vorteil: In Tunesien ist die medizinische Fachsprache Latein, das helfe, um im sich im deutschen Gesundheitssystem orientieren zu können. Zudem belegten alle Studenten vor der Anreise einen selbstständigen Kommunikationskurs für die Arbeit in Krankenhäusern.

Groß seien die Unterschiede zu ihrer tunesischen Heimat Sfax, mit 270.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt Tunesiens. Eine Industriestadt an der Küste. Laut, staubig, immer in Bewegung. Grafschaft hingegen idyllisch, wie die Studenten erklären: „Ich liebe die Ruhe in der Natur hier.“

In der Fachklinik arbeiteten sie an der Hygiene mit, der Medikamentenverteilung, der Kontrolle der Vitalzeichen und in der Kommunikation mit den Patienten. Schumann lachend: „In der Geriatrie gab es von einer Patientin sogar einen kleinen Sprachkurs in Plattdeutsch.“ Deutschland sei ein tolles Land, sie seien glücklich, hier zu Gast sein zu dürfen, so die Studenten. Die Methoden des Gesundheitssystems seien ähnlich, in Deutschland sei aber die Technik weiter und es werde wesentlich mehr dokumentiert.

Ausflüge in die Umgebung

Neben Ausflügen nach Köln und Dortmund ging es auch nach Winterberg, die Feststellung: „Die Deutschen wandern und laufen ziemlich viel.“ Ob sie sich vorstellen könnten, nach dem Abschluss des Studiums und dem nötigen Erreichen des B2-Sprachniveaus wieder nach Deutschland, nach Grafschaft zu kommen? Ein einhelliges Nicken.

Zur Freude von Schumann, den ausländische Fachkräfte seien wichtig, sagt er: „Wir bemühen uns seit Jahren. Auch, um die Leistungsfähigkeit unseres Hauses zu jeder Zeit sicherzustellen.“ Er erhoffe sich eine Dauereinrichtung dieses Praktikums-Projektes, die Rückmeldungen seien allesamt positiv. Die Zukunft des Krankenhausteams sei international.

Breitaufgestelltes Fachkrankenhaus

Die Teilnehmer: Samar Laaroussi, Imen Frikha, Safa Hamouda, Farah Ksibi, Hamza Elaoud, Akrem Djamel, Slim Bouaziz, Eya Jlaiel, Hana Souissi und Mariem Masmoudi.

Das Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft führt 205 Betten und bietet ein medizinisches Leistungsspektrum mit folgenden Schwerpunkten: Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, eins der größten Weaningzentren Deutschlands, Intensivmedizin (alle Plätze mit Beatmung), Frührehabilitation nach Langzeitbeatmung, Schlafmedizin und außerklinische Beatmung, Innere Medizin/Kardiologie und Geriatrie.

In einer Studie testeten die verantwortlichen Fachärzte der Klinik gemeinsam mit der Universität Marburg die Qualität von Masken anhand von Dichte und Durchlässigkeit.

Das Ergebnis lautete: Je dichter die Maske, desto besser die Qualität.

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