Führerschein und MPU

Fälschung beim „Idiotentest“ im Mescheder Kreishaus entdeckt

Um nach einem Entzug den Führerschein zurückzuerhalten, ist häufig eine  Medizinisch-Psychologische Untersuchung nötig. Vor dem Mescheder Amtsgericht stand jetzt ein Mann aus Schmallenberg, der für die MPU ein Gutachten fälschte.

Um nach einem Entzug den Führerschein zurückzuerhalten, ist häufig eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung nötig. Vor dem Mescheder Amtsgericht stand jetzt ein Mann aus Schmallenberg, der für die MPU ein Gutachten fälschte.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Meschede/Schmallenberg.  Solch einen Fall gab es beim Straßenverkehrsamt Meschede noch nie: Beim „Idiotentest“ mogelte ein Autofahrer, um seinen Führerschein zu bekommen.

Mogeln beim „Idiotentest“ – und das auch noch mit erheblicher krimineller Energie: Solch einen Fall hat die Straßenverkehrsbehörde in Meschede bisher nicht erlebt. Eine aufmerksame Sachbearbeiterin ist im Kreishaus einem raffiniert gefälschten Gutachten nach einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung auf die Spur gekommen. Der Täter muss jetzt eine hohe Geldstrafe wegen Urkundenfälschung bezahlen. Für ihn war es bereits der zweite „Idiotentest“.

Weiterhin eine Wiederholungsgefahr

Zu insgesamt 5500 Euro Strafe verurteilte das Amtsgericht Meschede einen 29 Jahre alten Mann aus Schmallenberg. „Täuschung im Rechtsverkehr“, nannte die Staatsanwaltschaft das, was er angerichtet hatte. Beruflich ist er auf das Auto angewiesen, war aber mit einem Firmenwagen geblitzt worden. Um seinen Führerschein zurück zu bekommen, war eine MPU, der so genannte „Idiotentest“, angeordnet worden – die Mescheder Behörde wollte wissen, ob von ihm eine Wiederholungsgefahr im Straßenverkehr drohen würde. Der Psychologe habe ihm nach dem Test gesagt, es sehe gut aus, meinte der Mann vor Gericht.

Dann bekam er das Gutachten nach Hause – und das Gegenteil stand drin: Dem 29-Jährigen wurde als Ergebnis der MPU bescheinigt, von ihm seien auch künftig weitere Verkehrsverstöße zu erwarten. Damit hätte er seinen Führerschein nicht wiederbekommen. „Mir ging der Arsch auf Grundeis“, sagte er in seinem Prozess. So entstand die Idee mit der Fälschung.

Richter Dr. Sebastian Siepe war vom Ergebnis sogar beeindruckt: „Wenn man das so liest: Mir wäre das nicht aufgefallen. Das ist gut gemacht.“ Sein eigenes MPU-Gutachten bastelte sich der Schmallenberger am Computer zusammen. Das Logo vom beauftragten Institut kopierte er sich aus dem Internet. In der Vergangenheit hatte der Mann bereits schon einmal einen „Idiotentest“ mitmachen müssen: Damals, nachdem er in einer Tempo-30-Zone mit 76 km/h geblitzt wurde.

Da wird auch der Richter neugierig

Seinerzeit bestand er den Test. Er wusste, wie solch ein Gutachten aussieht. Für sein zweites Gutachten jetzt bediente er sich beim Text des ersten, damit es fachmännisch klang. Das Erscheinungsbild war für den ersten Eindruck perfekt.

Das gefälschte Gutachten reichte er persönlich beim Kreis in Meschede ein. Auch Richter Siepe war neugierig, wie das dann auffallen konnte. Die Aufklärung: Die Sachbearbeiterin wurde misstrauisch, „weil unsere Fragestellung nicht konkret beantwortet wurde“. Gefragt worden war der Gutachter, ob von dem Autofahrer zu erwarten sei, ob er auch in Zukunft gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen werde. Geantwortet hat der 29-Jährige in seinem eigenen Gutachten, er habe die Reife, um den Führerschein zurückzubekommen. Die Sachbearbeiterin: „Der Text ist eine andere als die Fragestellung.“ Wäre es um die Reife gegangen, hätte die Behörde anders gefragt.

Zunächst an Tippfehler geglaubt

Die Sachbearbeiterin dachte zunächst, der Gutachter habe sich versehentlich vertippt und den falschen Textbaustein verwendet. Deshalb fragte sie bei dem Institut nach. Dort kam heraus, dass man ein 18-seitiges Gutachten verschickt habe. Beim Kreis lagen aber nur 16 Seiten vor – „dann haben wir das näher geprüft“. Da stellte sich dann auch heraus, dass zum Beispiel auch eine Sicherheitsprägung im Papier fehlte. Hätte der Mann richtig auf die Frage geantwortet, „dann wäre das falsche Gutachten nicht aufgefallen.“

Sieben Vorstrafen hat der 29-Jährige, zwei davon wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, eine schon wegen Urkundenfälschung. Richter Siepe sprach von einem „geplanten Vorgehen mit erheblichem Aufwand“. Nur weil die letzte Verurteilung länger zurückliegt, griff er noch einmal zu einer Geld- und nicht zu einer Freiheitsstrafe. Er betonte, die MPU diene gerade dazu, einen Schutz vor Autofahrern zu bieten, die dafür nicht charakterlich oder gesundheitlich geeignet seien.

„Ich habe ein Eigentor geschossen“, räumte der Angeklagte ein. Er hoffe, „irgendwann“ seinen Führerschein wieder zu bekommen. Der Richter kommentierte: „Das wird durch diese Aktion nicht leichter.“

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