Schmallenberg

Fraunhofer Institut plant Erweiterung für 30 Millionen Euro

Eine Luftaufnahme des Fraunhofer Instituts in Schmallenberg-Grafschaft aus dem Jahr 2006.

Eine Luftaufnahme des Fraunhofer Instituts in Schmallenberg-Grafschaft aus dem Jahr 2006.

Foto: Fraunhofer Institut

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Grafschaft.  Rund 30 Millionen Euro sollen am Fraunhofer Institut in Grafschaft in den kommenden Jahren investiert werden. Ein klares Bekenntnis zum Standort, das zusätzliche Arbeitsplätze schafft. Über die Ausbaupläne hat unsere Zeitung mit Institutsleiter Prof. Dr. Christoph Schäfers gesprochen.

Frage: Warum wird ausgerechnet am Standort Schmallenberg in dieser Höhe investiert?

Prof. Dr. Christoph Schäfers: Wir erreichen mit Blick auf die standortbezogenen Kennzahlen mittlerweile die drittbesten Ergebnisse aller Institute innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft. Hinzu kommt, dass wir der drittälteste Fraunhofer-Standort sind und einige Gebäude einfach nicht mehr den aktuellen Standards entsprechen. Als gemeinnützig anerkannte Gesellschaft mussten wir die Mittel in Höhe von 24,7 Millionen Euro beim Wissenschaftsministerium NRW beantragen. Wir haben dort unsere Wirtschafts- und Mitarbeiterentwicklung aufgezeigt und damit überzeugt – die Genehmigung kam Ende 2013. Nordrhein-Westfalen trägt die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte kommt vom Bund.

Was ist auf dem Aberg geplant?

Die aktuelle Gebäudestruktur ist eher kleinteilig und zum Teil in Container-Bauweise errichtet. Gebäude, die nicht mehr renoviert werden können, sollen abgerissen und durch größere ersetzt werden. Mit Blick auf die Mitarbeiterentwicklung sind zusätzliche Labore dringend notwendig. Von 55 Mitarbeitern um die Jahrtausendwende hat sich die Zahl auf mittlerweile 150 Köpfe erhöht. Das sind etwa 110 Vollzeitstellen. Bis zu 180 Mitarbeiter wollen wir zukünftig beschäftigen. Wichtig ist uns aber auch die systematische Anordnung der Gebäude auf dem Gelände. Los geht es bereits Ende des Jahres mit dem Bau eines neuen Mitarbeiter-Parkplatzes, um die Autos zentral an einer Stelle zu sammeln und das Gelände autofrei zu bekommen. Der Nordeingang wird an den Parkplatz verlegt. Im Eingangsbereich liegen dann die Werkstätten sowie neue Lagerhallen. Die Arbeiten mit Bodenproben werden im Osten konzentriert. Das schließt den Bau einer neuen Halle neben der Umweltprobenbank ein.

Was ist außerdem geplant?

Komplett neu gebaut werden der radioaktive Überwachungsbereich und der Biologie-Bereich. In Letzterem finden zum Beispiel die Fisch-Lebenszyklus-Studien statt, bei denen wir zusammen mit einem Wettbewerber aus den USA weltweit führend sind. Da wir aktuell keinen Versammlungsraum für alle Mitarbeiter haben, wird eine neue große Cafeteria gebaut, die Bibliothek wird vom Keller in den Bereich der Cafeteria verlegt und einige Verwaltungs- und Laborgebäude werden renoviert.

24,7 Millionen Euro reichen dafür aber nicht aus. Von rund 30 Millionen Euro ist die Rede...

Ja, das liegt unter anderem an der Inflation. Den ersten Antrag haben wir 2008 gestellt. Nach dem langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozess ist das beantragte Bauvolumen für das Geld aber nicht mehr zu bekommen. Hinzu kommt, dass wir damals von einer geringeren Mitarbeiterzahl ausgegangen sind. Nach aktuellem Stand werden wir vier Millionen Euro mit eigenen Mitteln aus unseren Rücklagen finanzieren. 2021 soll die Erweiterung abgeschlossen sein – dann werden wir sicher die 30 Millionen Euro überschritten haben.

Und das geschieht alles bei laufendem Betrieb?

Ja, auch im Baubetrieb muss der Laden brummen. Wir müssen Überschüsse – zum Beispiel auch für neue Gerätschaften – erwirtschaften. Auch die Übergangslösungen, die wir während der Bauphase extra schaffen müssen, sind sehr kostspielig.

Wird sich das Gelände denn erweitern?

In Richtung Schmallenberg haben wir eine etwa 3000 Quadratmeter große Fläche der Stadt, die an unser Gelände anschließt, angepachtet – ein Kauf wird erwogen. Dort entstehen die Parkplätze und ein neuer, größerer Feuerlöschteich. Der Rest spielt sich auf dem bisherigen Gelände ab.

Die wirtschaftliche Entwicklung am Fraunhofer Institut in Schmallenberg seit der Jahrtausendwende ist rasant verlaufen. Wie ist das zu erklären?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Wir haben sehr erfolgreich Kontakte zur Industrie – die bis dahin fehlten – hergestellt. Während öffentliche Projekte eher gleichbleibend sind, haben wir einen deutlichen Anstieg an Industrieprojekten zu verzeichnen. Unser Vorteil: Als gemeinnützig anerkannte Gesellschaft werden wir als neutral wahrgenommen und gelten als anerkannter wissenschaftlicher Vermittler zwischen Industrie und Regulationsbehörden.

Für die Zukunft ist das Institut also gut aufgestellt?

Ja, wir haben einiges in der Pipeline, was den Ausbau rechtfertigt. So steht zum Beispiel demnächst ein großes Projekt mit der Mineralölindustrie an, bei dem es um die Umweltrisikobewertung von Ölbestandteilen geht.

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