Für welche Studienfächer braucht man eigentlich das Latinum?

S eit Generationen plagen sich Schüler mit Latein. Wofür? „Wenn du Arzt werden willst, brauchst du ein Latinum“, bekommt man häufig zu hören. Gleich die erste Behauptung ist aber falsch. Zwar sind Lateinkenntnisse in diesem Studienfach sicherlich nützlich, da viele medizinische Begriffe auf Latein verwendet werden, allerdings ist das Latinum für ein Medizinstudium keine Voraussetzung.

In den vergangenen Jahren hat sich ums Thema Latein einiges verändert und zuletzt haben die Grünen sogar die Abschaffung des Latinums als Voraussetzung für einige Lehramt-Studiengänge gefordert. Aber wenn man schon für das Medizinstudium kein Latinum braucht – wofür denn dann?

Jura

Hier ist das Latinum ebenfalls keine Voraussetzung, es ist aber unter Umständen förderlich, wenn man Lateinkenntnisse vorweisen kann.

Klassische Archäologie

Hier ist sowohl das Latinum als auch das Graecum Voraussetzung für das Studium.

Klassische Philologie

Gemeint ist hiermit das Studium von älteren Sprachen, wie Latein und Altgriechisch. Deshalb sind hierfür auch das Latinum und das Graecum Voraussetzung für die Aufnahme dieses Studiums. Hier gibt es allerdings Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern und Universitäten.

Lehramtsstudiengänge

In den Fächern Englisch, Geschichte, Religion, Philosophie, Französisch und für alle weiteren romanischen Sprachen wird das Latinum vorausgesetzt. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Schulformen, in denen man später unterrichten will.

Theologie

Hier gibt es Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Theologie. Das Latinum wird in beiden Studiengängen auf jeden Fall empfohlen. Bei evangelischer Theologie ist das Latinum häufig in Verbindung mit dem Graecum (altgriechisch) oder dem Hebraicum (hebräisch) vorausgesetzt, dies ist allerdings wieder abhängig von Studiengängen und Hochschulen. Bei der katholischen Theologie wird das Latinum nur für den sogenannten „Bachelor of Arts“ vorausgesetzt, aber auch in kirchlichen oder schulischen Bereichen sind Lateinkenntnisse von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Vieles hat sich verändert

Es hat sich also viel verändert in der letzten Zeit. Es lässt sich nicht mehr hundertprozentig sagen, ob ein Latinum benötigt wird oder nicht. Oft hängt dies von mehreren Faktoren wie zum Beispiel der Wahl der Hochschule oder auch dem Abschluss ab, den man nach dem Studium anstrebt. Grundsätzlich ist ein Latinum aber immer hilfreich, wenn man sich mit sprachlichen, geschichtlichen oder religiösen Themen beschäftigt. So ist das Büffeln in der Schule wenigstens nicht ganz umsonst.

Aber: Wenn man schon Latein lernt, dann ist es sinnvoll, wenn man es auch bis zum Latinum schafft, denn ohne diesen Abschluss verbessert Latein zwar die Allgemeinbildung, ist aber niemals so praktisch anwendbar wie Französisch oder Spanisch.

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