Gericht

Geldbußen nach Windkraftprozess gegen Firma aus Lenne

Die Angeklagten sollen mehrere Windkraftanlagen an Kunden verkauft haben, die überhaupt nicht funktionierten. Der Fall wurde jetzt am Landgericht Arnsberg verhandelt.

Die Angeklagten sollen mehrere Windkraftanlagen an Kunden verkauft haben, die überhaupt nicht funktionierten. Der Fall wurde jetzt am Landgericht Arnsberg verhandelt.

Foto: Arne Dedert

Schmallenberg/Arnsberg.   Das Verfahren gegen Mitarbeiter der Sternberg AG aus Lenne, die Kunden betrogen haben sollen, wird vorläufig eingestellt. Die Hintergründe.

Kurz vor 11 Uhr. Die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder der Sternberg AG aus Lenne warten vor Saal 2 am Landgericht in Arnsberg auf ihre Verhandlung, beide in Anzug und Hemd. Nervosität ist nicht zu spüren, die Atmosphäre ist locker. Dann geht es los.

Die Lockerheit ist verflogen. Dem 68-jährigen Angeklagten aus Schmallenberg und dem 41-jährigen Angeklagten aus Arnsberg wird gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen - mit Windkraftanlagen. Sie sollen mehreren Kunden Anlagen angedreht haben, die überhaupt nicht funktionierten.

Berufung gegen Urteil eingelegt

Ein Urteil in der Sache gibt es schon vom Amtsgericht Schmallenberg: Die ehemaligen Vorstandsmitglieder waren in erster Instanz zu je einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden.

Beide Angeklagten legten Berufung ein, beteuerten, dass sie nie betrogen hätten und den Käufern klar gewesen sei, dass es sich bei den beworbenen Anlagen um Prototypen handele.

Der Fall ging daher ans Landgericht Arnsberg. Dort entscheidet die Kammer anders – die Männer sollen eine höhere Geldbuße zahlen, dann wird das Verfahren gegen sie eingestellt.

Seit 2008 Anlagen verkauft

Kurz nach Verhandlungsstart regen die Anwälte der Angeklagten eine Unterbrechung an, um sich mit Richterin Julia Pieper und dem Staatsanwalt zu beraten.

Kurze Zeit später steht fest: Das Verfahren gegen beide Männer wird vorläufig eingestellt, sie sollen eine Geldbuße zahlen – 20.000 Euro soll der 68-jährige Schmallenberger bezahlen.

Es sei gerichtsbekannt, dass er Immobilienmillionär ist und über mehrere Gebäude verfüge, hieß es bereits im ersten Urteil des Amtsgerichts Schmallenberg. Wie viele Immobilien er besitzt, konnte er damals nicht genau sagen. Mittlerweile ist der Schmallenberger seit drei Jahren im Ruhestand.

Seit der Gründung der Sternberg AG im Jahr 2000 war der 68-jährige Angeklagte im Vorstand der Firma, seit 2008 hatte sich die Firma mit dem Vertrieb von Windkraftanlagen beschäftigt.

Der 41-jährige Angeklagte aus Arnsberg, der jetzt als Großkundenbetreuer tätig ist, war erst 2012 in den Vorstand des Unternehmens eingetreten. 2013 meldete die Sternberg AG - die hauptsächlich Metallprodukte, Kunststoffteile und Metall-Kunststoff-Verbindungen produzierte – Insolvenz an.

Die Kunden, die Windkraftanlagen für mehrere tausend Euro bei der Firma gekauft hatten - die jedoch laut ihren Aussagen völlig untauglich gewesen seien – verloren ihr Geld. Die Windkraftanlagen wurden bereits wieder abgebaut.

Geld für lokale Einrichtungen

Sechs Monate haben die Angeklagten nun Zeit, die Geldbuße zu bezahlen – „ansonsten wird der Fall wieder aufgenommen und dann folgen umfangreichere Beweisaufnahmen, mit Hinzuziehung eines Gutachters und weiteren Zeugen“, so Richterin Julia Pieper.

Ein Abschluss der Verhandlung sei nach Auffassung von Gericht und Staatsanwaltschaft ansonsten nicht zeitnah möglich gewesen, die Auffassungen zu dem Fall gingen zu weit auseinander. Das sei auch der ausschlaggebende Grund für eine Einigung zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung gewesen, sagte Pieper.

„Zudem sind die Angeklagten vorher noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.“ Die Geldbußen sollen nun an Einrichtungen am Wohnort der Angeklagten gehen.

>>>> INFO: So kam es zu den Windkraft-Geschäften

Laut Urteil in erster Instanz hatte der 68-jährige Angeklagte die Sternberg AG zunächst als Sanierungsfall übernommen und später einen Teil der Hallen und Gebäude an eine andere Firma vermietet.

Diese Firma habe in Kooperation mit der Uni Aachen Kleinwindenergieanlagen vertrieben. An dieser Produktion habe sich die Sternberg AG zunächst als Zulieferer beteiligt. Die Firma meldete Insolvenz an.

Daraufhin habe man das Geschäftsmodell übernehmen wollen und auch selbst bei der Universität nach Verbesserungsmöglichkeiten gefragt - denn Probleme mit den Anlagen seien bekannt gewesen.

Die selbstentwickelten und verbesserten Anlagen habe man auf dem Werksgelände getestet. Der 68-jährige Angeklagte hat laut eigener Aussage selbst eine Anlage besessen, die ein Jahr lief und die vom Unternehmen versprochene Leistung erbrachte.

Unter anderem verkauften und lieferten die Angeklagten 2012 drei Anlagen nach Wuppertal und eine nach Darscheid. Diese haben jedoch laut Zeugenaussagen nie funktioniert.

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