Justiz

Haft für Stiefvater nach schwerem sexuellen Missbrauch

Sechs Jahre Haft für einen Mescheder, so das Urteil des Landgerichtes Arnsberg: Er wird wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.

Sechs Jahre Haft für einen Mescheder, so das Urteil des Landgerichtes Arnsberg: Er wird wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt.

Foto: Archiv

Meschede/Warstein.   Ein 51 Jahre alter Mann aus Meschede muss ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte ihn wegen des Missbrauchs seiner Stieftochter in Hirschberg.

Nach sechs Prozesstagen vor der 6. Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer des Landgerichtes Arnsberg ging die Beweisaufnahme im Fall des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Ende: Der 51-jährige angeklagte Busfahrer aus Meschede wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe bis zuletzt

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, seine Stieftochter in der Zeit von 2010 bis 2017 in mindestens sieben Fällen sexuell missbraucht zu haben. Er habe sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen oder hatte solche an sich vorzunehmen lassen. In mehreren Fällen soll es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein.

Der Angeklagte, der sich seit des dringenden Verdachtes in Untersuchungshaft befindet, hatte die Vorwürfe strikt bestritten. In der Familie mit vier Kindern, zwei hatte seine Frau aus Thailand mitgebracht, zwei Kinder hatte man gemeinsam, war es zu Streitigkeiten gekommen, die eine Trennung zur Folge hatten. Zwei Kinder verblieben bei dem Angeklagten, die die Ex beanspruchte. Um das zu erreichen, habe sie ihn falsch beschuldigt und das Kind manipuliert, um ihn zu belasten, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass das Opfer ihnen gegenüber von den Übergriffen ihres Stiefvaters berichtet hatte. Bei einigen Vernehmungen bzw. Anhörungen und bei einigen ihrer Freunde hatte die heute 16-Jährige stets gleichbleibend von den Erniedrigungen erzählt. Bei ihrer Aussage vor Gericht war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, der Angeklagte war aus dem Gerichtssaal entfernt worden, um die Minderjährige zu schützen. Er verfolgte die Angaben seiner Stieftochter in einem Nebenraum.

Ein Psychiater hatte in seinem Gutachten die volle Schuldfähigkeit des Angeklagten festgestellt. Eine weitere Sachverständige, eine Psychologin, kam in ihren Gutachten zu dem Schluss, dass es keine Zweifel an der Wahrheit der Vorwürfe gebe: „Die Geschädigte hat durch qualitative Konstanz ihrer Aussagen überzeugt. Ihre Angaben waren detailreich und sie hat sich dabei nie in Widersprüche verstrickt“, argumentierte die Gutachterin.

Staatsanwaltschaft beantragt Freispruch

Der Wahlverteidiger des Angeklagten stellte das Gutachten in Zweifel. Es seien bei der Anhörung der Jugendlichen einige Fragen nicht gestellt worden, die unbedingt hätten angesprochen werden müssen. Der Anwalt warf der Sachverständigen vor, ihr eigenes Gutachten nicht zu kennen. Er beantragte, das Gutachten zu verwerfen und ein neues erstellen zu lassen. Dieser Antrag wurde vom Gericht abgelehnt.

Nach Beendigung der Beweisaufnahme wurde die Öffentlichkeit per Gerichtsbeschluss vor den Plädoyers ausgeschlossen: Durch die in den Plädoyers enthaltenen Aspekte über peinliche Vorkommnisse müsse die Jugendliche geschützt werden. Laut die Pressestelle des Landgerichtes hatte die Staatsanwältin für den Angeklagten einen Freispruch beantragt: Sie sei von seiner Täterschaft nicht überzeugt.

Angeklagter bleibt in Haft

Nicht überraschend war der Antrag der beiden Verteidiger, die ihrerseits ebenfalls einen Freispruch beantragt hatten. Die Anwältin der Nebenklage wollte eine Bestrafung, nannte aber kein Strafmaß. Nach einer ungewöhnlich langen Beratung kam die Kammer in ihrer Urteilsbegründung zu dem Ergebnis, dass man sicher sei, von dem Opfer die Wahrheit gehört zu haben. Man sei von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt. Er bleibt bis zur Vollstreckung des Urteils in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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