Krebs

Hilfe, wenn Frauen durch Chemotherapie die Haare verlieren

Manche Krebspatientinnen wollen keinen Haarersatz. Sie probieren ein Kopftuch aus, so wie hier. Wichtig dabei: Die Patientinen frieren jetzt leicht und sind empfindlicher.

Manche Krebspatientinnen wollen keinen Haarersatz. Sie probieren ein Kopftuch aus, so wie hier. Wichtig dabei: Die Patientinen frieren jetzt leicht und sind empfindlicher.

Foto: Ulrich von Born

Meschede/Ostwig.   Welches Gefühlschaos Frauen durchlaufen, wenn sie durch eine Chemotherapie ihre Haare verlieren, weiß Sandra Rüthing. Wir haben mit ihr gesprochen.

Haare umrahmen das Gesicht, fliegen im Wind, sind Symbol für Freiheit und Schönheit und bieten Schutz. Welches Gefühlschaos Frauen durchlaufen, wenn sie - zum Beispiel durch eine Chemotherapie - ihre Haare verlieren, weiß Sandra Rüthing.

Die selbstständige Friseurmeisterin, die in Meschede lebt und in Ostwig ihren Salon hat, ist ehrenamtliche Partnerfriseurin von „DKMS LIVE“. Die Initiative unterstützt Kosmetik- und bietet spezielle Haarprogramme für Krebspatientinnen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Was brauchen Krebspatientinnen abseits von Kosmetik und Frisur?

Ein offenes Ohr, ein aufklärendes Gespräch und Einfühlungsvermögen. Erstmal betrachte ich eine Krebspatientin nicht anders als eine gesunde Kundin, die meinen Laden betritt. Ich versuche gemeinsam mit ihr herauszufinden, was sie sich wünscht, was sie braucht. Dann geht es aber vor allem auch darum, ihre Sorgen und Nöte herauszuhören. Die Frauen haben es verdient, dass man ihnen Zeit schenkt, ihre Sorgen ernst nimmt und zuhört. Aber bei diesen Treffen im St.-Walburga-Krankenhaus, die ich jetzt im vierten Jahr begleite, ist auch der Austausch untereinander wichtig - es entstehen oft lustige Gespräche und wir haben auch viel Spaß mitein­ander.

Warum haben Sie sich als Partnerfriseurin der DKMS ausbilden lassen?

Ich hatte vor sieben Jahren eine Freundin, die an Krebs erkrankt ist. Durch sie und durch weitere Bekannte habe ich erfahren, dass viele Frauen sich zu den Themen Kosmetik und Frisur zu spät Hilfe holen. In den Arztgesprächen kommt das oft zu kurz. Und ich habe schon oft gedacht, da hätte man früher helfen können.

Was macht eine gute Perücke aus?

Ihr guter Sitz und die Qualität. Aber vor allem muss sich die Patientin damit wohlfühlen. Deshalb ist es sehr wichtig her­ausfinden, was die Kundin möchte. Einige wollen zum Beispiel gar kein Zweithaar. Sie kommen auch mit Tüchern / Mützen oder einem Haarteil klar. Auch dazu gebe ich Tipps. Aber die meisten möchten so aussehen, wie vor dem Haarverlust. Deshalb ist es wichtig, dass die Frauen früh Hilfe bekommen, bevor das Haar ausgeht, damit ich mir von dem Schnitt von Haarfarbe, der Wuchsrichtung und den Wirbeln ein Bild machen kann. Umso natürlicher kann der Haarersatz der Trägerin angepasst werden. Es ist gut, wenn man sich bei der Auswahl ein bisschen Zeit lassen kann. Ansonsten sind auch Fotos sehr hilfreich.

Wenn die Haare fallen, was raten Sie dann? Zur radikalen Rasur?

Das ist in der Regel tatsächlich der bessere Weg für den Heilungsprozess. Auch wenn dabei Tränen fließen. Sonst leidet man ja bei jedem Haarbüschel, das ausfällt, erneut. Ich schneide die Haare dann meist erst auf drei Millimeter, bevor ich den Kopf später ganz kahl rasiere. Dann ist es aber wichtig, dass man Kopf und Kopfhaut durch Tücher, Mützen oder eine Perücke schützt. Die Patientin friert jetzt leicht und ist wesentlich empfindlicher.

Und was ist beim Schminken wichtig?

Die Patientin muss sich wohl fühlen in ihrer Haut. Die Kosmetikerin zeigt, wie man Augenbrauen und Wimpern korrigiert und gibt Tipps zu Pflegeartikeln, denn die Haut wird durch die Chemotherapie ja oft trocken und rissig.

Im Anschluss an die Chemotherapie fallen die Frauen oft durch eine flotte, graue Kurzhaarfrisur auf. Doch das lassen die wenigsten so?

Ja, das stimmt. Die ersten Haare sind meist grau und gelockt. Für die Frauen ist es aber zu dem Zeitpunkt erst mal ganz wichtig, dass sie die Krankheit hinter sich lassen. Nach der überstandenen Chemotherapie wollen sie sobald wie möglich wieder so aussehen, wie vorher. Sie wollen zurück in die Zeit, in der alles noch gut war. Aber zuletzt hatte ich jetzt drei Patientinnen, die sich nach dieser Phase doch für eine Kurzhaarfrisur entschieden haben. Manchmal wächst aus dieser Zeit eben auch eine ganz neue Idee.

Informationen zum Seminar

Das St.-Walburga-Krankenhaus bietet gemeinsam mit der Initiative „DKMS LIFE“ Kosmetik- und Frisurenseminare für Krebspatientinnen in Therapie an.

Maximal zehn Teilnehmerinnen erhalten in dem zweistündigen kostenlosen „Mitmach-Verwöhnprogramm“ am Freitag, 21. April, ab 15 Uhr praktische Tipps von den geschulten ehrenamtlichen Expertinnen zum Thema Kosmetik und Frisuren-/ Kopfschmuckgestaltung, um die sichtbaren Folgen der Krebstherapie wie Haar-, Wimpern- oder Augenbrauenverlust zu kaschieren.

Saskia Kiewel, Initiatorin und Leiterin des Pflegedienst-Team der Onkologischen Abteilung im Mescheder Krankenhaus sowie Sandra Rüthing, speziell geschulte Partnerfriseurin, sind im persönlichen, kleinen Kreis für die Patienten da.

Fragen beantwortet das Stationsteam der Onkologie unter 202 1040.

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