Prozess

Hund beißt erneut zu - Polizist jetzt in Meschede angeklagt

Polizei-Diensthündin „Ilvy“ zugebissen. Dafür wurde ihr Hundeführer

Polizei-Diensthündin „Ilvy“ zugebissen. Dafür wurde ihr Hundeführer

Foto: Privat

Freienohl.   Erst im Mai ist ein Hundeführer der Polizei verurteilt worden, weil sein Schäferhund zugebissen hat. Jetzt ist er auch in Meschede angeklagt.

Für den 36-jährigen Polizeibeamten geht es um viel: Bei einer erneuten Verurteilung muss er um seinen Job fürchten. Zum zweiten Mal ist ein Hundeführer aus Brilon angeklagt, weil dessen Belgischer Schäferhund im Einsatz zugebissen hat - diesmal in Freienohl.

Der Fall

In der Straße „Breiter Weg“ in Freienohl hatten sich Sonntag, 20. März 2017, um 3 Uhr morgens nach der Valentinsfete der JU mehrere Männer geprügelt. Laut Anklage, so Claudia Rosenbaum, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg, „kam der Hundeführer hinzu, als die Schlägerei beendet war.“

Im Polizeibericht hieß es damals, der Hundeführer und seine Kollegin seien von einer Gruppe junger Erwachsener massiv beschimpft und bedroht worden. Unter anderem hätten sie dazu aufgerufen, den Hund abzustechen. Der Polizist habe mehrfach den Einsatz des Diensthundes angedroht und davor gewarnt, sich dem Hund zu nähern. Die Beamten forderten die Beteiligten auf, sich auszuweisen.

Dann weichen Anklage und Polizeibericht voneinander ab. In der Anklage steht: Ein 22-jähriger Arnsberger ging mit seinem Ausweis auf den Beamten zu, als der Hund zubiss. In der Pressemeldung hieß es dagegen damals, der Arnsberger habe die Geldbörse auf den Hundeführer geworfen und sich dem Tier genähert. Ilvy biss zu. Unstreitig ist: Der Mann wurde an zwei Fingern leicht verletzt.

Zu dem Zeitpunkt habe sich der Hund noch an der Leine befunden, erklärte Rosenbaum. „Doch dann hat sich das Tier aus dem Halsband gewunden und einen weiteren Mann in den Oberschenkel gebissen.“ Im Polizeibericht hieß es damals, der verletzte 24-Jährige habe zuvor wild gestikuliert und geschrien.

Die Anklage

Oberstaatsanwältin Rosenbaum erläutert die Anklage, die im Februar 2019 nach fast zweijähriger Recherche erhoben wurde, so: Sie lautet auf gefährliche Körperverletzung im Amt. „Ein Hundeführer muss seinen Hund im Griff haben. Das Tier darf nur dann zubeißen, wenn es dazu aufgefordert wird. Und es darf sich auf keinen Fall aus dem Halsband herauswinden.“

Der erste Fall

Im Briloner Fall hatte Ilvy nach einer wilden Verfolgungsjagd einen Jugendlichen gebissen, als der bereits die Tür geöffnet hatte, um aus dem Auto auszusteigen. Zu sehen war das in einem Videobeweis. Der 17-jährige Beifahrer war mehrfach in Unterarme und Oberschenkel gebissen worden. Der Polizist war daraufhin im Mai 2019 zu einer Freihaftstrafe von sechs Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Im Gericht hatte es nach dem Urteil unverständliches Kopfschütteln der rund 20 anwesenden Polizisten gegeben.

Die Gewerkschaft

Georg Mohr aus Meschede, er ist Vorsitzender des Kreisverbands der Deutschen Polizeigewerkschaft, sieht wie viele seiner Kollegen die erneute Anklage mit großer Besorgnis. Er weiß um die Belastung der Beamten im Einsatz: „Ein Polizist muss in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, Juristen und Behörden haben im Anschluss Wochen und Monate Zeit nach den Fehlern zu suchen.“

Im Briloner Prozess war der Einsatz des Hundes offenbar noch über den Einsatz einer Schusswaffe gesetzt worden. „Wer als Polizist die Schusswaffe nutzt, muss vor dem Ziehen schon prüfen, ob er schießen darf. Ob ich dann wirklich schieße, kann ich noch von der Situation abhängig machen“, erläutert Mohr. Der Hund sei zwar optimal ausgebildet, sei aber, einmal losgelassen, kaum noch steuerbar. „Er entscheidet dann selbst, ob sein Herrchen gerade attackiert wird und reagiert.“

Mohr erinnert auch an die schwierige Personalsituation der Behörde: „Die Zahl der Hundeführer ist in den vergangenen Jahren von vier auf zwei zurückgegangen.“ In Zukunft sieht er deshalb auch Schwierigkeiten, überhaupt noch Hundeführer für den Job zu begeistern.

Für den Briloner Polizisten wäre eine zweite Verurteilung auch deshalb folgenschwer, so Mohr, weil ein Beamter, der zu mehr als einem Jahr Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt wird, entlassen werden muss.

>>>HINTERGRUND

Während des Einsatzes in Freienohl waren auch die hinzugerufenen Unterstützungskräfte massiv beleidigt worden.

Ein alkoholisierter 24-jähriger Mescheder erhielt einen Platzverweise. Da er dieser mehrfach ausgesprochenen Aufforderung nicht nachkam und er sich weiterhin aggressiv gegenüber den Beamten verhielt, wurde er dem Polizeigewahrsam in Meschede zugeführt.

Bei der Schlägerei waren drei Personen leicht verletzt worden.

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