Seegespräch

„Ich liebe das Sauerland und habe meine Freunde hier“

Seegespräch mit Unternehmerin Sabine Knipschild, hier im Bild mit Tochter Marie am Hennesee.  

Seegespräch mit Unternehmerin Sabine Knipschild, hier im Bild mit Tochter Marie am Hennesee.  

Foto: Privat

Meschede.  Sabine Knipschild führt Knipschild Reisen in dritter Generation. Wie sich Fahrgäste im Laufe der Jahre verändert haben, erzählt sie im Interview.

Der Name Knipschild ist in Meschede und Umland sehr präsent. Er kurvt als Schriftzug täglich auf Linienbussen durch die Straßen. Jedes Kind, das einmal mit dem Bus zur Schule gefahren ist, kennt ihn. Gemeinsam mit ihrem Bruder Marcus leitet Sabine Knipschild (43) das Familienunternehmen Knipschild-Reisen in der dritten Generation. Die Unternehmerin ist eine Frau mit klaren Worten und Witz. Wir trafen sie zum Seegespräch im Welcome Hotel am Hennesee.

Frau Knipschild, war für Sie immer klar, dass Sie das Unternehmen übernehmen?

Sabine Knipschild: Mein Vater sagte zu mir: „Schau Dich um, was es sonst noch gibt.“ Er hätte nicht von uns erwartet, dass wir den Betrieb übernehmen. Aber ich hatte immer schon Spaß daran, ich liebe das Sauerland und habe meine Freunde hier. Deshalb habe ich mich dafür entschieden. Nach meinem Studium kümmerte ich mich zunächst um die Reiseplanung und -kalkulation. Hotels suchen, Routen planen, Preise verhandeln.

Von der Tochter zum Chef – wie war das für Sie?

Ich bin ja in der Firma aufgewachsen, viele Fahrer kannten mich als Kind. Es gab dann schräge Situationen wie: Ein Mitarbeiter, der seit meiner Geburt bei uns arbeitet, duzte mich noch, während ich ihn siezte. Darüber haben wir dann auf einer Weihnachtsfeier gesprochen und uns wie bei allen Kollegen für das Duzen entschieden (lacht). Aber die Akzeptanz und das Vertrauen in meine Arbeit waren schnell da. Auch die Zusammenarbeit mit meinem Bruder klappt super. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir ergänzen uns optimal und werden auch von meiner Schwägerin unterstützt. Er kümmert sich um das operative Geschäft, ich um das kaufmännische.

Wie wird sich das Unternehmen in Zukunft entwickeln?

Der öffentliche Personennahverkehr ist unser Kerngeschäft. Die Möglichkeit zu wachsen ist also begrenzt. Wir werden stabil bleiben. Wir haben eine gesunde Größe von 35 Mitarbeitern. Uns ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen. Technisch, aber auch in der Auswahl unserer Reisen.

Wie haben sich denn die Kunden verändert?

Der 70-Jährige von heute ist nicht mit denen vor 20 Jahren vergleichbar. Früher haben Kunden eine Reise bei uns gebucht, weil man uns vertraute. Heute informieren sie sich erst bei TripAdvisor und Holidaycheck über Hotels und Routen. Die Kunden sind anspruchsvoller, das ist natürlich ok. Aber Du musst als Unternehmen bereit sein, darauf zu reagieren. Das sind wir. Allerdings stehe ich auch hinter dem Spruch: Du kannst billig oder schön verreisen.

Welche Reisen sind besonders beliebt?

Norwegen. Das Land erkundet man mit allen Facetten am besten aus einem Bus heraus, nicht nur die Küste von einem Schiff aus. Die Landschaft ist einmalig.

Und welche Fahrten sind bei den Busfahrern beliebt?

Der Schulbus mit den Grundschülern, weil da noch richtig Leben in der Bude ist. Die Kinder unterhalten sich und da mitzuhören kann als Fahrer sehr amüsant sein. Je älter die Kinder werden, desto stiller wird es, weil alle auf ihre Handys starren. Die Fahrer sehen dann noch Haare, keine Gesichter mehr im Rückspiegel.

Nach dem Tod Ihrer Eltern haben Sie sich für eine Projektwoche an der Grundschule in Wehrstapel eingesetzt. Worum geht es da?

Das Projekt heißt „Hospiz macht Schule“ und ist eine Herzenssache von mir. In einer Projektwoche beschäftigen sich die Kinder aus der vierten Klasse mit den Themen Sterben, Tod und Trauer. Die Kinder werden in kleinen Gruppen intensiv betreut von einem sympathischen Team des Caritasverbandes Meschede . Wir haben vom Lions-Club Bestwig/Olsberg Bücher und Material angeschafft. Im nächsten Jahr wird es wieder angeboten. Vielen fällt es schwer über den Tod zu sprechen – gerade mit ihren Kindern. Aber auch Kinder erleben Trauer. Wir dürfen sie da nicht allein lassen.

Finden Sie, dass Meschede eine kinderfreundliche Stadt ist?

Ja, das schon. Ich bin zum Beispiel sehr zufrieden mit unserer Grundschule. Auch die Entwicklung in der Innenstadt und am Hennesee ist toll. Hier verbringen wir viel Zeit. Aber es gibt Luft nach oben. Der Spielplatz im Hennepark hat sein Potential noch nicht ausgeschöpft. Inspiration könnten sich die Stadtplaner auf dem Spielplatz in Eslohe holen. Da treffe ich übrigens häufiger Mescheder. Ich bin dafür, lieber vier große Spielplätze auszustatten, als 20 kleine. Denn Rutsche und Sandkasten haben ja die meisten schon im Garten stehen.

Was sagen Sie zum Umbau in der Ruhrstraße?

Das ist super. Gerade für die Geschäfte, die an den schmalen Blumenkästen lagen, wird sich die Lage verbessern. Unser Reisebüro lag zum Beispiel auch an dieser schmalen Seite, neben Parfümerie Völker. Der Kundenstrom lief immer an der breiteren Seite bei Gerstgarbe her. Unbewusst für die Fußgänger, aber spürbar für die Kaufleute.

Wie lässt sich Ihr Beruf mit den Kindern vereinbaren?

Ich habe eine 75-Prozent-Stelle und ich kann viel von zu Hause erledigen. Du musst gut organisiert sein und ein gutes Netzwerk ist auch wichtig. Ich habe Freunde, auf die ich mich zu 100 Prozent verlassen kann. Solche, die Hühnersuppe bringen, wenn ich krank bin oder sich um die Kinder kümmern.

Wenn man mal eine schöne Busreise im Linienverkehr machen möchte, welche Linie empfehlen Sie?

Die Linie C4 von Meschede nach Grevenstein und zurück. Dauert genau eine Stunde und die Landschaft ist Sauerland pur.

Zur Person

Sabine Knipschild (43) ist alleinerziehend, Mutter von zwei Kindern und lebt in Wehrstapel. Sie legte 1995 das Abitur am Gymnasium der Stadt Meschede ab, absolvierte dann eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und studierte an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Tourismus und Marketing.

Privat liest Sabine Knipschild gern und viel. Zuletzt die Reihe der Sieben Schwestern, aber auch anspruchsvolle Literatur wie „Ein Kurs in Wundern“. Sie hat seit fünf Jahren den zweiten Grad der Reiki-Ausbildung erlangt, was ihr unter anderem bei der eigenen Trauerbewältigung hilft. Außerdem reist sie gern und fährt Rad.

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