Frust der Eltern: In Meschede fehlen weiter 30 Kita-Plätze

Die meisten Eltern haben einen Wunsch-Kindergarten. Doch nicht jeder erhält dort einen Platz für sein Kind. Das sorgt für Frust.

Die meisten Eltern haben einen Wunsch-Kindergarten. Doch nicht jeder erhält dort einen Platz für sein Kind. Das sorgt für Frust.

Foto: Riem Karsoua / WP

Meschede.  In Meschede fehlen weiter Kita-Plätze. Das heißt auch: Nicht alle dürfen die gewünschte Einrichtung besuchen. Das sorgt für Frust bei den Eltern.

In Meschede hat sich die Betreuungssituation verbessert. Allerdings fehlen aktuell noch 30 Plätze für Kinder, die über drei Jahre alt sind. Aus der Mescheder Kommunalpolitik gibt es weiterhin Kritik am Kreisjugendamt, weil Eltern zu lange auf eine Nachricht warten, ob sie mit einem Kita-Platz rechnen können.

Ärger der Eltern und der Kitas in Meschede

Ärger gibt es in Meschede mit der Vergabe von Kita-Plätzen. Maria Gödde-Rötzmeier (UWG) wies im Ausschuss für Generationen, Bildung, Freizeit und Soziales insbesondere auf die Probleme für Auswärtige hin, die nach Meschede ziehen: Sie kennen das Verfahren nicht und erfahren zu spät, ob und wo sie einen Betreuungsplatz für ihr Kind finden.

Gödde-Rötzmeier nannte den Fall von Eltern, die sich im November 2019 angemeldet hätten, aber im Juni 2020 immer noch nicht wüssten, ob ihr Kind auch zum August angenommen werde. Sie kritisierte das ihrer Ansicht nach umständliche Verfahren über das zuständige Jugendamt. Sie zitierte aus Kindergärten: „Wir machen nichts anderes, als uns mit Eltern auseinander zu setzen, anstatt uns um Kinder zu kümmern.“ Der Vergabeprozess müsse deshalb vereinfacht werden.

Auch Martin Eickelmann (CDU) sprach davon, „da ist Druck dahinter, da ist pure Not“. Denn Elternteile würden von ihrem Arbeitgeber gefragt, wann sie an den Arbeitsplatz zurückkehrten und könnten das nicht beantworten, weil sie nicht wüssten, wie ihr Kind betreut werde: „Da muss sich was an unserem Amtsschimmel ändern.“

Die Sicht des Kreisjugendamtes

Michael Clemens, Fachdienstleiter für die Kindertagesbetreuung beim Hochsauerlandkreis, sprach von durchaus „robusten Gesprächen mit Eltern, die ihre Kinder in Betreuung haben wollen“. Er betonte aber, vor Zusagen würden die Kitas einen Bescheid des Jugendamtes abwarten, ob sie auch Landes-Zuschüsse für die beantragten Plätze bekämen. Diese Geld-Zusagen ans Jugendamt durch den Landschaftsverband seien erst jetzt gekommen. Clemens forderte von den Kitas, „eine konziliante Sprachregelung zu wählen“ – also Eltern nicht nur die formale Auskunft zu geben, man warte auf einen Bescheid, sondern lieber zu sagen „Wir möchten euch nehmen!“ Denn in 99,9 Prozent der Fälle würden die beantragten Plätze auch genehmigt.

Persönliches Gespräch statt Online-Anmeldung

Anmeldungen für Kitas direkt im Kreisjugendamt oder Online-Anmeldungen wird es nicht geben: Ersteres funktioniere in einem Flächenkreis wie dem HSK nicht, sagte Clemens. Denn es sei niemandem beispielsweise aus Züschen zumutbar, dafür nach Meschede zu fahren. Gegen ein Online-Anmeldeverfahren wiederum hat sich der Kreisjugendhilfeausschuss ausgesprochen. Clemens verdeutlichte, eine Online-Nennung ersetze auch kein persönliches Gespräch der Eltern mit der jeweiligen Kita-Führung – „das machen die freien Träger nicht mit“: „Die werden sich von uns nicht vorschreiben lassen, wen sie aufnehmen sollen.“

Gespräche zugesagt

„Einfach so weitermachen können wir nicht“, meinte Maria Gödde-Rötzmeier. Fachbereichsleiter Ulrich Müller-Thüsing vom Kreis sagte: „In dieser Deutlichkeit nehme ich das erstmals wahr.“ Er sicherte Gespräche mit den Kita-Trägern und mit Nachbar-Jugendämtern zu, wie die mit den Anmeldeverfahren umgehen. Bürgermeister Christoph Weber kündigte an, dass die Stadtverwaltung ein eigenes Planungs-Tool anschaffen wolle: „Die jetzige Situation ist völlig unbefriedigend“, sagte er. Auch er bekomme den Ärger von Eltern direkt zu spüren.

DRK-Kita in Berge

Für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren stehen inzwischen durch die Kita-Neueröffnung des DRK in Berge ausreichend Plätze zur Verfügung. Dass ein Bedarf an Plätzen für ältere Kinder erforderlich würde, war in der Vergangenheit nicht absehbar: Die Zahl der Kinder war gesunken, dann stieg aber die Geburtenzahl unerwartet wieder an, erklärte Michael Clemens. Mittelfristig wird die Betreuung durch den jetzt genehmigten Kita-Neubau der AWO an der Ziegelei in Meschede gewährleistet sein.

Großtagespflege in Aussicht

Kurzfristig stellt Clemens eine neue Großtagespflege für zu neun Kinder in Meschede in Aussicht: Ein Interessent, der in Dortmund bereits eine Großtagespflege betreibe, will nach Meschede ziehen und sie hier eröffnen. Zwei Objekte seien schon besichtigt worden, schieden dann aber aus. Wer noch eine 90 bis 110 Quadratmeter große Wohnung hat, möglichst mit Garten dazu: Bitte beim Kreisjugendamt melden.

>>>HINTERGRUND

Zu Beginn des Betretungsverbotes der Kitas in der Corona-Krise waren im Jugendamtsbezirks insgesamt 40 bis 60 Kinder am Tag in der Notbetreuung; danach stiegen die Zahlen bis auf 1200 bis 1300 an.

Mit der Aufnahme des normalen Betriebes sind in den Kitas derzeit 3120 Kinder – von 4400 vor Corona. „Einige bleiben also Zuhause, aus welchen Gründen auch immer“, so Michael Clemens.

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