Interview

In Meschede gibt es Gesprächsabende speziell für Männer

Die Gesprächsabende bieten Männern die Möglichkeit über ihre Probleme zu sprechen.

Die Gesprächsabende bieten Männern die Möglichkeit über ihre Probleme zu sprechen.

Meschede.   Ronald Thiele ist Ehe- Familien- und Lebensberater in Meschede. Er bietet möchte dem „starken Geschlecht“ bei Problemen helfen

Ein Abend nur für Männer - den bietet die katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Meschede an. Nicht an der Theke oder am Grill, sondern auf Stühlen im Kreis. Das Gruppenangebot mit dem Titel „Mann, trau dich!“ ist für Männer, die Austausch suchen. Ronald Thiele leitet die Gruppe. Er ist Ehe-, Familien- und Lebensberater. Bevor die nächste Gruppe am 1. März startet, erzählt uns der 54-Jährige, wie die Männerabende ablaufen und warum er sich für dieses Angebot entschieden hat.

Warum haben Sie sich entschlossen Abende speziell für Männer anzubieten?

Ronald Thiele: Ich arbeite zu 70 Prozent bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Meschede, daneben bin ich im Bildungs- und Exerzitienhaus in Elkeringhausen im Bereich Männerarbeit tätig. Die Idee zu der Gruppe ist durch meine Arbeit in beiden Bereichen entstanden. Ich habe festgestellt, dass Männer häufig unter großem Druck stehen. Frauen natürlich auch, aber da hilft die Frauenberatung. Die nächsten Beratungsstellen für Männer sind in Paderborn, Bielefeld und Olpe, also nicht gerade um die Ecke. Mir liegen Männer einfach am Herzen, besonders wenn es ihnen nicht gut geht. Ich möchte ihnen helfen.

Wie sieht diese Hilfe aus?

Ich biete Männern vertrauliche Gesprächsabende. Mein vierter Kurs startet am 1. März und geht bis in den November. Es finden acht Abende statt. Die Treffen sind immer einmal im Monat. Eingeladen sind alle Männer, die sich mit anderen austauschen möchten, vielleicht auch etwas ansprechen möchten, was sie schon lange belastet.

Dafür schaffe ich die Atmosphäre. Ich bin aber kein Nussknacker, dass heißt, ich knacke die Teilnehmer nicht, zwinge sie nicht etwas zu erzählen, was sie nicht erzählen möchten. Das entscheidet jeder selbst. Ich telefoniere bevor die Gruppe startet mit allen Männern, die sich angemeldet haben. Schaue, welche Probleme sie haben und ob sich die Gruppe für sie eignet, oder sich vielleicht doch eher eine Einzelberatung bei uns anbietet. Wenn jemand zum Beispiel noch mitten in einer Depression steckt, ist die Gruppe vielleicht nicht das richtige für ihn, dann rate ich demjenigen eher zur Therapie oder begleite ihn bis dahin einzeln.

Wie sehen die Männerabende aus?

Wir beginnen erstmal mit einem Kennenlernabend, bei dem sich jeder vorstellt. Wir sitzen im Kreis zusammen. Ich gebe Impulse, um die Gespräche einzuleiten. Impulse sind bei Männern natürlich etwas anders als in anderen Gruppen, da lege ich keine Muscheln oder Tücher in die Mitte, sondern eben beispielsweise eine Werkzeugkiste. Die Männer können sich dann anhand der Werkzeuge vorstellen, der eine nimmt dann vielleicht einen Hammer, der andere Block und Stift, weil er eher der Planer ist. So entstehen Gespräche. Ich habe es noch nie erlebt, dass Männer sich die eineinhalb Stunden, die das Treffen geht, nur angeschwiegen haben. Sie sind ja gekommen, um zu reden und sich auszutauschen – das machen sie dann auch.

Welche Themen beschäftigen Männer am häufigsten?

Es sind Themen wie Krankheit, Depression und Trauer. Aber auch Arbeit und Arbeitsdruck kommen immer wieder zur Sprache, manchmal sprechen wir auch über Paarbeziehungen. Die Gesprächsabende bieten den Männern einen Schutzraum, in dem sie sich öffnen können. Sie wissen, dass die anderen Männer auch keine „Heroes“ sind, dass sie auch ihre Probleme haben. Männer haben in der Regel eine höhere Hemmschwelle, wenn es darum geht, über ihre Probleme und Gefühle zu sprechen. Das hängt, glaube ich, auch an alten Klischees, wie „Männer weinen nicht“, oder „Indianer kennen keinen Schmerz“. Da ist nie die Sprache von Indianerinnen. Die Männer, die zu unserer Gruppe kommen, sind in der Regel über 40 Jahre alt, dass heißt, deren Eltern haben noch in einem eher patriarchischem Umfeld gelebt. Diese Väter waren Vorbilder, die ihren Kindern unbewusst vermittelt haben, nicht über ihre Gefühle zu sprechen. Wir können dieses Muster in der Gruppe hoffentlich ein wenig aufweichen.

Unterscheiden sich die Probleme von Männern und Frauen?

Ich glaube, da gibt es keine großen Unterschiede, die Probleme sind ähnlich. Unterschiedlich ist nur der Umgang mit den Problemen. Ich würde sagen, dass Männer tendenziell eher dazu neigen, Probleme in sich reinzufressen. Frauen kommunizieren eher. Das ist natürlich aber nur eine Tendenz. Jeder Mensch ist anders, egal ob Mann oder Frau. Aber generell spielt da auch wieder das Bild, dass der Mann „der Starke“ sein muss, eine Rolle.

Gibt es bereits Anmeldungen für die nächste Gruppe?

Ja, es haben sich schon drei Männer gemeldet. Generell sollten es nicht mehr als acht Teilnehmer sein, sonst wird die Gruppe zu groß. Falls es mehr Interessenten gibt, würde ich eher überlegen noch eine weitere Gruppe anzubieten. Natürlich beraten wir in unsere Beratungsstelle aber nicht nur Männer. Jeder ist willkommen. Nur dieses eine Angebot richtet sich speziell an Männer. Man muss bei uns kein Geld und kein Rezept mitbringen, alle Beratungen sind kostenfrei.

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Der erste Männerabend findet am Donnerstag, 1. März, in den Räumen der Beratungsstelle für Ehe- Familien- und Lebensfragen in Meschede statt. Anmeldungen und weitere Informationen unter 7818 oder per Mail:
eheberatung-meschede@ erzbistum- paderborn.de

Ronald Thiele leitet die Gruppe. Der 54-Jährige hat Religionspädagogik studiert. Von 2009 bis 2014 folgte er eine Ausbildung zum Ehe-, Familien- und Lebensberater. Seit 2012 arbeitet er in der katholischen Beratungsstelle in Meschede. Seit 1994 kümmert er sich in Elkeringhausen um die Männerarbeit.

Ronald Thiele ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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