Schuldnerberatung

Jeder Zehnte ist in Bestwig überschuldet

Mit der Schuldnerberatung können Lösungen erarbeitet werden, um aus der Schuldenfalle zu entkommen. In der heimischen Region hilft die Diakonie. 

Foto: Ingo Otto

Mit der Schuldnerberatung können Lösungen erarbeitet werden, um aus der Schuldenfalle zu entkommen. In der heimischen Region hilft die Diakonie.  Foto: Ingo Otto

Meschede/Eslohe/Bestwig/Schmallenberg.  Laut Schuldneratlas ist in Bestwig jeder Zehnte überschuldet. In Meschede, Schmallenberg und Eslohe sind es weniger. Infos zu Gründen und Hilfen.

Einen Kredit dürften die meisten aufgenommen haben, die sich für ein Eigenheim entschieden haben. Kann ein Schuldner aber die Summe seiner Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen und hat zudem Schwierigkeiten die laufenden Ausgaben zu decken, spricht man von Überschuldung. Die Unternehmensgruppe Creditreform hat dazu eine Statistik veröffentlicht: Im Bundesdurchschnitt stehen die Mescheder, Esloher und Schmallenberger gut da. Nur Bestwig liegt leicht über dem Schnitt.

Der „Schuldner-Atlas 2017“ des unabhängigen Finanzdienst­leisters liefert unter anderem eine so genannte „Schuldnerquote“ (teils auch als „Überschuldungsquote“ bezeichnet) für jede Kommune.

Diese liegt in Meschede bei 9,01 Prozent – und damit etwas unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 10,04 Prozent (Stichtag jeweils 1. Oktober 2017). Auch in den Kommunen Schmallenberg (7,36 Prozent) und Eslohe (6,82 Prozent) gibt es unterdurchschnittlich viele Schuldner. Bestwig liegt mit einem Wert von 10,51 Prozent knapp darüber.

Beratung bei der Diakonie

Simone Einhäuser von der Schuldnerberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg sagt dazu: „Vermutlich ist dies nur temporär der Fall. Aus hiesiger Sicht ist die Prozentzahl nicht erklärbar.“ Die Diakonie unterstützt Menschen, die ihre bestehende oder drohende Überschuldung aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen können. Gemeinsam mit ihren Klientinnen und Klienten erarbeiten die Berater dann Entschuldungsmaßnahmen und zeigen Wege auf, mit der schwierigen Situation umzugehen.

In Bestwig berät die Diakonie zurzeit 100 Menschen. In Meschede nehmen 305 Personen die Hilfe der Diakonie in Anspruch – bei einer Einwohnerzahl von 30 327 ist das jeder Hundertste. In Schmallenberg sind es 124, Eslohe kommt auf 45.

Gründe für die Verschuldung

Die Gründe für eine Verschuldung sind laut Simone Einhäuser vielfältig: mangelnde Finanzkompetenz, Arbeitslosigkeit, Niedrigeinkommen, Trennungen und Scheidungen sowie Krankheit oder Sucht.

Die Unterschiede zwischen Verschuldung auf dem Land und in den Städten seien gering: „Auf dem Land liegt die Verschuldung bei Immobiliendarlehen und Kfz-Finanzierungen vermutlich höher als in der Stadt.

Eigentum scheint erschwinglicher und ein Auto ist meistens Grundvoraussetzung, um den Arbeitsplatz flexibel zu erreichen. Es ist schwieriger und kostenintensiver als in der Stadt, auf den öffentlichen Nahverkehr zurückzugreifen.“

Vergleich mit Großstädten

Zum Vergleich: In Dortmund liegt die Schuldnerquote bei 14,44 Prozent, im bundesweiten Schuldner-Spitzenreiter Duisburg sogar bei 17,08. Einhäuser nennt noch zwei weitere Punkte: „Altersarmut fällt auf dem Land noch nicht so deutlich auf und wird durch Familie, Freunde und Nachbarn eher aufgefangen. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit in in den städtischen Ballungsräumen höher.“

Einhäuser sieht aber einen Unterschied im Umgang mit der Schuldenproblematik: „Im ländlichen Bereich fühlen sich die verschuldeten Klienten zum Teil stigmatisiert, Nichtteilhabe fällt unter Umständen schneller auf.“

Strategien entwickeln

Gemeinsam mit den Schuldnern entwickeln die Mitarbeiter der Diakonie eine Strategie, um Ausgaben zu verringern oder Einnahmen zu erhöhen. Ein Haushaltsplan hilft, das verfügbare Ein­kommen besser einzuteilen. Entsprechend der finanziellen Möglichkeiten wird ein Tilgungsplan erarbeitet und/oder das gerichtliche Verbraucherinsolvenzverfahren eingeleitet.

Vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung sowie vergleichbare Notlagen sollen verhindert werden. Tobias Schneider, Pressesprecher der Diakonie sagt: „Wichtig ist auch, mit Gläubigern tragbare Vereinbarungen wie Stundung oder Ratenzahlung zu treffen. Ebenso geht es darum, Fertigkeiten zu erlernen, um erneute Verschuldung zu vermeiden.“

>>>HINTERGRUND

Der Schuldner-Atlas Deutschland ist eine jährliche Analyse zur Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland.

Die Analyse untersucht, wie sich die Personen mit Negativmerkmalen innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilen und wird jährlich von Creditreform und Tochterfirmen durchgeführt.

Mit Hilfe der Analyse können Schuldnerquoten (Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren) auf Basis von Bundesländern bis hin zu Landkreisen und Kommunen dargestellt werden.

Weitere Info zum Vorgehen von Creditreform im Internet auf www.creditreform.de

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