Jüdische Orgel erklingt in katholischer Kirche

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Fleckenberg. Eine berührende Begegnung jüdischer und christlicher Musik haben die Zuhörer in der Fleckenberger Kirche erleben können. Über 80 Besucher waren dabei, als Paul Kayser (Orgel) und Semjon Kalinowsky (Viola) unter dem Titel „Lux Aeternum – Kirche trifft Synagoge“ ihr eindrucksvolles und in dieser Form wohl einzigartiges Konzert präsentierten.

Ausgangspunkt für das Konzert im Rahmen des Spirituellen Sommers war die Geschichte der Orgel der Fleckenberger Kirche, die bis 1905 in der Aachener Synagoge stand. Durch den Verkauf ins Sauerland entging sie der Zerstörung durch die Nationalsozialisten und ist damit heute eine von nur zwei erhalten gebliebenen Synagogenorgeln in ganz Deutschland.

Begeistertes Publikum

Das musikalische Konzept, das Semjon Kalinowsky für dieses Konzert entwickelt hatte, verbindet jüdische sakrale und weltliche Musik mit Musik aus der christlichen Tradition und spannt einen Bogen vom frühen 18. Jahrhundert bis in die Jetztzeit. Stücke christlicher Komponisten für den jüdischen Gottesdienst wie das Kol Nidre von Max Bruch, eine Orgelsonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Präludien und Musik zu den jüdischen Feiertagen von Joseph Rheinberger, Louis Lewandowski und Jehan Alain und Vertonungen von Gebeten von Friedrich Gernsheim, Fernand Halphen und Ernest Bloch gehörten genauso zum Programm wie eine Kirchensonate von Henry Eccles und eine beeindruckende Improvisation des Organisten.

Mit Erstaunen nahmen die Besucher, die aus der ganzen Region nach Fleckenberg gekommen waren, wahr, wie nah und gleichzeitig fern sich die beiden Traditionen stehen. Die von Paul Kayser ausdrücklich hervorgehobene große Qualität der historischen Ibach-Orgel wurde mit Klängen hörbar, wie sie die Fleckenberger in ihrer Kirche bislang wohl noch nicht erlebt haben. Das ausdrucksstarke Zusammenspiel von Orgel und Viola mündete in „Standing Ovations“ am Ende des Abends. „Nicht nur die hochkarätige künstlerische Leistung der beiden Musiker hat mich beeindruckt, sondern auch der historische Moment, als nach über 110 Jahren wieder jüdische Musik auf dieser Orgel erklungen ist“, lautet das Resümee einer Besucherin.

Nicht zuletzt erinnerte das Konzert auch an die jüdischen Familien, die bis zu ihrer Vertreibung und Ermordung durch die Nationalsozialisten und dann wieder nach Kriegsende in Schmallenberg gelebt haben. Auf sehr berührende Weise verwies die Musik, die in der Fleckenberger Kirche zu hören war, auf deren kulturelle und religiöse Wurzeln.

Erinnerung an vertriebene Familien

Die Darbietung ergänzte damit auch die Kunstaktion „Stolpersteine“ und die von Norbert Otto erstellte aktuelle Buchdokumentation, mit denen die Geschichte der Schmallenberger Juden bereits erschlossen wurde.

Frank Hanses dankte als Vertreter des Kirchenvorstandes den Beteiligten der Kirchengemeinde - allen voran dem damaligen Pastor Winfried Wirtz - dafür, dass die Orgel aufgrund der umfangreichen Restaurierung vor knapp 20 Jahren heute überhaupt im Mittelpunkt des Konzertes stehen konnte. Anschließend verlas er ein Grußwort der Synagogengemeinde in Aachen, mit dem sich deren Geschäftsführer dafür bedankte, dass ihre ehemalige Orgel in Fleckenberg in so gutem Zustand erhalten geblieben ist.

„Das ist nicht das letzte Konzert dieser Art an der Fleckenberger Orgel gewesen“, waren sich die Organisatoren Frank Hanses und Tourismusdirektor Hubertus Schmidt einig.

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