Artenschutz

Junger Wisentbulle muss getötet werden

Eine imposante Gestalt: Egnar, der Leitbulle der freilebenden Wisentherde, könnte mit verantwortlich für den Tod eines seiner Söhne sein. Zumindest lassen die Wunden des Jungtiers diesen Schluss zu.

Eine imposante Gestalt: Egnar, der Leitbulle der freilebenden Wisentherde, könnte mit verantwortlich für den Tod eines seiner Söhne sein. Zumindest lassen die Wunden des Jungtiers diesen Schluss zu.

Foto: WP

Latrop.   Ein verletztes Jungtier ist einen Abhang bei Latrop hinunter gestürzt – Leitbulle Egnar könnte der Verursacher sein.

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Die frei lebende Wisent-Herde im Rothaargebirge hat einen Jungbullen verloren, meldet der Trägerverein des Auswilderungsprojektes am Montag. Das etwa 15 Monate alte Tier war schwer verletzt und musste deshalb getötet werden. Es lag am Fuße eines Abhangs bei Latrop. Der Wisentverein berichtet, der zuständige Revierförster habe das Tier am Samstagmorgen „von seinen schweren Leiden“ erlöst.

Der Jungbulle wies einerseits mehrere Knochenbrüche auf, die aus einem Sturz in den vier Meter tiefen Abhang bei Latrop stammen müssen. Andererseits klaffte an seinem Rücken eine tiefe Fleischwunde, wie sie durch das Horn eines ausgewachsenen Wisentbullen verursacht worden sein kann. Deshalb gehen die Verantwortlichen des Wisentträgervereins davon aus, dass sich der Jungbulle in einem Kommentkampf mit dem Leitbullen Egnar verletzt haben muss.

„Ob der junge Wisent ohne äußere Gewalteinwirkung die Böschung herabgestürzt war oder von Bulle Egnar zuvor einen Stoß erhalten hatte, ist nicht zu beantworten“, schreibt der Wisentverein weiter. So unklar wie die Umstände dieses Unfalls, bleibt bislang auch die Identität des Jungtieres. Selbst Wisent-Ranger Jochen Born betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, dies nicht mit Sicherheit sagen zu können.

Der Getötete könnte einer der vier Jungbullen sein, die in Zweiergruppen auch außerhalb des Auswilderungsgebietes unterwegs sind. Kontakt zu diesen Tieren kann der Verein nur über Sichtungsmeldungen halten. Oder: Es handelt sich um ein Tier aus der Herde. Auch da könne nicht immer zweifelsfrei gesagt werden, welche Tiere sich im Bereich der Gruppe aufhalten.

Kein Einzelfall

Der Fall des jetzt getöteten Tieres ist nicht ohne Beispiel. Im Dezember 2010 hatte Egnar – damals noch im Auswilderungsgehege – den zweijährigen Rivalen „WA_75“ mit „massiven Hörnerstößen“ getötet, das hatte die Obduktion ergeben. 2013 im September war das männliche Jungtier „Quandor“ von seinem Vater Egnar auf die Hörner genommen worden und musste anschließend getötet werden.

Zum aktuellen Fall erläutert der zweite Vorsitzende des Trägervereins Klaus Brenner: „Es gab keine Alternative dazu, das Tier von seinen Leiden zu erlösen. Das Töten des Tieres steht ganz klar im Einklang mit den tier- und artenschutzrechtlichen Regeln und Gesetzen. Denn das Töten eines wilden Tieres, um es vor unnötigen Schmerzen und Ähnlichem zu bewahren, steht ausdrücklich nicht im Konflikt mit dem Tier- und Artenschutz.“ In den kommenden Tagen soll der Kadaver veterinärmedizinisch untersucht werden, um genauere Aufschlüsse über die Verletzungen und ihre Herkunft zu erhalten. Zur Zeit lagert das Tier in einem Kühlraum des Forstamtes Schmallenberg.

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