Juniorwahl

Juniorwahl: Hauptschule St. Walburga Meschede übt Demokratie

Rein in die Wahlurne. Die Schüler der St. Walburga Realschule konnten bei der Juniorwahl das Wahlsystem theoretisch und praktisch kennenlernen.

Foto: Kevin Kretzler

Rein in die Wahlurne. Die Schüler der St. Walburga Realschule konnten bei der Juniorwahl das Wahlsystem theoretisch und praktisch kennenlernen. Foto: Kevin Kretzler

Meschede.   Die Mescheder Schüler erhalten einen praktischen Einblick in das Wahlsystem und wählen sogar selbst. Was sich die Schule vom Ergebnis verspricht.

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Für die Schülerinnen und Schüler der St.-Walburga-Hauptschule in Meschede sind die Landtagswahlen am Sonntag reine Theorie, denn sie sind eigentlich noch zu jung, um selbst zu wählen. Eigentlich. Jetzt haben die Jugendlichen der achten bis zehnten Klassen an der „Juniorwahl 2017“ teilgenommen und konnten so selbst erleben, wie eine Wahl funktioniert.

Bei dem Projekt stehen Demokratie und das Thema Wahl auf dem Stundenplan. Diese Elemente werden beispielsweise im Geschichts- und Politikunterricht eingebaut, sofern sie nicht schon Bestandteil sind, wie in den zehnten Klassen. Am Schluss des Projektes wartet dann keine Klassenarbeit, sondern die Wahl. Die Schulen erhalten dabei alles, was nötig ist, um den Wahlakt zu organisieren: Wahlbenachrichtigungen, Wahlkabinen und Stimmzettel.

Eigene Möglichkeiten nicht bekannt

„Wir merkten in einer Lehrerbesprechung, dass die Schüler zu wenig von ihren Rechten und Möglichkeiten wissen. Ich kannte das Projekt aus dem Internet und wir haben uns dann richtig heiß geredet. Wenig später haben wir uns angemeldet“, sagte Schulleiterin Margot Freise.

In den letzten zwei Wochen haben die Schüler die Grundsätze einer Wahl erarbeitet und auch mehr über die Parteien und das Wahlprogramm gelernt. „Das war nicht nur Frontalunterricht, wir haben auch selbst recherchiert und so mehr über die Parteien erfahren“, so der 16-jährige Rocco.

Fundiertes Wissen angeeignet

Mit dem Wahl-O-Mat hatten die Schüler im Internet auch die Gelegenheit sich konkret mit Themen des Wahlkampfes auseinanderzusetzen und zu schauen, wie die jeweiligen Parteien dazu stehen. Die Jung-Wähler konnten mit diesem Kenntnisstand dann eine Entscheidung bezüglich ihrer Erst- und Zweitstimme treffen.

Unterstützung gab es von Seiten der Wahlhelfer, die sich freiwillig meldeten. 14 Schüler gaben vorher die personifizierten Wahlberechtigungen aus, saßen während der Wahl abwechselnd im Wahlbüro und nahmen die Berechtigungen wieder entgegen und händigten die Stimmzettel aus. Die Wahlurne wurde ebenfalls streng beäugt, damit auch an dieser Stelle nichts schief gehen konnte.

Auch Flüchtlingskinder nehmen teil

Obwohl es sich um ein Unterrichtsprojekt handelt, stand es den Schülern frei, ob Sie von ihrem Stimmrecht auch tatsächlich Gebrauch machen. „Wir halten hier nicht den Finger hoch. Eine hundertprozentige Wahlbeteiligung wäre auch gelogen“, meinte Freise.

An dem Projekt waren auch die Flüchtlingskinder der Vorbereitungsklassen beteiligt. Sie erhielten das gleiche Material, nutzten aber die untere der drei Schwierigkeitsstufen. „Die Kinder haben dann viel von sich und ihren Ländern erzählt. Vielen wurde damals vorgeschrieben, wen sie zu wählen haben“, beschrieb Nadine Budde die Situation in der Vorbereitungsklasse.

Rückschlüsse auf die Schule

Am gestrigen Abend zählte der Wahlvorstand die Stimmen aus. Bis Sonntag um 18 Uhr herrscht Stillschweigen über das Ergebnis. Die Landtagswahlen finden nämlich auch in der St.-Walburga-Hauptschule statt und die Wähler sollen dann nicht durch die Ergebnisse der Schüler beeinflusst werden.

Je nach Wahlergebnis sind laut Freise Rückschlüsse auf die Schule möglich, daher soll das Ergebnis auch näher betrachtet werden. Für die Bundestagswahl besteht die Möglichkeit erneut eine Juniorwahl zu machen. Dank positiver Rückmeldung der Schüler kann sich Freise vorstellen wieder mitzumachen.

Drei Fragen an Markus Pohl Markus Pohl, Koordinator und Organisator der Juniorwahl 2017 in der St. Walburga Hauptschule. Foto: Kevin Kretzler

1. Warum sollten sich die Schüler schon jetzt mit dem Thema Wahlen beschäftigen?

Es ist gut einmal den Akt des Wählens zu erleben und die Juniorwahl ist ja genau wie die tatsächliche Wahl am Sonntag. Die Kollegen vermitteln Wissen über die Bedeutung der Landesregierung und das Wahlverfahren. Den Schülern wird ein praktischer Zugang zum Recht des Wählens gegeben.

Manche Wahlen sind ab 16 möglich und dann ist dieses Wissen wichtig. Nach der Auszählung gucken wir uns das Stimmungsbild an und ich bin schon sehr gespannt auf die Auswertung, denn die Schüler haben sich ernsthaft mit den Themen auseinandergesetzt.

Das merkt man auch daran, dass sie das Thema zu Hause ansprechen, mit den Eltern darüber reden und auch untereinander hier an der Schule. Der Austausch ist vorhanden und dieser Effekt ist sehr gut.

2. Wo sehen Sie die Herausforderungen des Projektes?

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Parteien ist herausfordernd, weil das Material sehr allgemein gehalten ist. Ziele und Programmpunkte müssen für jede Wahl dann selbst erarbeitet werden. Aber dabei war der Wahl-O-Mat eine große Hilfe, der dann die Ziele und Anforderungen der Parteien aufzeigte.

3. Was ist für die Schüler schwierig?

Die Schüler begreifen stellenweise nicht, wieso das Thema für sie überhaupt eine Relevanz hat. „Das hat noch nichts mit mir zu tun“ heißt es dann. Ihnen muss zunächst klargemacht werden, dass die Wahl auch Auswirkungen auf ihr Leben haben kann, denn die Parteien beschäftigen sich mit Themen, wie Schule und auch Inklusion. Beides ist hier wichtig für die jungen Menschen und das ist auch deutlich geworden.

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