Gericht

Kinderpornografie: Rentner aus Meschede verurteilt

Ein Rentner hat sich jetzt wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten müssen.

Ein Rentner hat sich jetzt wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten müssen.

Foto: Arne Dedert / dpa

Meschede.  Bei einem Rentner, der sich ehrenamtlich um die Internetseite seines Vereins kümmert, sind 320 kinderpornografische Dateien gefunden worden.

Ein 70-jähriger Rentner ist jetzt in Meschede wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie zu einem Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe verurteilt worden. „Solche Dateien anzusehen und zu verbreiten ist kein Verbrechern ohne Opfer!“, betonte Richter Dr. Sebastian Siepe bei der Urteilsbegründung. „Irgendjemand tut den Kindern dieses Leid an. Das geschieht, weil es einen Markt dafür gibt.“ Und Abnehmer wie den Mann aus der Mitte der Gesellschaft.

Vor der Rente in IT-Abteilung gearbeitet

Es sei „eine Riesendummheit gewesen“, sagte dieser. Der Mann kennt sich im Internet aus, hat jahrelang in einer IT-Abteilung gearbeitet. Als Rentner betreut er die Webseite seines Vereins. Er sei aus Neugier in einen Chat-Raume geraten, erklärte er vor Gericht. „Das war der einzige, den man ohne Anmeldung betreten konnte. Nach einer Sicherheitsabfrage war ich drin.“ Dort habe es hunderte weitere Chat-Räume gegeben. „Das meiste habe ich nicht verstanden, weil ich keine Fremdsprache spreche, aber ich konnte auf die Bilder klicken.“ Angeblich habe er sie sich nie wieder angeschaut.

320 Dateien nach und nach umgespeichert

Aus dem Chat-Raum speicherte er offensichtlich innerhalb von zwei Jahren nach und nach 320 Dateien, die unbekleidete Kinder zeigen auf einer externen Festplatte. Einige sind gefesselt, werden von Erwachsenen missbraucht. „Die meisten Kinder sind zwischen drei und zwölf Jahre alt“, verlas die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage, in der sie auch Details der grausamen Quälereien nannte.

In einem weiteren Punkt der Anklage ging es darum, dass der Rentner aus diesem Fundus auch zwölfmal Bilder selbst ins Netz hochgeladen hatte. „Das kann sein“, gab der Mann vor Gericht zu. Der Grund: Wenn man nichts hochlädt, wird man in diesen Chats blockiert. Ihm sei bewusst gewesen, dass das Unrecht war und dass das keine normalen Porno-Bilder waren, sagte er. Aber: „Ich hatte dort keine Kontakte, um aktiv zu tauschen.“

Planmäßig über zwei Jahre Kinderpornografie gesammelt

Dass die Sammlung und das Hochladen der Bilder durch Zufall geschehen war, mochte Richter Dr. Sebastian Siepe ihm nicht glauben. „Über zwei Jahre haben Sie das immer wieder gemacht. Da muss doch ein Interesse dahinter gestanden haben.“ Er ergänzte „planmäßig“ habe der Rentner die Bilder auf einer externen Festplatte und eben nicht auf dem Rechner gespeichert. Indirekt gab das der Mann vor Gericht auch zu. Er sei, so erklärte er, als die Polizei gekommen sei, auf der Suche nach einem Löschprogramm gewesen, um die externe Festplatte dauerhaft von den Bildern zu bereinigen.

Als er um seine letzten Worte vor der Urteilsverkündung gebeten wurde, äußerte er nur, dass er fürchte durch die Berichterstattung erkannt zu werden. Ein Wort des Bedauerns kam nicht über seine Lippen. Dass er sich schäme, hatte zuvor nur sein Anwalt versichert.

Urteil: Ein Jahr und vier Monate

Richter Siepe verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten und ging damit noch über das geforderte Strafmaß der Staatsanwaltschaft hinaus. Er berücksichtigte, dass der Angeklagte bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war und dass er ein Geständnis abgelegt hatte. Er sagte aber auch: „Die Bilder sind weit über der Schwelle dessen, was erträglich ist.“ Die Strafe wird drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mescheder 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

>>>HINTERGRUND

Auf die Schliche kam die Polizei dem Mescheder Rentner, weil eine Nonprofit-Organisation aus den USA die Daten aufspürte.

Sie meldete diese ans Bundeskriminalamt, das die Mescheder Kollegen informierte.

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