Justiz

Kompromiss im Streit um Putenmast in Schederberge

In Schederberge hängen weiterhin Protestplakate gegen die Putenmast im Dorf.

Foto: Jürgen Kortmann

In Schederberge hängen weiterhin Protestplakate gegen die Putenmast im Dorf. Foto: Jürgen Kortmann

Schederberge.   Durch höhere Schornsteine an der Putenmast in Schederberge sollen die Menschen besser geschützt werden. Dazu rät das Verwaltungsgericht Arnsberg.

Die Putenmastanlage in Schederberge bleibt bestehen, dafür soll durch technische Veränderungen das Leben für die Bewohner des Dorfes erträglicher werden: Der Geruch der Tiere soll dann künftig besser abziehen können. Mit diesem Vergleich endete vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg vorerst der juristische Streit um den Betrieb der Anlage.

Drei Wochen Zeit

Vorerst, denn jetzt läuft eine Frist von drei Wochen. Innerhalb der nächsten 14 Tage muss die Stadtverwaltung in Meschede klären, ob die geltende Baugenehmigung es zulässt, dass die Abluftkamine auf der Putenmastanlage noch um einen Meter erhöht werden können. Höher bedeutet: Der Wind würde die Gerüche höher wegtragen, die Menschen würden damit weniger belästigt. Deckt die Baugenehmigung diese Möglichkeit, dann werden die höheren Schornsteine gebaut. Davon geht die Stadt Meschede auch aus, heißt es in einer ersten Einschätzung aus dem Rathaus. Falls nicht, müsste für eine Erhöhung eine neue Baugenehmigung her: Nach diesen 14 Tagen hätte der Betreiber der Anlage, Karl-Johannes Heinemann aus Horbach, dann noch eine Woche Zeit, um sich dazu zu erklären.

Kläger aus dem Dorf sind erleichtert

Richter Vincent Basteck, stellvertretender Pressesprecher des Verwaltungsgerichtes, nennt das Prozedere im Gericht „Einigungsbemühungen, die unter Vorbehalt stehen“. Denn würde Heinemann widerrufen, dann müsste die Vierte Kammer des Gerichtes (die auf Baurecht spezialisiert ist) das Verfahren aufleben lassen und in einem Urteil entscheiden.

Geklagt hatte in dem Prozess das Ehepaar Monika und Michael Struss aus Schederberge gegen die Stadt Meschede. Nur direkte Anwohner durften klagen. Familie Struss wohnt unmittelbar neben dem Putenmastbetrieb. Sie hatte deshalb die Genehmigung der Stadt für eine Umnutzung des Hofes angefochten. Monika Struss ist jetzt erleichtert, zumindest einen Teilerfolg erreicht zu haben: „Die Richter haben schon gesehen, in welcher Situation wir stehen. Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre die Belastung unverändert hoch gewesen.“ Sie berichtet über die Lage im Dorf: „Der Gestank hat schon zugenommen, je nachdem, wie der Wind steht.“ Bei der Ortsbesichtigung des Verwaltungsgerichtes sei leider kein Ostwind gewesen – dabei stinkt es am meisten. Als Nachbarn wollen sie weiter aufmerksam darauf achten, dass andere Auflagen bei dem Putenmastbetrieb eingehalten werden – etwa die nächtliche Ruhe im Stall.

Bau rechtlich nicht zu verhindern

„Die Stadt Meschede hat keine Fehler gemacht“, sagt deren Pressesprecher Jörg Fröhling nach dem Verfahren. 2015 hatte sich der Stadtrat für das umstrittene Baurecht ausgesprochen. Der leer stehende Bauernhof in Schederberge war in der Vergangenheit für die Haltung von Pferden, Schweinen und Kühen genutzt worden. Die Stadtverwaltung war zu dem Schluss gekommen, dass die Umnutzung zur Putenmast als so genanntes „privilegiertes landwirtschaftliches Vorhaben im Außenbereich“ einzustufen seien – und damit auch rechtlich nicht zu verhindern. Alle Auflagen hatte der Bauantrag nach Einschätzung der Stadtverwaltung, und auch von Gutachtern, erfüllt. Bis zu 9500 Puten sollen hier gehalten werden können. 7000 waren es bereits im letzten Sommer.

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