Selbsthilfe

Krebs der Prostata: „Das war für mich identisch mit Tod“

Walter Kämpfer aus Meschede - in unserer Serie „Zu Besuch“.  

Walter Kämpfer aus Meschede - in unserer Serie „Zu Besuch“.  

Foto: Sabina Butz

Meschede.  Die Diagnose im Jahr 2007 veränderte alles schlagartig: Krebs der Prostata. Heute leitet Walter Kämpfer aus Meschede Selbsthilfegruppen.

Walter Kämpfer hält sich nicht lange mit seiner Kindheit und seinem beruflichen Werdegang auf: „Geboren 1944 in Meschede – wo sonst – Volksschule, Ausbildung bei der AOK und dann bis zum Ruhestand ebendort verblieben.“ Die Krankenkasse gab ihm damals die Möglichkeit, in den gehobenen Dienst aufzusteigen, so dass er nach seiner Ausbildung den „Betriebswirt AOK“ ablegen konnte. Er war der erste Verwaltungsrat, dem dieses ohne höheren Schulabschluss gelang.

Sein Aufgabenbereich war die EDV und die Lehrtätigkeit an der Verwaltungsschule in Detmold. Sein Leben änderte sich 2007 schlagartig, als er die Diagnose Prostatakrebs erhielt. „Ich hatte Todesangst. Krebs war für mich identisch mit Tod.“ Seine Frau Vera machte ihn auf eine Selbsthilfegruppe aufmerksam. Ohne große Erwartungen sah er sich den Verein an. Die Gruppe bestand aus genau 5 Mitgliedern, heute sind es 55 - alle mit derselben Diagnose.

Sie treffen sich monatlich, „um sich über neue Forschungsergebnisse und über ihr persönliches Befinden auszutauschen.“ Ihr Vorsitzender ist seit nunmehr zwölf Jahren Walter Kämpfer, der jedes neue Mitglied so begrüßt; „In meinen zwölf Jahren in diesem Verein habe ich die Schicksale von über 50 Mitgliedern erlebt. Drei davon sind am Prostata-Krebs verstorben.“

Stubentiger- und Raubtierkrebs

Der Prostatakrebs ist mit 25 Prozent die häufigste Krebserkrankung von Männern in Deutschland. Er tritt selten bei unter 50-Jährigen auf, das Risiko nimmt ab 60 Jahren deutlich zu. Derzeit gibt es ca 62.000 Prostatakrebsbefunde pro Jahr in Deutschland, von denen ca. 18 Prozent tödlich ausgehen. „Soweit die Fakten. Aber ca. 70 Prozent aller 70- bis 80- Jährigen sind minimal betroffen, ohne dass es einer Therapie bedarf. Das liegt an der unterschiedlichen Aggressivität des Prostatakrebs.

Eine Methode, die Aggressivität zu messen, bietet der so genannte Gleason Score, er vergibt eine Zahl zwischen 2 bis 10; je höher die Zahl, desto aggressiver ist der Tumor. Das wusste ich damals aber alles nicht. Für mich hieß Krebs immer so viel wie Tod, aus, Ende. Ich vergleiche das gern mit dem Stubentiger, der kein Raubtier ist. Immerhin überleben mehr als 80 Prozent aller an Prostatakrebs erkrankten Männer ihren Krebs (= Stubentiger). Wer das erst einmal verinnerlicht hat, sieht seinen Krebs mit anderen Augen.“

Dafür ist es wichtig, sich mit den Grundlagen der Erkrankung und ihren Therapiemöglichkeiten auseinanderzusetzen. Der Umgang mit der Krankenkasse gehört ebenfalls dazu. Da bietet die Selbsthilfegruppe wertvolle Tipps und Informationen. „Wir wollen den Prostatakrebs nicht verharmlosen. Früherkennung ist das A und O. Jeder sollte zur Vorsorge gehen. Wir wollen nur die Betroffenen darin unterstützen, mit ihrer Erkrankung zu leben und vor allem, den Lebensmut nicht zu verlieren.“

Keine Tabuthemen in der Selbsthilfegruppe

Es gibt keine Tabuthemen in der Selbsthilfegruppe: Die Nebenwirkungen der Behandlungen, wie z.B. Potenzprobleme oder Inkontinenz werden genau so benannt und diskutiert. Auch die psychosozialen Fragen werden erörtert: Wie geht meine Familie, meine Partnerin damit um? „Es ist extrem wichtig, die Partnerin oder die Bezugsperson in die Therapie mit einzubeziehen, wir sehen es also gern, wenn das familiäre Umfeld mitmacht, auch bei unseren Treffen. Mein Engagement in der Selbsthilfegruppe ist meine wertvollste Lebenserfahrung. Nebenbei führe ich Vier-Augen-Gespräche mit Betroffenen, eine Arbeit, die mich voll ausfüllt und mir sehr viel gibt.“

Kämpfer sagt: „Ich möchte allen Männern, nicht nur in Meschede, die an Prostatakrebs erkrankt sind, zurufen: Nur Mut, seid optimistisch, und sprecht mit ebenfalls Betroffenen. Hier in Meschede funktioniert das richtig gut.“

>>> Zur Person

Walter Kämpfer wurde 1944 als Mescheder Poahlbürger geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung bei der AOK, die er als Betriebswirt abschloss.

Bis zum Ruhestand arbeitete er für die AOK im EDV-Bereich und als Lehrer an der Verwaltungsschule in Detmold. Er ist Vorsitzender der Prostata-Selbsthilfe Hochsauerland, im erweiterten Vorstand des Landesverband Prostata-Selbsthilfe NRW und bis 2018 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundesverband Prostata-Krebs Selbsthilfe.

Dieser Verein ist der größte EU-Verein seiner Art und der zweitgrößte weltweit. Ansprechpartner für die Prostatakrebs Selbsthilfe HSK per E-Mail:
wkaempfer@googlemail.com

Im kommenden Jahr ist er 50 Jahre mit seiner Frau Vera verheiratet. Beide haben zwei verheiratete Söhne und drei Enkelkinder.

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