Gastronomie

Kultkneipe in Freienohl: Was wird wohl aus dem I-Punkt?

Die letzte Kneipe in Freienohl, der I-Punkt, ist geschlossen. Wie geht es dort weiter?

Die letzte Kneipe in Freienohl, der I-Punkt, ist geschlossen. Wie geht es dort weiter?

Foto: Ilka Trudewind

Freienohl.  Der I-Punkt in Freienohl ist seit 2019 geschlossen. Nun wurden Leute gesehen, die das Gebäude besichtigt haben sollen. Was steckt dahinter?

Der I-Punkt in Freienohl (Meschede) ist seit vergangenem Jahr geschlossen. Nun wurden Leute beobachtet, die die Immobilie an der Hauptstraße besichtigt haben sollen. Tut sich etwas in der einzigen Kneipe Freienohls?

Das mintfarbene Haus an der Hauptstraße 27 befindet sich im Eigentum der Familie Balikcioglu. Die hat zu den Gerüchten im Ort eine klare Meinung: Eine Veräußerung, so Selim Balikcioglu, sei nicht geplant. Die Wohnungen über der Kneipe seien vermietet und für den I-Punkt werde weder ein Nachmieter noch ein Betreiber gesucht.

Sein Vater Hanifi Balikcioglu und seine Schwester Katharina Balikcioglu hatten die Kneipe im Sommer 2016 nach längerer Schließung wiedereröffnet. Die Freude in Freienohl war groß, denn die Kneipe hat eine lange Vergangenheit. Zumal die Familie für große Projekte wie in Hüsten bekannt ist. Dort hatten die vier Balikcioglu-Geschwister mit der Firma Fischersohn Immobilien 2014 ein altes Amtsgebäude in Wohnungen umgebaut. Seit einigen Monaten wird jedoch im I-Punkt kein Pils mehr gezapft. Der letzte Beitrag bei Facebook wirbt für das Freienohler Schützenfest im Juli 2019.

Keine Wertschätzung im Dorf

Zur Schließung der Kneipe führte laut Selim Balikcioglu die mangelnde Wertschätzung der Freienohler. „Mein Vater hat Kaffee und Cappuccino mit Duplo, Rochekugeln und Hanuta serviert. Meine Schwester hat jedem das letzte Bier aufs Haus ausgegeben“, zählt Selim Balikcioglu auf. Salzstangen, Chips und Erdnüsse seien eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Wenn meine Mutter Lahmacun oder andere türkische Spezialitäten gebacken hatte, war es selbstverständlich, dass ein Teller im Laden verteilt wurde.“ Im Sommer seien Wassermelone, Kirschen oder Erdbeeren keine Seltenheit gewesen. „Leider konnten, wollten und wussten die Freienohler das nach zwei Jahren nicht mehr zu schätzen.“

Negative Gerüchte im Umlauf

Auch negative Gerüchte im Ort hätten mit zur Entscheidung beigetragen. So soll es zum Beispiel Probleme mit einem Sparclub gegeben haben. „Und genau deshalb, weil wir einfache Menschen sind, möchten wir nicht im Dunst von Gerüchten leben. Dafür ist die Natur im Sauerland viel zu schön und das Leben viel zu kurz sich mit Gerüchten rumzuschlagen.“ Die Schließung sei für die Familie „kein Weltuntergang“, sie habe die Kneipe eher als Hobby und aus Leidenschaft betrieben. „Wir haben die Lokalität selbst sehr oft als Wohnzimmer mit Freunden und Familie genutzt.“

Mit Schließung des I-Punkts geht Freienohl ein Stück Kneipengeschichte verloren. Das bedauert auch Ortsvorsteher Jürgen Lipke: „Für Freienohl ist das wirklich sehr schade.“ Viele Jahrzehnte wurde im Haus an der Hauptstraße/Ecke Brunnenstraße erfolgreich Gastronomie betrieben. Zunächst als Kur-Café. Dann führten Branko und Paula Djurovic den Betrieb als Balkan Grill. Aus dem Grill mit jugoslawische Küche entwickelte sich ein Bierlokal. 1988 begann dann die Ära der Familie Voigt, die den I-Punkt schuf, so wird die Historie auf der Seite Freienohler.de beschrieben. In den 90ern wurde die Kneipe über die Stadtgrenzen bekannt. Weitere Wirte waren Christian „Rokko“ Schulte und Ulrike Wortmann.

Nur noch zwei Lokale bieten gezapftes Pils an

Nach der Schließung des I-Punkts und des Gasthof Kösters (2015), gibt in Freienohl nur noch zwei Lokale, die gezapftes Pils anbieten: Luckai und das zentral gelegene Bistro am Markt.

Allerdings eröffnete im Dezember die Kaffee-Mühle im ehemaligen Eiscafé an der Hauptstraße. Auch dort wird Alkohol ausgeschenkt.

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