Kunst

Kunst mit Kettensäge: Bödefelder schnitzt Figuren und Bänke

Martin Schröder aus Bödefeld ist Kettensägenkünstler. An seinem neusten Werk - einer gut 400 Kilo schweren Eichenbank - hat er 15 Stunden gearbeitet. Sie soll ein Hochzeitsgeschenk werden.

Martin Schröder aus Bödefeld ist Kettensägenkünstler. An seinem neusten Werk - einer gut 400 Kilo schweren Eichenbank - hat er 15 Stunden gearbeitet. Sie soll ein Hochzeitsgeschenk werden.

Foto: Laura Handke / WP

Bödefeld.  Martin Schröder aus Bödefeld ist Kettensägenkünstler. Wer sein Haus sucht, muss nur dem Klang der Kettensäge folgen. Wir haben ihn besucht.

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Wie Martin Schröder den Weg zu seinem Haus beschreibt? „Ganz einfach“, sagt er und lacht. „Es ist das Haus an der Straße, wo Sie Holzskulpturen draußen stehen sehen, oder das, wo Sie die Kettensäge hören.“ Zwei Adler, geschnitzt aus Eichenholz, stehen auf den Pfählen am Eingangstor. In dem kleinen Carport nur wenige Meter dahinter steht Martin Schröders neustes Kunstwerk: „Eine Bank aus Eichenholz mit Gravur. Sie soll ein Hochzeitsgeschenk werden. Die Sitzbank und die Lehne sind eingefasst in zwei größere Baumstämme. Links mit Pferdemotiv, rechts ein Traktor“, erklärt er stolz. Rund 15 Stunden hat er an der 400-Kilo-Bank gearbeitet, feine Linien und Muster in das Holz geschnitzt - mit der Kettensäge. Denn der 56 Jahre alte Bödefelder ist Kettensägenkünstler, auch Carving-Kunst genannt.

Normale Möbel sind zu langweilig

Seine Leidenschaft dafür hat er bereits im Jahr 2011 entdeckt. Seitdem arbeitet er in jeder freien Minute an neuen Figuren: Adler, Eulen, Hunde, Pferde, Figuren, Bänke oder Steinböcke aus Eiche - „eigentlich schnitze ich alles, was gewünscht wird“, sagt er und lacht. „Nur keine normalen Möbel. Das ist zu langweilig. Ich

brauche den kreativen und künstlerischen Aspekt.“

Hauptberuflich ist Martin Schröder ausgebildeter Metallmeister und arbeitet jetzt als Fachkraft für Arbeitssicherheit in Schmallenberg. „Ich liebe meinen Job. Aber zum Ausgleich wollte ich nebenbei noch etwas Anderes machen“, erklärt er. Früher sei er deswegen oft in den Wald gegangen und habe Brennholz geschlagen und nebenbei geschnitzt. In einem Urlaub sei er dann auf die Carving-Kunst gestoßen. „Ich war total fasziniert, dass so etwas mit einer Kettensäge möglich ist“, erinnert sich.

Erste Schnitzversuche im Wald

Kaum zuhause, probiert er es selbst im Wald - er schnitzt ein Gesicht rein, fertigt dann einen ersten kleinen Bären aus Eiche an. Ihn packt die Leidenschaft. Die Kettensäge ist seitdem stetiger Begleiter in seiner Freizeit - „ich arbeite immer an den Wochenenden.“ Die Nachbarn stören sich daran nicht - ein Haus steht leer, „und ich achte darauf, zu humanen Zeiten zu arbeiten. Ich gehe auch häufig dafür in den Wald, da hört mich keiner."

Am Anfang steht ein Block aus Eiche

Am Anfang steht immer das Gleiche - ein Baumstumpf aus Eiche. „Dieses Holz ist witterungsfest und sehr resistent. Daher ist es für solche Arbeiten - gerade wenn die Skulpturen draußen stehen sollen - sehr

geeignet“, erklärt der 56-Jährige. Mit einem sogenannten Carving-Schwer, ein Aufsatz für die Kettensäge, fängt Schröder dann an, das Holz - das aus den heimischen Wäldern stammt - zu bearbeiten, schneidet überfällige Teile weg, sägt das Holz in die richtige Form. Am Ende steht dann der Feinschliff an - und die Lackierung, wenn Farbe von dem Kunden gewünscht wird. „Jedes Teil ist ein Unikat. Man kann niemals alle Linien gleich machen. Das macht es so besonders“, findet er.

Kunden auch in weiter Ferne

Seine Kunden kommen aus ganz Deutschland. Der Bödefelder hat aber auch schon Skulpturen nach Holland oder in die Schweiz verschickt. Und der Preis? „Der ist unterschiedlich. Je nach Größe und Arbeitsaufwand.“ Für einen Holzadler braucht Schröder im Schnitt um die sechs Stunden. Sein größtes Exemplar bisher: Ein Widder, ein Meter breit, gute drei Meter hoch. In den vergangenen Jahren hat sich der Auftragsordner gut gefüllt. „Wie viele Skulpturen ich bereits gemacht habe, kann ich nicht sagen. Sehr viele

jedenfalls“, sagt er nachdenklich. „Aber das macht nichts. Das ist meine Leidenschaft. Ich habe Spaß an dieser Arbeit. Die Kettensäge wird mich also noch lange begleiten.“

  • INFOBOX: Martin Schröder bietet auf Anfrage auch Schnitzkurse mit der Kettensäge an (für Einzelpersonen und kleinere Gruppen). Kenntnisse im Umgang mit der Kettensäge werden vorausgesetzt.
  • Auch für Schnitzvorführungen kann der Bödefelder gebucht werden. Im Schnellschnitzen entstehen in kurzer Zeit (1-2 Stunden) Tierfiguren. Weitere Infos online auf: www.martinssaege.de

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