Tiere

Labradoodle Ole darf täglich mit Frauchen ins Autohaus

Silke Nowag vom Volvo-Autohaus Berglar und Leib in Meschede mit ihrem Labradoodle Ole.  Der Vierbeiner darf mit ins Büro.

Silke Nowag vom Volvo-Autohaus Berglar und Leib in Meschede mit ihrem Labradoodle Ole. Der Vierbeiner darf mit ins Büro.

Foto: Laura Nowicki

Meschede.   Hunde im Büro sind in Meschede immer noch eine Ausnahme. Einen haben wir aber ausfindig gemacht: Labradoodle Ole darf immer mit ins Autohaus.

Ein Hund im Büro macht glücklicher und gesünder. Diese und andere Thesen stellt der Bundesverband Bürohund auf. Das Thema Bürohund wird bundesweit immer intensiver diskutiert. Aber wie sieht das in Meschede aus?

Ein Rundruf bei einigen der größten Arbeitgeber ist ernüchternd. In Meschede jedenfalls scheint der Trend noch nicht zum Bürohund zu gehen. Christian Klett, Pressesprecher der Fachhochschule Südwestfalen, sagt: „Bei uns gibt es keine Bürohunde.“ Grundsätzlich seien in der FH keine Tiere erlaubt.

„Es gibt natürlich Ausnahmen“, so Klett. „Ausgenommen sind zum Beispiel sogenannte Assistenztiere oder auch Tiere, die in der Lehre oder in der Forschung eingesetzt werden.“ Allerdings würde aktuell von keiner dieser Ausnahmen Gebrauch gemacht.

Noch keine Anfrage

Auch keiner der Mitarbeiter in der Mescheder Stadtverwaltung bringt seinen Hund mit zur Arbeit. „Bisher hat es dazu noch keine Anfrage gegeben“, erklärt Pressesprecher Jörg Fröhling. Eine feste Regelung gebe es daher bei der Stadt Meschede bisher nicht. Gleiches gilt für die Kreisverwaltung, das Finanzamt, die Sparkasse und die Volksbank.

Auch auf Anfrage bei der Brauerei Veltins sagt Pressesprecher Ulrich Biene: „Bei uns ist das kein Thema, wir sind ein Lebensmittel verarbeitender Betrieb.“ Es habe bisher aber auch noch kein Mitarbeiter danach gefragt. Ulrich Biene hat eine These: „Wir leben in einer Region, wo die Menschen relativ großzügig wohnen.“ Da sei es vielleicht auch nicht unbedingt notwendig, seinen Hund mit zur Arbeit zu bringen.

Zeit und Arbeit investiert

Und dann doch noch: Silke Nowag, Geschäftsführerin des Volvo-Autohauses Berglar und Leib, hat einen Bürohund. Ole ist ein Labradoodle und zwei Jahre alt. In seine Erziehung hat Silke Nowag viel Zeit investiert. Denn Grundvoraussetzung, wenn der Hund mit ins Büro kommt, ist: Er muss gut hören. „Ole hat seine eigene Ecke mit einem dicken Kissen bei mir hinterm Schreibtisch und da bleibt er auch liegen, das haben wir trainiert“, sagt Nowag. Bevor der Büroalltag startet, laufen die Zwei eine große Runde. „Das wäre ja gemein, wenn er hier still liegen müsste ohne sich vorher richtig ausgetobt zu haben.“

Den ganzen Tag verbringt Ole aber nicht im Büro; er hat einen Halbtagsjob. Silke Nowag ist auch Mutter und bringt ihn in der Mittagspause nach Hause. Bewusst hatte sie sich zusammen mit ihrer Familie für einen Labradoodle entschieden. Die Kreuzung aus Labrador, Retriever und Großpudel gilt als kinderfreundlich und nicht haarend. „Daher ist Ole allergikerfreundlich“, erklärt Silke Nowag. „Und das stimmt. Das haben wir extra getestet.“

Kaum Publikumsverkehr

Regen Publikumsverkehr gibt es bei Silke Nowag im Büro nicht. Wenn sie aber doch einen Gesprächstermin hat und das Gegenüber hätte Angst vor Hunden, könnte sie auch in ein anderes Büro ausweichen. In die Kundenhalle darf Ole in der Regel nicht - „manchmal machen wir aber eine Ausnahme“, gibt die Geschäftsführerin mit einem Augenzwinkern zu. „Wenn Kunden mit einem Hund kommen, freut Ole sich immer.

Dann darf er auch mal in die Halle und mit dem Hund spielen.“ Bisher habe sie ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten - von Kunden und auch Mitarbeitern.

Silke Nowag hat schon das Gefühl, dass es für alle angenehm ist und eine angenehme Gesprächsatmosphäre schafft. Eine Einschränkung macht sie aber doch: „Unsere Mitarbeiter könnten ihre Hunde nicht so einfach mitbringen.“ Der Kundenkontakt und auch räumliche Möglichkeiten sprächen dagegen. Da hat Ole aber Glück, dass sein Frauchen die „Chefin“ ist.

Diese Vorteile sieht der Bundesverband Bürohund

Ein Hund im Büro senkt die Stresshormone Insulin und Cortisol und stößt die Produktion des Glückshormons Dopamin an.

Ein Hund sorgt für Unterbrechungen und erdet den Mitarbeiter.

Ein Hund regt die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander an.

Ein Hund im Büro sorgt für Bewegung.

Sogar arbeitsbedingter chronischer Stress, psychische Erkrankungen und Burnout könnten so bekämpft werden.

Drei Fragen an Tierarzt Dr. Stefan Gabriel

1 Ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, einen Hund mit ins Büro zu nehmen?

Das hängt erstens von dem Hund ab und zweitens vom Arbeitsplatz. Herrscht am Arbeitsplatz viel Publikumsverkehr, würde ich davon eher abraten. In der Natur vieler Hunde liegt es nun mal, dass sie anschlagen, wenn sich Fremde nähern. Im Grunde ist aber jeder Fall individuell zu betrachten. Die Persönlichkeit des Tieres ist dabei ausschlaggebend.

2 Welche Voraussetzungen sind wichtig?

Dem Hund muss ein fester Platz zugewiesen werden, damit er einen Rückzugsort hat. Ein Korb oder eine Box würden sich dafür gut eignen - das ist für das Tier dann ein Stück zu Hause. Regelmäßig an die frische Luft gehen gehört selbstverständlich dazu. Und ich würde sicherstellen, dass der Hund nicht von anderen gefüttert wird - zum Beispiel mit den Pausenbroten der Kollegen. Meinen Hund würde ich am Arbeitsplatz ohnehin nicht füttern. Das sollte zu Hause geschehen. Wenn er Wasser bekommt, kann ein Hund - anders als wir Menschen - gut mehrere Stunden ohne etwas zu fressen aushalten. Absolute Voraussetzung für einen Bürohund ist natürlich, dass er gut erzogen ist.

3 Sind Hunde denn zu Hause
gut aufgehoben, wenn Herrchen oder Frauchen arbeiten gehen?

Hunde können sehr gut mehrere Stunden alleine bleiben. Sie legen sich hin und gehen dann in eine Art Standby-Modus. Kommt die Familie nach Hause, wird der Schalter umgelegt und der Hund ist hellwach und vergnügt - das ist eine besondere Gabe. Es gibt auch Hunde, die Angst haben alleine zu bleiben. Das ist aber eine Frage des Lernens. Das muss man trainieren.

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