Dorfwettbewerb

Liebenswert: Wie Ostwig beim Dorfwettbewerb punkten will

Marion Müller-Adam, Peter Willmes, Karin Borggrebe und Elena Beule (v.l.) vom Arbeitskreis Dorfwettbewerb 2017 präsentieren vor der Ostwiger Kirche den Slogan, der mit Leben gefüllt werden soll.     

Foto: Frank Selter

Marion Müller-Adam, Peter Willmes, Karin Borggrebe und Elena Beule (v.l.) vom Arbeitskreis Dorfwettbewerb 2017 präsentieren vor der Ostwiger Kirche den Slogan, der mit Leben gefüllt werden soll.    Foto: Frank Selter

Ostwig.   Aus der Gemeinde Bestwig beteiligen sich diesmal nur die Ostwiger am Dorfwettbewerb. Sie haben guten Gründe, sich diesen Stress anzutun.

Nur ein einziges Dorf in der Gemeinde Bestwig beteiligt sich diesmal am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Ostwig. Inzwischen sind es nur noch wenige Tage, dann rückt die Kommission im Ort an. Nervös macht das in Ostwig niemanden. „Wir sind gut vorbereitet“, betont Peter Willmes vom Arbeitskreis „Dorfwettbewerb 2017“, der eigens für den Wettbewerb gegründet worden ist.

Warum sich die Ostwiger als einzige in der Gemeinde diesen Stress antun? Peter Willmes muss lachen. „Das ist eine gute Frage“, sagt er und liefert im Schatten der St.-Joseph-Kirche dann doch recht schnell eine plausible Antwort: „Bislang hat jeder Dorfwettbewerb, an dem wir uns beteiligt haben, den Ort weiter vorangebracht.“ Zuletzt sei Ostwig im Jahr 2012 viel Potenzial bescheinigt worden. „Das hat uns motiviert, erneut teilzunehmen. Die Ideen, die wir im Vorbereitungsteam entwickeln, entstehen ja nicht ausschließlich für den Wettbewerb“, sagt Willmes. Vielmehr gehe es ganz grundsätzlich darum, das Dorf weiter voranzubringen.

„Wenn wir am Ende eine Runde weiterkommen, wäre das natürlich schön“, betont er. Immerhin entwickele man im Laufe der Vorbereitung durchaus einen gewissen Ehrgeiz. Aber ein Sieg sei wirklich nicht das Wichtigste. Dem pflichten Karin Borggrebe, Marion Müller-Adam und Elena Beule bei. Auch sie gehören mit zum Arbeitskreis.

Bereits im Februar hatte Ortsvorsteher Manfred Ramspott die Bevölkerung zu einem ersten Treffen geladen. Rund 25 Ostwiger beteiligten sich daran. Entstanden ist danach ein Arbeitskreis, der einen repräsentativen Querschnitt des Ortes darstellt: Mit dabei sind junge Leute ab 18 Jahren bis hin zu Älteren im Alter von 66 Jahren. Erstmals wurden auch die Perspektiven und offene Zukunftsgedanken prägnant formuliert: „Wo besteht Entwicklungsbedarf und wie können die Potenziale im Dorf verbessert werden?“, lautet dabei die zentrale Frage. Das Ergebnis, der erste echte Ostwiger Leitfaden, wird der Kommission bei ihrem Besuch am 6. September präsentiert.

Seit der Teilnahme am letzen Kreiswettbewerb 2012 hat sich eine Menge getan im Ort: die Ehrenamtskneipe „Kumm rin“ ist fertig und wird mit großem Erfolg betrieben, es gibt ein neues Wegeleitsystem, der Marktplatz erstrahlt nach seinem Umbau in neuem Glanz, unter finanzieller Beteiligung der Bevölkerung ist in Zusammenarbeit mit den Nuttlarern ein neuer Kunstrasenplatz entstanden und nicht zuletzt ist die Elpe renaturiert worden - verbunden mit der Herrichtung des Elpeweges durch die Dorfwerkstatt. Auch die gab es beim jüngsten Kreiswettbewerb noch nicht. Ebenso wie das Bürgernetzwerk „Hand in Hand“, das auf Initiative des Heimatvereins entstanden ist. „Wir haben ein reges Vereinsleben“, betont Karin Borggrebe in diesem Zusammenhang. Der Heimat- und Förderverein nehme dabei aber eine besondere Rolle ein. Er habe für den Ort eine verbindende Kraft.

Projekt „Alte Post“

Nicht zuletzt wird auch das Projekt „Alte Post“ bei der Vorstellung eine Rolle spielen. Zur Erinnerung: Der Heimatverein hat sich das Gebäude im Herzen des Ortes schenken lassen. Langfristig soll hier ein Dorfhaus entstehen. Derzeit wird das Gebäude entkernt. Jeden Samstag zwischen 10 und 13 Uhr treffen sich die Ostwiger dort zum ehrenamtlichen Arbeitseinsatz.

Mit dem Umbau und Teilabriss des Gebäudes gehen die Ostwiger ganz nebenbei sogar einen der Kritikpunkte an, den sie sich beim Wettbewerb vor fünf Jahren von der Kommission gefallen lassen mussten: Sie hatte bemängelt, dass es in Ostwig zu wenig Bäume mit großer Krone gibt. Nun kann der Marktplatz vergrößert und so eine Möglichkeit geschaffen werden, an jener Stelle einen großen Baum zu pflanzen. „Vielleicht bekommen wir von der Bewertungskommission noch weitere Impulse, was die künftige Nutzung des Gebäudes oder mögliche Fördertöpfe angeht“, sagt Peter Willmes. Allein dann habe sich die Teilnahme am Wettbewerb doch schon gelohnt.

Neue Ostwig-Broschüre

Zu Gesicht bekommen wird die Kommission auch die neue Ostwig-Broschüre, die bis dahin fertig sein soll. „Auch sie ist natürlich nicht eigens für den Dorfwettbewerb gestaltet worden, sondern fürs Dorf“, betont Elena Beule. Beim Stöbern in der Broschüre soll ebenso wie bei der Bereisung deutlich werden: „Ostwig ist lebens- und liebenswert - Ostwig ist ein Dorf mit Zukunft“. So lautet der Slogan, der seit Kurzem auch weithin sichtbar an den neuen Ortseingangstafeln prangt. Damit lasse sich das Engagement des Ortes sehr gut auf einen Nenner bringen. „Uns geht es darum, diesen Slogan mit Leben zu füllen“, betonen die Vertreter des „Arbeitskreises. Die Ideen gehen in Ostwig jedenfalls nichts aus.

Die heimlichen Stars des Steinbergs

Auch einen schützenswerten Fels-Wald-Biotop-Komplex hat Ostwig vorzuweisen. Der Komplex von „Höhlen und Stollen im Ruhrtal bei Bestwig und Olsberg“ rund um das Naturschutzgebiet Steinberg besitzt landesweite Relevanz und ist Bestandteil des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes. Besonders hervorzuheben ist eine etwa 200 Meter lange und bis 30 Meter hohe Felswand im Südosten des Gebietes, die eine hervorragende kalkfelstypische Moosflora besitzt. Die heimlichen Stars des Steinberges sind seine Farne, Moose und Flechten. Denn durch das Zusammentreffen von sauren und basischen Felsstandorten befindet sich hier ein wahrer Hotspot für seltene und gefährdete Vertreter dieser Gruppen. Im Naturschutzgebiet Steinberg sind seit 1991 insgesamt 175 Moosarten sowie 78 Flechtenarten registriert worden.

Die Kernziele der Dorfentwicklung

Erhalt und Weiterentwicklung des Status „Staatlich anerkannter Erholungsort“

Umnutzung, Pflege und Erhalt der historischen Bausubstanz (u.a. Projekt „Alte Post“)

Förderung und Stärkung der Vereine, Gruppierungen und Initiativen – insbesondere Einbindung der Jugend durch Übertragung von Verantwortung

Schutz und Pflege der wertvollen Natur in Dorf und Landschaft

Pflege der vielfältigen Freizeitangebote sowie Erhalt und Förderung des kulturellen Lebens

Erweiterung und Vertiefung des touristischen Angebots, ganz nach dem Motto: „Ostwig im Elpetal – erholen und entdecken“

Förderung und Erhalt von wirtschaftlichen Potenzialen, insbesondere auch der Nahversorgung

Ausbau des Projekts „Hand in Hand - Menschen helfen Menschen“

Bewertungskommission unter Vorsitz des Landrates

Die Bewertungskommission unter dem Vorsitz von Landrat Dr. Karl Schneider hat insgesamt 13 Mitglieder, denen jeweils ein bestimmter Bewertungsbereich zugeteilt ist:
Konzeption und deren Umsetzung: Hubert Stratmann (Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Hochsauerland), Katharina Kolecki (Bezirksregierung Arnsberg, Dezernat 33 „Ländliche Entwicklung, Bodenordnung“
Wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen: Heinz-Dieter Neumann (Sparkassendirektor i.R.), Rüdiger Strenger (Brilon Wirtschaft und Tourismus GmbH), Frank Linnekugel (Hochsauerlandkreis, FDL Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderungsgesellschaft)
Soziales und kulturelles Leben: Ursula Beckmann (Mitglied des Kreistages), Dieter Czogalla (Vorstandssprecher i.R. Sozialwerk St. Georg)
Baugestaltung und Entwicklung: Ulrich Blum (Mitglied des Kreistages), Thomas Vielhaber (Stadt Arnsberg, FBL Planen, Bauen, Umwelt).
Grüngestaltung und Dorf in der Landschaft: Maria Berghoff (Landfrauenverband HSK), Peter Horst (Garten und Forsten), Karsten Drews-Kreilman (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband, Kreisverband Hochsauerland)

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