Wirtschaft

Die Hintergründe zum Stellenabbau bei der Firma M. Busch

Die  Firma M. Busch GmbH & Co. in Bestwig. Das Unternehmen hat den Abbau von Stellen angekündigt.

Die Firma M. Busch GmbH & Co. in Bestwig. Das Unternehmen hat den Abbau von Stellen angekündigt.

Foto: Frank Selter

Bestwig.  Zum Stellenabbau bei der Firma M. Busch in Bestwig und Wehrstapel soll bis Ende des Jahres mehr Klarheit herrschen. Hier sind die Hintergründe.

Die Firma M. Busch mit ihren Werken in Bestwig und Wehrstapel hat einen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind darüber am Donnerstagmorgen informiert worden. Geschäftsführung und Betriebsrat wollen nach Angaben der Unternehmensführung gemeinsam und in enger Absprache mit Gewerkschaft und Arbeitgeberverband einen Sozialplan erarbeiten, um den angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.

Eine konkrete Zahl der abzubauenden Stellen wollte Geschäftsführer Andreas Güll gegenüber unserer Zeitung noch nicht nennen. Zunächst, sagte er, müssten mit dem Betriebsrat und der IG Metall die entsprechenden Pakete geschnürt werden. In einem dreistelligen Bereich werde man sich laut Güll allerdings nicht bewegen. Geschnürt sein soll dieses Paket bis Ende des Jahres.

Betroffen sind nach Angaben des Geschäftsführers sowohl qualifizierte als auch angelernte Beschäftigte aus Produktion und Verwaltung beider Werke in Bestwig und Wehrstapel. Laut Güll leidet die Firma Busch als die in Europa führende Eisengießerei mit Bearbeitung für einbaufertige Bremsscheiben und –trommeln für die Lkw-Industrie sehr unter der anhaltenden Krise in der Branche. Trotz staatlicher Sonderregelungen sei der Druck enorm hoch und man müsse zwingend auf diese strukturellen Veränderungen reagieren und die eigenen Strukturen anpassen. Der Stellenabbau sei erforderlich, um das Unternehmen für die Zukunft aufzustellen.

Massive Investitionen in die Technik

Um beide Standorte in Bestwig und Wehrstapel dauerhaft zu sichern, habe M. Busch in den vergangenen Jahren bereits massiv in die technische Ausstattung beider Werke investiert. Wie bereits berichtet waren insgesamt rund 70 Millionen Euro, in die Automatisierung der technischen Anlagen geflossen. Damit, so Güll seien Arbeitsplätze gesichert und der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit auch gegenüber ausländischen Mitbewerbern bislang verhindert worden.

Fakt sei aber auch: Die Automatisierung, die für den Erhalt der Konkurrenzfähigkeit erforderlich sei, bedeute am Ende des Tages Stellenabbau. Hinzu komme, dass seit Mitte des Jahres 2019 in der Branche die Auftragslage kontinuierlich zurückgehe. Mit dem Stellenabbau reagiere des Unternehmen letztlich auf die Globalisierung und die strukturellen Veränderungen des Weltmarktes.

Kurzarbeit in Corona-Krise

Die Corona-Situation und damit verbundene wirtschaftlichen Auswirkungen stehen laut Güll nicht im Zusammenhang mit den nun anstehenden personellen Veränderungen im Unternehmen. Auf die coronabedingten Produktionsausfälle reagiere M. Busch bereits seit April dieses Jahres mit Kurzarbeit.

Geplant war es laut Güll, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Werke persönlich über die unerfreulichen Planungen zu informieren. „Ich wäre gern Face-to-Face vor die Mannschaft getreten.“ Vorgesehen war eine Veranstaltungen im Werk Bestwig und für die Mitarbeiter des Werkes Wehrstapel eine weitere Veranstaltung in der Schützenhalle Velmede. Darauf habe man angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage aber verzichtet.

Wie Betriebsratsvorsitzender Kadir Yildiz bestätigt, waren die Schützenhalle und die erforderliche Technik bereits gebucht. Um kein Risiko einzugehen, hatte sich die Geschäftsführung dann kurzfristig entschieden, den Führungskreis per Video- und Telefonkonferenz zu informieren. Danach seien Aushänge erfolgt. Darüber und über Mund-zu-Mund-Propaganda haben die Mitarbeiter am Donnerstagmorgen die schlechte Nachricht erfahren müssen. Für viele, so Yildiz, sei diese Nachricht wenig überraschend gekommen, weil man um die Lage in den Gießereien gewusst habe. Entsprechend angespannt sei die Stimmung bereits seit längerer Zeit - vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es schwierig sei, in der Branche einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Nähere Informationen zur gegenwärtigen Situation will der Betriebsrat in der nächsten Woche bei einem ersten Treffen der Geschäftsführung bekommen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man leider noch keine Aussage darüber treffen, wie die künftige Entwicklung aussehe und wo die Firma Busch in Zukunft stehen werde, teilte der Betriebsrat den Mitarbeitern am Donnerstag in einer Stellungnahme mit. Erste Gespräche mit der IG Metall seien bereits geführt worden. „Ihr könnt davon ausgehen, dass wir die wirtschaftliche Situation des Unternehmens prüfen lassen werden“, so Yildiz in dem Schreiben an die Belegschaft.

Ausbildung von Fachkräften

Laut Geschäftsführer Andreas Güll ist die Firma M. Busch weiter auf qualifizierte Nachwuchskräfte angewiesen, um auch langfristig im Zuge der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung erfolgreich zu sein. Darum werde man als mehrfach ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb auch weiterhin in technisch spezialisierten Berufen die eigenen Fachkräfte ausbilden. Momentan werden bei der Firma M. Busch bis zu neun Ausbildungsberufe angeboten. Derzeit absolvieren dort 41 Nachwuchsfachkräfte ihre Ausbildung. An beiden Standorten beschäftigt das Unternehmen insgesamt 550 Mitarbeiter.

  • M. Busch ist die in Europa führende Eisengießerei mit Bearbeitung für einbaufertige Bremsscheiben und Bremstrommeln für die LKW-Industrie. Außerdem gehören Schwungräder und Getriebegehäuse für die Nutzfahrzeug- und Baumaschinenindustrie zum Produktportfolio des Sauerländer Unternehmens.
  • Produziert wird an den Standorten in Bestwig und Meschede-Wehrstapel für weltweit namhafte Unternehmen aus der Nutzfahrzeugbranche wie BPW, ZF, Volvo, Knorr-Bremse, Daimler, SAF-Holland und MAN. In 2019 wurde ein Umsatz von ca. 110 Mio. Euro generiert.
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