Ausbildung

Das sind die zehn beliebtesten Lehrstellen im HSK

Um viele technische Berufe machen Mädchen nach wie vor einen Bogen. Da helfen auch die Angebote des Girls‘ Day  (Foto) bisher kaum.

Um viele technische Berufe machen Mädchen nach wie vor einen Bogen. Da helfen auch die Angebote des Girls‘ Day  (Foto) bisher kaum.

Foto: Christian Seger

Meschede.  Bei den Top Ten der Berufe im HSK sind Mädchen nach wie vor unterrepräsentiert. Das ist auch ein Versäumnis der Eltern.

Industriekaufmann, Kraftfahrzeugmechatroniker und Industriemechaniker - das waren im Jahr 2018 die drei gefragtesten Ausbildungsberufe im HSK. Hier wurden die meisten Lehrverträge abgeschlossen. Was auffällt: Die Mädchen machen weiterhin einen großen Bogen um alle technischen Berufe und sind - da der HSK viele Industrie- und Handwerksbetriebe hat - bei den Top Ten auch deutlich unterrepräsentiert.

Das Landesamt für Statistik hat die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge für das Jahr 2018 veröffentlicht. Viermal sind Kaufleute vertreten, dazu kommen drei Handwerks- und drei Industrie-Ausbildungen. Nur 1713 junge Frauen lernen in den Top Ten, aber 3702 junge Männer.

Betriebe sind offen für junge Frauen

„An den Betrieben liegt das nicht“, betonen unisono Klaus Bourdick von der IHK und Meinolf Linke von der Kreishandwerkerschaft. „Die jungen Frauen sind willkommen.“ Ab und zu, so Linke, gebe es bei kleinen Handwerkern noch Bedenken, ob größere Umbauten notwendig sind, „aber das ist meist gar nicht nötig.“ Hinzu komme: Die Betriebe schätzten die jungen Frauen. „Da, wo sie vermehrt im Einsatz sind, beispielsweise bei Tischlern oder Malern, sind sie oftmals fleißiger als ihre männlichen Kollegen, arbeiten akkurater und machen die besseren Abschlüsse.“ Man müsse sie besser ansprechen.

Das Handwerk habe zuletzt mit einer Berufs-Challenge gute Erfahrungen gemacht. „Da waren Klassen ins Berufsbildungszentrum in Arnsberg eingeladen“, berichtet Linke. In einem spielerischen Wettstreit hätten sie als Gruppen kleinere Handwerksarbeiten ausgeführt, Schindeln auf eine Dachlatte geschlagen oder einen Bagger gefahren. „Da waren die Mädchen mit genauso viel Spaß und Erfolg unterwegs wie die Jungs.“ Man könne ihnen nur empfehlen, sich bei den angebotenen Berufs-Erkundungstagen, bei den Girl’s Days und dann auch bei den Praktika gezielt Betriebe herauszusuchen, die abseits der klassischen Frauenberufe liegen. „Denn letztlich ist da auch oft mehr Geld zu verdienen.“

Eltern sind wichtig für die Berufswahl

In diesem Zusammenhang appelliert Klaus Bourdick auch an die Eltern. „Studien zeigen, wie wichtig Eltern bei der Berufswahl sind.“ Auch wenn es manchmal nicht so aussehe, Kinder wollten, dass ihre Eltern sie bei der Berufswahl unterstützen. Da deren Erfahrungen in dem Bereich aber meist schon eine Zeit zurücklägen, und es heute viel mehr und andere Ausbildungsberufe gebe, sei es wichtig, sich auf den neuesten Stand zu bringen.

„Nehmen Sie den Packmittel-Technologen, der arbeite ähnlich wie der Industriemechaniker. Da der Beruf nicht so bekannt ist, ist auch die Konkurrenz da nicht so groß.“ Auch wer zukunftsfähige Berufe suche, müsse eingetretene Wege verlassen. Bourdick nennt den Produktionstechnologen, der wichtig ist für die Industrie 4.0, weil er den gesamten Herstellungsweg verfolgt, den noch relativ neuen Kaufmann für E-Commerce oder eben die IT-Berufe.

Noch 1454 offene Stellen

Wichtig ist das auch für alle, die jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Die Arbeitsagentur meldet im Kreis Soest und im HSK noch 1.454 freie Ausbildungsstellen. „Alle, die noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, aber im Herbst eine Lehre beginnen möchten, sollten aktiv werden“, betont Dr. Reinhard Langer, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Meschede-Soest. Die Chancen stehen gut: 1,23 unbesetzte Ausbildungsstellen entfallen aktuell rechnerisch auf jeden unversorgten Bewerber in der Region.

Langer warnt allerdings auch: Trotz des Zeitdrucks sollten junge Menschen nicht wahllos Bewerbungen an jede ihnen bekannte Firma versenden. Viel erfolgversprechender seien zielgerichtete Bewerbungen für Ausbildungsstellen, die auch wirklich interessieren. „Wer sich noch unsicher ist, was für sie oder ihn der passende Beruf sein könnte, meldet sich am besten bei unserer Berufsberatung. Das gilt auch für Jugendliche, die sich bisher nur auf ihren Schulabschluss konzentriert haben. Es gibt in unserer Region immer noch eine große Auswahl an freien Ausbildungsstellen mit Start sofort.“

Dabei klaffen Berufswünsche und Bedarf in vielen Bereichen aber immer stärker auseinander, was den Bewerbermangel in weniger beliebten Berufen zusätzlich verschärft. Beispielsweise gibt es aktuell im Hochsauerlandkreis noch einige unbesetzte Ausbildungsstellen zum Koch oder zur Köchin oder zum Bäckerei-Fachverkäufer oder -Fachverkäuferin

Aber es sind mit Ausbildungsstart zum 1. September oder 1. Oktober 2019 auch noch Ausbildungsstellen in sehr beliebten Bereichen zu bekommen. Aktuell sind laut Arbeitsagentur auch noch folgende Möglichkeiten frei: Industriekaufmann/frau, Kaufmann/frau Büromanagement, Verkäufer/in, Fachlagerist/in, Industriemechaniker/in oder Tiermedizinische/r Fachangestellte/r. Gerne stellen die Berufsberater genaue Adressen zur Verfügung.

Infos zu den Berufen und zu Ausbildern in der Region finden Eltern, Lehrer und Schüler auf der Seite www.karrriere-hier.de oder unter www-ihk-Arnsberg.de/Lehrstellenatlas


HINTERGRUND

Die Zahl der zehn am häufigsten abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2018 im HSK (Davon Männer/Frauen)

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