Geschichte

Manuel Dech: Der Mann gegen die Langeweile im Erzbergwerk

Manuel Dech am großen Tresor in der Maschinenhalle. Wer beim Museumsbesuch die Zahlenkombination der Schlösser herausfindet, bekommt eine ganz besondere Belohnung.

Manuel Dech am großen Tresor in der Maschinenhalle. Wer beim Museumsbesuch die Zahlenkombination der Schlösser herausfindet, bekommt eine ganz besondere Belohnung.

Foto: Frank Selter

Ramsbeck.  Ein paar Steine in der Vitrine - das reicht in einem Museum nicht mehr aus. Manuel Dech sorgt deshalb im Erzbergwerk Ramsbeck für Erlebnisse.

Museumsleiterin Friederica Ihling will das Sauerländer Besucherbergwerk in Ramsbeck gemeinsam mit Museumsmitarbeiter Manuel Dech zu einer Kombination von Erkenntnis und Erlebnis machen. Mit pfiffigen Ideen sorgen beide seit dem vergangenen Jahr dafür, dass der Museumsbesuch bei den Gästen bleibenden Eindruck hinterlässt - nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Wir haben mit Manuel Dech gesprochen, der für die Museumspädagogik zuständig ist.

Herr Dech, warum ist die Museumspädagogik so wichtig geworden?

Manuel Dech Es reicht einfach nicht mehr aus, ein paar Steine in eine Vitrine zu legen. Die Besucher werden immer anspruchsvoller und sind sehr medienaffin. Hier muss man auch als Museum schlicht mit der Zeit gehen und ein Vermittlungsprogramm für spezielle Zielgruppen ist heutzutage nun mal Standard. Der Event-Charakter ist beim Museumsbesuch in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt. Je mehr man den Besucher mit einbezieht, je mehr er riechen, hören, fühlen und erleben kann, je mehr er selbst aktiv werden kann, desto besser und erfolgreicher ist es eigentlich.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Was war damals ihre erste pädagogische „Baustelle“ in Ramsbeck?

Als ich begonnen habe, gab es bereits die ersten Anfänge des Audioguides. Das ist quasi ein elektronischer Museumsführer, den die Gäste beim Besuch in die Hand bekommen und der auf Knopfdruck Informationen zu den einzelnen Exponaten liefert. Den Guide haben wir zunächst überarbeitet und dann in Betrieb genommen. In diesem Jahr haben wir nach einer erneuten Weiterentwicklung auch die Grubenführung auf Niederländisch eingeführt. Im nächsten Jahr soll der Guide dann noch um ein Familienquiz erweitert werden.

Wie kann man sich das Quiz genau vorstellen?

Für die Besucher wird über den Guide die Ausbildung des Bergmanns nachvollziehbar sein. Dabei erzählt ein Bergmann über und unter Tage über seinen Beruf. Die Gäste bekommen Fragen gestellt und sollen sie auf einem Blatt beantworten. Anhand der richtigen Antworten ergibt sich eine Kombination für Schlösser, die einen Tresor in der Maschinenhalle sichern. Dort dürfen sich die Besucher dann ihren „Lohn nach der Schicht“ herausnehmen. Es gibt nach „abgeschlossener Ausbildung“ eine Lohntüte samt Hauerschein und eine Einfahrmarke der Mittagsschicht, die wir extra haben anfertigen lassen.

Ihre Arbeit wird sich aber sicherlich nicht auf den Audioguide beschränken?

(lacht) Nein, natürlich nicht! Seit diesem Jahr haben wir verstärkt Workshops im Angebot. Zum einen bieten wir „Erz tragen, bis der Rücken kracht“ für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren an. Dabei können Gruppen in einer Größe von 5 bis 25 Kindern erleben, wie hart die Arbeit des Bergmanns damals war. Dafür haben wir eine historische Erztrage nachbauen lassen, mit der die Kinder ihr Werkzeug durch die Dauerausstellung tragen können. Sie erleben den historischen Bergbau im wahrsten Sinne des Wortes zum Anfassen. Gemeinsam bauen wir dann in der Maschinenhalle in Laubsägearbeiten Erztragen nach – und während der Leim trocknet, geht es natürlich auch in die Grube. Dort erleben die Kinder dann den modernen Bergbau. Und ein Stück Erz für ihre Erztrage dürfen sie selbstverständlich auch mit nach Hause nehmen.

Und der zweite Workshop?

Er trägt den Titel „…und er hat sein helles Licht bei der Nacht“ und ist für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren gedacht. Dabei gehen wir im Dunkeln durch die Grube. Jeder Teilnehmer bekommt eine eigene Taschenlampe. Unter Tage testen wir dann alte Arten der Beleuchtung, die die Bergleute damals genutzt haben. Das geht vom rußenden Kienspan über einen so genannten Frosch, der mit Rindertalg gefüllten ist, über eine Karbidlampe bis hin zur Stirnlampe. Thema sind unter Tage aber auch die verschiedenen Arten des Abbaus - von der mühsamen Arbeit mit Schlägel und Eisen bis hin zum Sprengen. Wenn wir dann wieder nach oben kommen, bauen wir uns aus Ton selbst eine Lampe nach.

Wie ist die Nachfrage nach diesen Angeboten?

Die Nachfrage ist sehr gut. Ich bin wirklich zufrieden. Vor allem in den Sommerferien waren diese Workshops sehr gefragt. Mehr als 80 Kinder haben sich daran beteiligt. Auch als Programm bei Kindergeburtstagen erfreuen sich die Workshops nach und nach immer größerer Beliebtheit. Natürlich freuen wir uns aber, wenn die Nachfrage noch weiter steigen würde. Für die Testphase versuchen wir übrigens unter anderem mit dem Kindergarten und der Schule in Ramsbeck zusammenzuarbeiten. Das ist eine ganz tolle Sache. Und zusätzlich zu den Workshops haben wir auch unsere Museums-Rallye zu einer Entdecker-Tour umgestaltet. Sie ist jetzt aufwändiger, bunter und ansprechender gestaltet.

Was hat es mit dem Krimi-Dinner auf sich, das künftig in der Museumsgaststätte „Zur Lore“ stattfinden soll?

Das Dinner ist keine Veranstaltung des Museums. Das organisiere ich aus Spaß am Bergbau privat und nebenberuflich. Wer sich darüber informieren möchte, findet unter www.sauerlaender-mystery-company.de alle Details. Bei dem Dinner, das erstmals am 2. November, stattfindet, geht es speziell um die Zeit des Sauerländischen Kaliforniens, also um die 1850er-Jahre und den großen Industriekrimi, der hier in Ramsbeck tatsächlich passiert ist.

Was haben Sie seitens des Museums für die kommenden Jahre denn noch in Planung?

Ideen gibt es reichlich. Da möchte ich heute noch nicht zu viel verraten. Was man aber sicher schon sagen kann: Wir sind dabei, einen Workshop zum Thema „Ramsbeck vor 400 Millionen Jahren“ zu konzipieren. Weil Ramsbeck Teil des devonischen Meeres war, gibt es hier nämlich auch Fossilien. Das wissen aber die wenigsten. In der Grube kann man sogar den Meeresboden von vor 400 Millionen Jahren erkennen.

  • Manuel Dech hat ein Diplom in historisch orientierten Kulturwissenschaften und ist 33 Jahre alt.
  • Gebürtig stammt Dech aus dem Saarland.
  • Er arbeitet seit Juni 2016 im Sauerländer Besucherbergwerk. Begonnen hat er dort zunächst als Museums- und Grubenführer.
  • S eit dem Jahr 2018 ist er neben den Führungen auch noch für die Museumspädagogik verantwortlich.

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