Impfpflicht

Masern im HSK: „Zwei Fälle sind zwei zu viel“

Teile eines Masernvirus sind hier unter einem Mikroskop zu sehen - die Krankheit ist nicht ungefährlich.

Teile eines Masernvirus sind hier unter einem Mikroskop zu sehen - die Krankheit ist nicht ungefährlich.

Foto: Cynthia Goldsmith

Meschede.   Deutschland diskutiert über eine Impfpflicht für Masern. Im HSK gab es zwei Fälle seit 2014. Aus Sicht des Gesundheitsamts: zu viel.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Impfpflicht für Masern für Kita- und Schulkinder einführen. Seit 2014 hat es im HSK nur zwei Masernfälle gegeben. Einen 2015, einen 2017. Und das ist noch zu viel, sagt Dr. Peter Kleeschulte, Leiter des Gesundheitsamts im Hochsauerlandkreis, im Interview mit unserer Zeitung.

Bei zwei Masernfällen seit 2014 könnte man ja sagen, dass diese Erkrankung im Hochsauerlandkreis keine große Rolle spielt...

Dr. Kleeschule: Das sehe ich anders. Das zeigt, dass immer noch eine latente Gefahr besteht. Es zeigt aber auch, dass unsere Maßnahmen greifen. Es hat keinen Ausbruch gegeben. Sowohl 2015 als auch 2017 ist es glücklicher Weise bei Einzelfällen geblieben.

Das Ziel ist also, auch diese Einzelfälle zu verhindern?

Ja, denn die Masern sind eine wirklich gefährliche und schwerwiegende Erkrankung. Daher unternehmen wir weiterhin Anstrengungen, die Impfquote noch zu verbessern. Wir gehen in Kitas und Schulen und kontrollieren Impfausweise stichpunktartig. Wer die Zweifachimpfung bekommen hat, ist geschützt. Eine Auffrischung ist nicht notwendig. Aber gerade bei Jugendlichen entdecken wir immer wieder Impflücken.

Warum sind die Masern denn so gefährlich?

Es handelt sich um eine hoch ansteckende Krankheit. Wer nicht geimpft ist oder die Masern schon hatte, steckt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent an. Es handelt sich um eine Tröpfcheninfektion. Wer die Masern hat, der leidet. An hohem Fieber zum Beispiel. Der grausame Hautauschlag kann sich infizieren. 14 Tage ist man komplett aus dem Verkehr gezogen. Hinzu kommt, dass nach der Masernerkrankung sechs bis acht Wochen lang eine akute Immunschwäche folgt. Mittelohrentzündungen treten dann zum Beispiel häufig auf. Weitere Komplikationen, die auftreten können, ist eine Gehirnentzündung. Dann sind nicht nur die Hirnhäute, sondern das gesamte Gehirn betroffen. 20 bis 30 Prozent dieser Erkrankten tragen bleibende Langzeitfolgen davon. Zum Beispiel eine Lernschwäche oder eine Sehstörung. Und es gibt eine seltene Spätkomplikation.

Welche ist das?

Nach sechs bis acht Jahren kann eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten. Das sind psychische und intellektuelle neurologische Störungen. Der Ausgang ist in jedem Fall tödlich. Wer als Kleinkind an Masern erkrankt, hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit auch an SSPE zu erkranken, als zum Beispiel Erwachsene.

Was sagen Sie Impfgegnern?

Aus ärztlicher Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. Wenn man eine so gefährliche Erkrankung ausrotten kann, warum tut man es nicht? Eine kleine Gruppe gefährdet eine größere. Zum Beispiel die ganz Kleinen in der Kita, die noch keinen oder keinen ausreichenden Impfschutz haben. Das Argument Impfkomplikationen ist aus meiner Sicht - allein von den Zahlen her - zu vernachlässigen. Gerade bei Masern handelt es sich um einen bewährten Impfstoff.

>>> Weitere Informationen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder ab 1. März 2020 mit Geldstrafen von bis zu 2500 Euro und einem Ausschluss vom Kita-Besuch durchsetzen.

Für die Mescheder Einrichtungen ist das bisher kein Thema gewesen, betonten jetzt alle Träger übereinstimmend. Auch wenn sie zum Teil beobachten, dass die Impfbereitschaft zurückgeht.

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