Justiz

Massenschlägerei in Meschede nach Fußballspiel folgenlos

Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen fand der Prozess am Amtsgericht Meschede um die Massenschlägerei am Stiftsplatz statt. Die Polizei beobachtete das Verfahren, die Justiz stellte mehrere Wachtmeister ab.

Unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen fand der Prozess am Amtsgericht Meschede um die Massenschlägerei am Stiftsplatz statt. Die Polizei beobachtete das Verfahren, die Justiz stellte mehrere Wachtmeister ab.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Eine Beleidigung beim Fußball war offenbar Auslöser einer Massenschlägerei in Meschede. Eine zweite brutale Prügelei scheint geklärt zu sein.

Fast drei Jahre nach einer Massenschlägerei auf dem Mescheder Stiftsplatz bleibt diese Auseinandersetzung juristisch nahezu folgenlos. Der Prozess gegen drei Männer wurde am Montag vorläufig eingestellt, ein vierter muss Schmerzensgeld bezahlen. Drei von ihnen werden sich aber, wie am Montag bekannt wurde, noch wegen einer anderen, noch weitaus gewalttätigeren Massenschlägerei vor Gericht verantworten müssen: der an der Aral-Tankstelle im Jahr 2017.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen

Das Strafverfahren am Mescheder Amtsgericht fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt: Es wurde von der Polizei beobachtet, außerdem von mehreren Wachtmeistern der Justiz.

Die Schlägerei mitten in Meschede hatte im Mai 2016 für viel Unruhe gesorgt. Sie ereignete sich im Anschluss an ein Fußballspiel zwischen den beiden Mescheder Vereinen FC Mezopotamya und Fatih Türkgücü und zum Ende des verkaufsoffenen Sonntags in der Innenstadt. Die Polizei musste damals fünf Streifenwagen aus dem Kreisgebiet zusammenziehen, um die Situation vor dem Wettbüro auf dem Stiftsplatz unter Kontrolle zu bekommen.

Ursache: Beleidigung beim Fußball

Die Ermittlungen dauerten lange, weil so viele Beteiligte darin verwickelt waren – es sollen 20 Männer gewesen sein. Auf der Anklagebank fanden sich jetzt drei türkische Staatsbürger einer Familie wieder, 37, 28 und 25 Jahre alt, sowie ein Syrer, 27 Jahre. Alle leben im Arnsberger Stadtgebiet.

Allen Angeklagten wurde gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Ursache für die Schlägerei lag nach Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft demnach sehr wohl in dem vorausgegangenen, torlos gebliebenen Kreisligaspiel. Beide Vereine hatten sich nach der Schlägerei und der Berichterstattung dagegen verwahrt und betont, die Ursachen hätten in einer privaten Auseinandersetzung gelegen.

In der Anklage jetzt war davon nicht die Rede:

Vielmehr habe der 37-Jährige von einem Spieler der gegnerischen Mannschaft eine Entschuldigung verlangt, weil dieser in dem Fußballspiel seinen Bruder beleidigt haben soll. Der 28 Jahre alte Bruder mischte sich ein, er soll das Opfer aus der anderen Mannschaft aufs Ohr geschlagen haben.

Beide und auch das Opfer bekamen Verstärkung – die Situation eskalierte. Das eine Opfer, ein Mann aus Guinea, soll einen Schlag mit einer Holzlatte am Kopf erhalten haben und von dem 25-Jährigen getreten worden sein. Der Mann erlitt unter anderem eine Schädelprellung. Ein zweiter bekam eine blutende Nase.

Mit Baseballschlägern aufeinander

Der Prozess endete bereits nach einem Rechtsgespräch zwischen Richter, Anwälten und Staatsanwalt. „Das war ein unübersichtliches Geschehen am Stiftsplatz“, sagte Richter Dr. Sebastian Siepe, wegen der langen Zeit seither „werden Zeugenaussagen auch nicht besser“. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt: Das lässt die Strafprozessordnung unter anderem zu, wenn gegen Angeklagte noch wegen anderer, im Vergleich gravierender Straftaten verhandelt werde – und dabei dann ein schärferes Urteil möglich erscheint.

Und genau das droht dem 37-Jährigen, dem 28-Jährigem und dem 27-Jährigen. Denn wie am Montag bekannt wurde, steht ihnen im Sommer ein Prozess vor dem Schöffengericht Meschede bevor – das wiederum höhere Strafen als ein einzelner Richter verhängen kann.

Richter Dr. Siepe hatte am Montag die Akten dazu schon vor sich liegen – es sind dicke Ordner. Alle drei sollen in die Massenschlägerei im Juli 2017 an der Aral-Tankstelle an der Briloner Straße verwickelt gewesen sein. Dabei gingen nachts 20 Männer, ebenfalls überwiegend Kurden und Türken, aufeinander los, allerdings sogar mit Baseballschlägern. Es gab sechs Verletzte, zwei waren danach blutüberströmt. Damals hieß es, dieser Streit soll sich in einem Dortmunder Club entwickelt haben. Möglicherweise hatten sie sich dann zur Schlägerei in Meschede verabredet.

Ein Angeklagter muss Schmerzensgeld zahlen

Würden die drei Männer im Sommer nicht verurteilt, könnte wiederum der Prozess von der Stiftsplatz-Schlägerei wieder aufleben. An der Tankstellen-Schlägerei soll der am Montag angeklagte 25-Jährige von der Stiftsplatz-Schlägerei nicht beteiligt gewesen sein: Das Verfahren gegen ihn wurde ebenfalls eingestellt. Ihm machte Richter Dr. Siepe zur Auflage, 1000 Euro Schmerzensgeld an eines der Opfer zu zahlen – „zur Gesamt-Befriedung der Situation“.

>>>HINTERGRUND<<<

Paragraf 154 der Strafprozessordnung regelt die so genannte „Teileinstellung bei mehreren Taten“.

Demnach kann die Staatsanwaltschaft unter anderem von der Verfolgung einer Tat absehen, wenn – wie in diesem Fall – ein Urteil wegen einer anderen Tat zu erwarten ist, dass „zur Einwirkung auf den Täter und zur Verteidigung der Rechtsordnung ausreichend erscheint“.

Die Grenze der Straferwartung für einen Angeklagten vor dem Amtsgericht liegt beim Prozess vor einem einzelnen Richter in der Regel bei zwei Jahren Haft.

Ein Schöffengericht am Amtsgericht (aus einem Richter als Vorsitzendem und zwei ehrenamtlichen Schöffen) kann Strafen zwischen zwei und vier Jahren Haft verhängen

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