Tiere

Melkerin rettet Kuh Lotte vor dem Schlachter

Barbara Jost-Besten aus Velen hat Kuh Lotte vor dem Schlachter gerettet und für sie eine Unterkunft für den Lebensabend gesucht.    

Barbara Jost-Besten aus Velen hat Kuh Lotte vor dem Schlachter gerettet und für sie eine Unterkunft für den Lebensabend gesucht.  

Foto: GoFundMe

Obermielinghausen.  Melkerin Barbara Jost-Besten und Kuh Lotte verbindet eine besondere Freundschaft. Doch dann nimmt die Geschichte eine dramatische Wende...

Kuh Lotte in Obermielinghausen und Barbara Jost-Besten aus Velen bei Coesfeld verbindet eine besondere Geschichte. Es geht um Freundschaft, um Verantwortung, um Krankheit und auch um ein neues Leben. Nachdem sie in eine finanzielle Schieflage geraten ist, sucht die 54-Jährige nun Unterstützung über eine Online-Fundraising-Kampagne.

Aber zurück zum Anfang: Barbara Jost-Besten hat auf 450-Euro-Basis als Melkerin in einem Stall in ihrer Heimat gearbeitet. „400 Kühe habe ich gemolken. Sobald ich den Stall betrat, kam Lotte zu mir. Sie hat immer den Kontakt zu mir gesucht. Daraus hat sich echte Freundschaft und auch Liebe entwickelt“, erzählt sie. „Schon früh habe ich das Versprechen gegeben, dass sie ihre Rente bei mir verbringen wird.“ Und dann ging es schneller als gedacht.

Ein Platz in Obermielinghausen auf dem Hof Heinemann

2018 wurde Lotte nicht mehr tragend und sollte zum Schlachter. Die Melkerin kaufte die Kuh, doch kein Bauernhof in der Umgebung wollte sie in Pension nehmen. Nach langer Suche und nur durch Zufall fand Barbara Jost-Besten endlich einen Platz - und zwar in Obermielinghausen auf dem Hof Heinemann, bei der privaten Tierhilfe Wippergütchen. „Das hat sich als reiner Glücksfall herausgestellt. Ich kann mir keine bessere Versorgung vorstellen“, schwärmt die Velenerin.

Seit Oktober vergangenen Jahres genießt Lotte auf den Wiesen nahe des Hennesees in einer kleinen Herde Tierschutz-Kühe ihr Leben in vollen Zügen. Eigentlich alles wunderbar, bis auf die räumliche Trennung von 160 Kilometern. Wie belastend die Entfernung und auch die Fahrtkosten sein würden, ahnte Barbara Jost-Besten zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Gebärmutterdrehung und Kaiserschnitt

Lotte hatte nämlich eine Überraschung parat: Mitte Mai stellte Johannes Heinemann fest, dass Lotte doch tragend geworden ist. Eine Woche später kam Kälbchen Lucky, ein kleiner Bulle, auf die Welt. Vorausgegangen war eine dramatische Geburt. Aufgrund einer Gebärmutterdrehung musste der Tierarzt einen Kaiserschnitt machen, um das Leben von Kuh und Kalb zu retten.

Damit aber nicht genug: Die Naht brach mehrfach auf, die Wunde entzündete sich und wurde sogar von Fliegenmaden befallen. Die Tierärzte kämpften um Lottes Überleben. Barabara Jost-Besten nahm sich Urlaub und kümmerte sich Tag und Nacht um Kuh und inzwischen zwei Kälbchen. „Da Lotte zu viel Milch hatte, stellten wir ein zweites Kalb dazu.“ Luke, ebenfalls ein kleiner Bulle, wurde sofort von Lotte adoptiert.

Überwältigende Hilfe

„Ohne Katja, die den Hof gemeinsam mit ihrem Partner Johannes leitet, wäre Lotte schon tot. Sie haben eine unfassbar tolle Arbeit geleistet und sich um alles gekümmert. Sie sind ein Geschenk für die Welt“, sagt Barbara Jost-Besten. Auch die Hilfsbereitschaft der umliegenden Landwirte hat sie überwältigt.

Alles kommt zusammen

Die Kosten für Tierarzt und Medikamente übersteigen inzwischen jedoch die finanziellen Möglichkeiten. Die gelernte Bekleidungstechnikerin arbeitet als Gruppenleitung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen und lebt allein. „Eigentlich kann ich mir Lotte gut leisten. 120 Euro Einstellgebühr zahle ich. Zur Zeit kommt aber alles zusammen.“ Nach einem Brand hat ihr Arbeitgeber sie bis Ende des Jahres in eine 70 Kilometer entfernte Werkstatt versetzt, womit seit November 300 Euro Benzinkosten pro Monat anfallen. Hinzu kamen Reparaturkosten am Auto und die Tierarzt-Rechnungen. Ihren Urlaub im Oktober hat Barbara Jost-Besten bereits storniert.

Auf Anraten einer Freundin, entschließt sie sich kurzerhand, mit einer Online-Fundraising-Kampagne auf GoFundMe.de Spenden für Lotte zu sammeln. Das Limit hat sie auf 1500 Euro gesetzt. „Ich will mich ja nicht bereichern.“ Es geht ihr ausschließlich um die Tierarztkosten. „Ich hänge wirklich an dieser Kuh, so verrückt das manchen auch erscheint“, sagt Barbara Jost-Besten.

>>> Weitere Informationen:

- Kuh Lotte ist neun Jahre alt. Acht Jahre hat sie im Melkstand verbracht, sechs Kälber geboren und täglich bis zu 56 Liter Milch gegeben.

-Wer spenden möchte, findet alle Infos unter: www.gofundme.com/lotte-soll-leben

-Bisher sind schon knapp 1000 Euro für Lotte zusammen gekommen. 1500 Euro sind das Ziel.

-Natürlich kann jeder Interessierte Lotte, Lucky und Luke besuchen. Der Hof Heinemann in Obermielinghausen ist eine Bauernhof-Pension und bietet auch noch vielen anderen Tierschutztieren ein neues Zuhause.

-Barbara Jost-Besten beantwortet gern alle Fragen und würde sich auch freuen, Spender kennenzulernen, um sich persönlich bei ihnen zu bedanken.

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