Weihnachten

Meschede: Die letzte geschmückte Fichte

Ranger Jörg Pahl hat den Weihnachtsbaum am Plackweg zwischen Meschede und Warstein geschmückt. Hier mit im Bild: Carlos, ein Griffon Fauve de Bretagne.  

Ranger Jörg Pahl hat den Weihnachtsbaum am Plackweg zwischen Meschede und Warstein geschmückt. Hier mit im Bild: Carlos, ein Griffon Fauve de Bretagne.  

Foto: Jörg Pahl

Meschede.  Hinter den geschmückten Weihnachtsbäumen im Wald steckt eine traurige Geschichte.

Neun Jahre lang hat Ranger Jörg Pahl im Advent Fichten in der Nähe des Lörmecketurms geschmückt. In diesem Jahr zum letzten Mal. Der Plackweg ist ein breiter Weg. Hell geschottert, meist von hohen Fichten umsäumt. Sich in dieser Umgebung zu verstecken ist eher schwierig, deshalb fällt der geschmückte Baum am Wegesrand sofort auf: Eine vorbildlich gewachsene Fichte mit roten Kugeln und Sternen. Wer den Baum sehen möchte, muss nicht weit laufen. Er liegt diesmal relativ nah am Parkplatz Stimm-Stamm. „Ich suche mir jedes Jahr einen neuen Baum aus. Dieser war mir gleich zu Anfang ins Auge gefallen. Und wie das so oft ist: Ich ging weiter, weil ich dachte, vielleicht finde ich noch einen besseren, um dann doch zu diesem zurückzukehren“, erzählt Pahl.

Dunkle Gedanken vertreiben

Der Anlass für den ersten geschmückten Baum war ein trauriger. In der dunklen Jahreszeit kämen bei den Menschen dunkle Gedanken auf. Ins Detail gehen mag Pahl nicht. Nur: „Ich möchte die Menschen daran erinnern, wie schön es auf unserer Erde ist. Egal, wie verzweifelt sie sind.“ Der geschmückte Baum wurde zu seinem Ritual. Er hat damit bereits viele Spaziergänger und Sportler erfreut. Und zunächst für Verwirrung gesorgt. In den ersten drei Jahren behielt er seine Schmückerei nämlich für sich. Nichtmals die Stadtförster Roland Wiese (Meschede) und Henning Diktus (Warstein) wussten Bescheid. Sie ließen die Bäume nicht abräumen. Zumal Pahl dies zuverlässig selbst erledigte. Immer in der ersten Januarwoche.

Und wie waren die Reaktionen? Es verschwinden immer wieder Dinge, aber es kommen auch neue dazu. Der Ranger ist darüber nicht traurig, im Gegenteil. Er mag es, wenn sich die Menschen mit den Bäumen beschäftigen. Und Nachahmer gibt es auch: So sind im Mescheder Wald weitere Stellen bekannt, an denen anonyme Baumschmücker Hand anlegen. Zum Beispiel an der Gränserichkapelle auf dem Vogelsang oder in Eversberg an dem Kreuz, das einst für Förster Stehling errichtet wurde. „Doch der ist immer etwas später dran“, erklärt Förster Roland Wiese.

Kugeln aus Kunststoff oder Metall

Aber in den Jahren hat auch er dazugelernt. Keine Kugeln mehr, die zerbrechen können: Kugeln aus Kunststoff oder Metall und Stoffschleifen. Teilweise bekam der Ranger aus Kallenhardt den Schmuck sogar geschenkt, so kann der Baum in jedem Jahr anders aussehen. Bunte Päckchen oder klassisch rot, mit Schleifen oder Kugeln, der 60-jährige Forstwirtschaftsmeister und zertifizierte Waldpädagoge beim Landesbetrieb Wald und Holz lässt sich immer etwas einfallen. Oder besser ließ sich immer etwas einfallen.

Denn Pahl geht in diesem Jahr in den Ruhestand. Sein letzter Arbeitstag wird am 5. Januar sein. Dann nämlich, wenn er den Baum abschmückt. Ob sein Nachfolger die Tradition weiterführt ist nicht bekannt.

>>> Weitere Informationen:

Der Weg zum Lörmecketurm ist ein beliebter Wanderweg, ob vom Parkplatz am Stimm-Stamm aus oder über die Waldroute ab der Buchsplitt in Eversberg. An kalten, klaren Tagen ist die Sicht vom Lörmecketurm einmalig. Ranger Pahl empfiehlt einen Besuch bei Vollmond. Der nächste Vollmond ist am 10. Januar.

Gerade an Weihnachten oder Silvester machen sich bei gutem Wetter Familien und Gruppen zum Lörmecketurm auf, um dort die heilige Nacht oder den Jahreswechsel zu erleben.

„Aber bitte leise sein, um das Wild nicht zu stören“, so Stadtförster Roland Wiese. Und alles wieder mitnehmen, was in den Wald getragen wird.

Das gilt für die heimlichen Baumschmücker. Sie sollten auf das Material achten (kein Glas, nichts Essbares; im Wald herrscht Fütterungsverbot für Wild) und den Baum beizeiten wieder abschmücken.

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