Zug

Meschede: „Die neuen Züge sind eine Katastrophe“

 Der neue Pesa-Zug der Linie RE17 fährt in Bestwig ein.

 Der neue Pesa-Zug der Linie RE17 fährt in Bestwig ein.

Foto: Ilka Trudewind

Meschede.   Unpünktlich und unkomfortabel: Die Züge des Typs Pesa Link sind seit zwei Wochen in Betrieb. So ärgern sich Pendler der Linie RE17.

Die neuen Züge des Typs Pesa Link sind seit zwei Wochen in Betrieb und sorgen für Ärger auf der Strecke. Die häufigsten Kritikpunkte betreffen Pünktlichkeit, Lautstärke und Ausstattung der Züge. Wir haben am Morgen den Test gemacht und mit Fahrgästen gesprochen.

Der erste Eindruck

Die Neuerungen sind zunächst nicht so groß. Die Sitze haben die gleichen

Farben wie zuvor: blau mit dunkelblauen Quadraten, Lehnen aus Buchenholz, die Laufwege und Kunststoffteile in dezentem Grau gehalten. Die Sauberkeit fällt auf. „Aber schauen Sie sich das an“, sagt Detlef Glebke, über 30 Jahre Lokführer, jetzt im Ruhestand, und deutet auf eine verschmutzte Sitzfläche. „Die Züge sind nur so sauber, wie Menschen mit ihnen umgehen.“

4er Sitze und Übergänge

„Ich als relativ breiter Mensch habe in diesen Sitzen meine

Schwierigkeiten“, sagt Paul Schliepkorte. Er arbeitet bei der Bezirksregierung und ist häufig im RE17 unterwegs. Er vermisst die Tische, an denen er während der Fahrt arbeiten konnte. Positiv findet er die Steckdosen. Als sehr störend empfindet Schliepkorte die größeren Mülleimer. „Da stößt man immer mit den Knien dran.“ Richard Lohberg, er fährt jede Woche zweimal von Oeventrop nach Bestwig, gefallen die neuen Sitze: „Sehr bequeme Polster.“ Ihn stören allerdings die vielen Treppen im Zug und die unebenen Übergänge. Da müsse man jetzt schon aufpassen, so Lohberg.

Ausstattung

Die Bahn wirbt mit höherem Komfort in den neuen Zügen. Dazu gehören

ein großes WC, Klimaanlagen, Entwerter und Echtzeitabfragen der Anschlüsse. Ticketautomaten und W-Lan waren allerdings am Freitagmorgen noch nicht in Betrieb. „Und mir ist es deutlich zu warm“, sagt eine Frau aus Oeventrop, die mit ihren Freundinnen auf dem Weg nach Norderney ist. Sie sitzt auf einem Klappsitz vor der neuen Toilette, ihre Knie stoßen fast an die Wand. Wenn jemand passieren möchte, müssen alle von den Klappsitzen aufstehen. „Da drin ist sicher mehr Platz“, sagt sie und nickt in Richtung Toilette.

Pünktlichkeit

„Ich muss es in aller Deutlichkeit sagen: Die neuen Züge sind eine

Katastrophe“, sagt Karl-Josef Aßhauer. Er pendelt seit 2005 jeden Tag von Marsberg nach Meschede. „So eine Häufung an Ausfällen und Verspätungen wie in den letzten zwei Wochen habe ich noch nicht erlebt. Angeblich liegt es an den Bremsen“, schimpft er. Man habe keine Planungssicherheit, wann und ob man überhaupt ankomme. „Und von der Bahn gibt es Auskünfte wie: ‘Es kommt zu Verspätungen und Ausfällen in beide Richtungen im Regionalverkehr der Deutschen Bahn’.

Was ist denn das für eine Auskunft? Richtig, gar keine.“ Der Bahnverkehr am Freitag war auf der Linie RE17 gestört, weil wohl seit Donnerstagabend im Marsberger Bahnhof ein Pesa-Zug das Gleis 2 blockiert. „Er lag dort im Morgennebel wie ein gestrandeter Wal. Ich habe schon überlegt, Tücher darüber zu legen“, sagt Aßhauer, der seinen Humor offenbar noch nicht verloren hat. Auch Paul Schliepkorte berichtet von Ausfällen: „Im Bahnhof Hagen musste ich heute morgen 20 Minuten warten, weil der Zug getauscht werden musste“, erzählt er. Ebenfalls ein Zug des Typs Pesa. Von der Bahn heißt es zu diesen aktuellen Vorfällen: „Leider haben wir bei einigen der neuen Pesa-Zügen noch technische Probleme, so auch in diesem Fall. Gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller versuchen wir, diese schnellstmöglich zu beheben.“

Lautstärke

Zur Lautstärke gibt es geteilte Meinungen. Richard Lohberg und Stephan

Bauckmann aus Hüsten nehmen keine Veränderung wahr. Eisenbahner Detlef Glebke kam der Zug während der Einfahrt in den Mescheder Bahnhof jedoch schon lauter vor. Auch eine Pendlerin aus Oeventrop sagt: „Ich wohne direkt an der Strecke und höre die neuen Züge nun auch bei geschlossenen Fenstern. Das war vorher anders.“

  • Insgesamt werden in der Region jetzt 20 Zweiteiler (44 Meter lang) und 16 Dreiteiler (57 Meter) eingesetzt. Die kürzeren haben 240, die längeren 356 Plätze, dazu 36 Stellplätze für Fahrräder.
  • Damit stehen mehr Plätze zur Verfügung. Bis zur Lieferung der Pesa-Züge hatte die Bahn im Sauerlandnetz ausrangierte Züge aus dem Kölner Netz eingesetzt.
  • Die neue Flotte sollte schon Dezember 2016 eingeführt werden. Allerdings entsprachen die Maße und Normen der polnischen Modelle nicht den deutschen Standards.

Hier finden Sie noch mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Meschede und dem Umland.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben