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Mescheder Benediktiner-Schülerin reist mit Zug durch Europa

Joanna Weigand (21) reiste mit dem Interrail-Ticket und ihrem Freund quer durch den Osten Europas.  „Wir wollten Länder sehen, die wir noch nicht kannten“, sagt sie.

Joanna Weigand (21) reiste mit dem Interrail-Ticket und ihrem Freund quer durch den Osten Europas. „Wir wollten Länder sehen, die wir noch nicht kannten“, sagt sie.

Foto: Privat

EU-Politiker diskutieren über ein freies Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag. Joanna Weigand aus Bigge hält viel von der Idee.

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D as Interrail-Ticket ermöglicht bereits seit 45 Jahren jungen Menschen günstiges Reisen in Europa. Ein neuer Vorschlag sorgt für Diskussionen: Verschenkt die EU das Ticket bald an alle 18-Jährigen?

Seit 1972 gibt es schon das Interrail-Ticket. Und obwohl sich im Laufe der Zeit die teilnehmenden Länder, die Konditionen und Preise geändert haben, bleibt das Versprechen doch das Gleiche: Jungen Menschen soll es ermöglicht werden, zu einem günstigen Preis Europa zu bereisen. Heute kann jeder ein Interrail-Ticket kaufen, unabhängig vom Alter. Doch wer 27 oder jünger ist, profitiert weiterhin besonders von Vergünstigungen.

Alle sollten profitieren

Dass dieses Versprechen seit 1972 bei jungen Leuten nichts an Aktualität eingebüßt hat, zeigt ein Vorschlag, den die Berliner Aktivisten Vincent Herr und Martin Speer 2015 entwickelt haben: Jeder EU-Bürger soll demnach zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt bekommen. So wollten die Aktivisten erreichen, dass Ängste und Vorurteile in der jungen Generation zurückgehen und die theoretische Idee von Europa praktisch erlebbar gemacht wird.

Ihnen geht es auch darum, dass jeder Europäer zum 18. Geburtstag dieses Angebot erhalten würde, also nicht nur bestimmte Gruppen davon profitieren würden, wie etwa vom Erasmus-Programm, das sich in erster Linie an Studierende richtet.

Im März 2017 erteilte die EU-Kommission dem Vorschlag von Herr und Speer mit der Begründung, dass die geschätzten Kosten von bis zu 2,3 Milliarden Euro pro Jahr die Möglichkeiten des Haushalts übersteigen, eine Absage. Problematisch für einen fairen Wettbewerb sei es ebenfalls, wenn die EU ein Verkehrsmittel, also die Bahn, fördere und alle anderen ignoriere.

Stattdessen beschloss die Kommission ein stark gekürztes Pilotprojekt, bei dem Gruppen und Schulklassen sich durch soziale Projekte für eine Reiseförderung in Höhe von bis zu 530 Euro qualifizieren können. Mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro und einer Obergrenze von 7000 zu bewilligenden Anträgen wird nur ein Bruchteil der Jugendlichen Europas von diesem Projekt profitieren können.

Idee noch nicht gescheitert

Doch noch ist die Idee der Berliner Aktivisten nicht gescheitert. Etwa der Fraktionsvorsitzende der konservativen EVP im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), ist weiterhin von der Idee der Berliner Aktivisten überzeugt. Und auch Peter Liese, der heimische CDU-Europaabgeordnete, unterstützt die Idee. Beide möchten das Thema im Jahr 2018 erneut aufrollen und dann einen größeren Betrag für das Projekt bereitstellen.

Darüber hinaus kritisieren manche Experten die Schätzung von 2,3 Milliarden Euro als unrealistisch. Man könne nicht davon ausgehen, dass alle Jugendlichen von dem Angebot auch Gebrauch machen würden. Kosten von 100 Millionen Euro jährlich, die dann mit einem steigenden Bekanntheitsgrad des Tickets langsam ansteigen würden, seien realistischer.

Ob das kostenlose Interrail-Ticket zum 18. Geburtstag für alle EU-Bürger also in den nächsten Jahren noch kommt, ist alles andere als sicher, doch gescheitert scheint die Idee noch nicht zu sein. So oder so bleibt die Diskussion um das Interrail-Tickets lebendig.

DREI FRAGEN AN
Joanna Weigand (21) aus Bigge machte ihr Abitur am Gymnasium der Benediktiner in Meschede.

1 Wohin bist du mit dem Interrail-Ticket gereist?

Wir, also mein Freund und ich, sind mit dem Ticket in ein Gebiet gefahren, das uns beiden recht unbekannt war, und zwar Osteuropa. Unsere Stationen waren Warschau, Krakau, Budapest, Bukarest, Sofia, Belgrad und Wien.

2 Welche Erfahrungen hast du bei der Reise mit dem Interrail-Ticket gemacht?

Mit dem Ticket selbst gab es keine Probleme, die Schaffner und Kontrolleure wussten immer, womit sie es zu tun hatten. Wir hatten unsere Züge im voraus schon gebucht und Plätze reserviert, das hat uns viel Zeit an den Bahnhöfen erspart. Probleme waren größtenteils unpünktliche Züge. Wenn man sich hier in Deutschland über einen ICE mit einer Stunde Verspätung ärgert, habe ich jetzt nur noch ein müdes Lächeln übrig! Unser Zug von Sofia nach Belgrad kam statt um 18 Uhr erst um 23 Uhr an, und das ohne Klimaanlage bei über 30 Grad im Schatten. Generell war es eine Umstellung, weil die Langstreckenzüge gefühlt die niedrigste Priorität haben und wir an Grenzbahnhöfen auch gerne mal zwei Stunden gewartet haben.

3 Wie stehst du zur Idee, EU-Bürgern zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken?

Die Idee finde ich generell ziemlich gut. Man lernt viel über andere Länder, wenn man das denn will. Leute, die kein Interesse daran haben, sollten nicht dazu gezwungen werden. Zugreisen sind nicht für jeden etwas. Generell halte ich es aber für eine gute Initiative, weil es eben auch Kindern oder Jugendlichen aus ärmeren Familien die Möglichkeit gäbe, in den Urlaub zu fahren und zu sehen, wie schön und vielfältig Europa ist.

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