Chor

Mescheder Chor: Mut zum Wandel statt leises Sterben

Siegfried Knappstein ist Chorleiter von Auftakt 15. Er und der neue Vorstand führten den Chor von einer sterbenden Gemeinschaft zu einem florierenden Chor 80 Sängerinnen und Sänger sind aktiv.

Siegfried Knappstein ist Chorleiter von Auftakt 15. Er und der neue Vorstand führten den Chor von einer sterbenden Gemeinschaft zu einem florierenden Chor 80 Sängerinnen und Sänger sind aktiv.

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.   Immer mehr Männerchöre verschwinden. Die Geschichte vom reinen Männerchor zum erfolgreichen Projekt „Auftakt 15-Chorgemeinschaft Meschede“.

Chöre, vor allem Männerchöre sterben leise. Nach und nach verschwinden sie. 500 Männerchöre hat der Chorverband NRW in den vergangenen zehn Jahren verloren. Mancher schaffte den Neustart, doch ohne die Frauen geht es offenbar nicht.

Am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat sich die Chorgemeinschaft Meschede, jetzt als gemischter Chor mit dem Namenszusatz Auftakt 15. Zuletzt füllte der Chor mit seinem Projektchor beim Konzert mit der A-cappella-Gruppe Basta die Stadthalle. Über dieses Chorprojekt wird sich Auftakt 15-Chorgemeinschaft Meschede nun erneut verjüngen.

Die Geschichte

Über 130 Jahre gab es die Chorgemeinschaft Meschede, als reinen Männerchor mit vierstimmigem Gesang, traditionellem Liedgut und Vereinsleben.

Doch die Sänger wurden älter, und es kamen keine neuen nach. „Bass und Tenor waren schon so schwach besetzt“, erinnert sich Franz-Josef Siebert, damals mit 69 einer der jüngeren Sänger, „dass wir oft nicht singfähig waren.“

Als sich dann auch kein Vorsitzender mehr fand, ging es nur mit einem drei- köpfigen Team an die Spitze weiter. Bedingung: Mut zum Strukturwandel, also auch zum gemischten Chor. „Ursprünglich wollten unsere Sänger ,mit den Höhnern’ erstmal nichts zu tun haben“, erinnert sich Siebert.

Das Chorprojekt

„Uns war klar, nur mit einem Gemischten Chor und mit einem Chorleiter, der aktuelleres Liedgut mit uns einstudiert, hat der Chor Zukunft“, so Siebert. Mit dem neuen Chorleiter Siegfried Knappstein suchte der Vorstand über ein Chorprojekt nach neuen Sängern.“

Auf Anhieb kamen mit den 24 Stammsängern fast 50 interessierte Frauen und vereinzelt Männer. Und denen gab der Chorleiter auch direkt ein Ziel: einen Auftritt in Elspe und in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche.

„Chöre brauchen Ziele“, ist Knappstein überzeugt. Damit war das Chorprojekt eigentlich beendet. Doch die Neuen und auch die meisten Stammsänger waren vom frischen Schwung des Projektes angetan. Aus dem Männergesangverein „Chorgemeinschaft Meschede“ wurde der gemischte Chor Auftakt 15. Heute singen dort 56 Frauen und 26 Männer. Auch die Sänger des Männerchores blieben dabei.

Das nächste Ziel

Jetzt gibt es für den Vorstand ein neues Ziel: ein neuer Chor soll unter Leitung von Karsten Kleinschnittger entstehen. Dieser soll allerdings kein Konkurrenzprodukt zu Auftakt 15 sein, sondern als zweiter Chor unter dem Dach der Chorgemeinschaft Meschede neben Auftakt 15 vor allem jüngere Sänger anziehen.

Aufbauen will Karsten Kleinschnittger auf den Sängern, die am Basta-Konzert-Projekt unter Leitung von Siegfried Knappstein teilgenommen haben. 40 Sänger und Sängerinnen, die zwischen 20 und 60 Jahre alt waren, hatten sich dafür begeistern lassen.

25 Männer und Frauen sind bereit, die Zustimmung der Mitgliederversammlung voraussetzend, in einem separaten Chor mit eigenem Namen als Mitglieder der Chorgemeinschaft Meschede weiterzumachen. Probentermine und Auftritt beim Open-Air-Konzert im Rahmen des spirituellen Sommers am Sonntag, 1. September sind schon beschlossen.

Die Zukunft

Knappstein ist überzeugt, dass das funktioniert. Das habe schon der Projektchor zum Basta-Konzert gezeigt. „Überall wird gesungen. Rudelsingen ist an vielen Orten ein absoluter Renner. Gospel-Workshops laufen super.“ Er sieht noch viel Potenzial in Meschede. Gleichzeitig beobachtet er, wie mancher Chor auf den Dörfern stirbt. „Die schaffen es einfach nicht, sich zusammenzuraufen.“ Viele Stammsänger und -sängerinnen drohten dann damit, den Chor zu verlassen.

Knappstein: „Ein Risiko, dass man eingehen muss, wenn man weiter singen will. Sonst gehen Männer- und Frauenchöre getrennt unter.“ Der Chorleiter betont: Er freue sich über jeden, der kommt. Eine spektakuläre Verjüngung ist Auftakt 15 bei seinem Basta-Chorprojekt schon gelungen. Im Projektchor stand bis 22 Uhr eine junge Frau auf der Bühne: Drei Stunden später war sie Mutter eines gesunden Sohnes - der jüngste Mescheder Chorsänger.

Stimmen zum Projekt

„30 Jahre habe ich gewartet und mir vor anderthalb Jahren gedacht: „Jetzt probier ich’s“. Musik habe ich immer schon gemacht, aber es ist schon faszinierend, was für einen Klang man mit verschiedenen Stimmen erzeugen kann. Warum vor allem die jungen Männer fehlen? Ich weiß es nicht. Chorgesang ist für viele uncool. Aber letztlich kommt es auch da auf die Umsetzung an.“

„Ich bin über den ersten Projektchor dazugekommen und geblieben. Zuletzt hatte ich im Schulchor gesungen - tatsächlich selbst als Schülerin - und bin dann später wieder über einen Projektchor an der Schule meiner Kinder eingestiegen. Ich habe gemerkt, das macht mir Spaß. Es ist eine schöne Art sich auszudrücken.“

„Früher habe ich schon im Schulchor und im Kirchenchor gesungen und

dann 40 Jahre pausiert. Beruf und Familie waren da wichtiger. Geworben haben mich jetzt meine Nachbarn, und so habe ich den Spaß am Singen in Gemeinschaft wiederentdeckt. Das Singen konkurriert eben mit anderen Freizeitangeboten. Sich kulturell zu engagieren ist da eben nicht so beliebt, wie beispielsweise Sport zu machen.“

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