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Mescheder PGR-Vorsitzende: „Gemeinde braucht Gesichter“

Angelika Haude ist seit 15 Jahren im Pfarrgemeinderat von Mariä Himmelfahrt Meschede aktiv.

Foto: Ute Tolksdorf

Angelika Haude ist seit 15 Jahren im Pfarrgemeinderat von Mariä Himmelfahrt Meschede aktiv. Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.   Unter dem Motto „Jetzt staubt’s“ sind 10 680 Katholiken zur Wahl der Pfarrgemeinderäte aufgerufen. Die Kandidaten hoffen auf Unterstützung.

10 680 Männer und Frauen ab 14 Jahren sind am kommenden Wochenende in Meschede zur Wahl aufgerufen. Die katholischen Kirchengemeinden bestimmen ihre Pfarrgemeinderäte. Nur sieben Prozent betrug allerdings 2014 die Wahlbeteiligung im Pastoralverbund Meschede-Bestwig. Enttäuschend für die Menschen, die sich in dem Gremium engagieren. „Jeder, der zur Wahl geht, stärkt uns den Rücken“, sagt Angelika Haude. Sie engagiert sich seit rund 15 Jahren im Pfarrgemeinderat von Mariä Himmelfahrt Meschede.

Das Motto der Pfarrgemeinderats (PGR)-Wahl lautet „Jetzt staubt’s!“. Wo haben denn die Mescheder in den vergangenen vier Jahren Staub aufgewirbelt?

Angelika Haude: In den vergangenen vier Jahren haben wir erstmal vor allem darum gekämpft, dass unsere Gemeinden lebendig bleiben. Ein Jahr waren wir dann ohne Pfarrer, und seitdem Pfarrer Michael Schmitt den Pastoralverbund übernommen hat, macht die Arbeit wieder Spaß. Er lässt uns Raum, hört uns zu und wenn Entscheidungen anstehen, holt er uns ins Boot.

Sie stehen mit einem Team von elf weiteren Mitgliedern zur Wahl - wo wollen Sie in den nächsten vier Jahren Staub aufwirbeln?

Die Gesellschaft verändert sich. Der Glaube wird nicht mehr selbstverständlich gelebt. Viele tauchen nur punktuell beispielsweise zur Taufe, Hochzeit oder Kommunion kurz in der Gemeinde auf. Wir wollen versuchen, sie durch moderne und auf sie zugeschnittene Angebote zu begeistern. Gleichzeitig dürfen wir auch die Älteren nicht vergessen, gerade da wir in Mariä Himmelfahrt keine eigene Pfarrcaritas mehr haben. Auch in der Flüchtlingsarbeit werden wir uns weiter engagieren. Wir wollen in die Gemeinde und in die Gesellschaft wirken.

Das klingt nach einem Spagat für das zwölfköpfige Gremium, von denen übrigens alle zehn gewählt und zwei weitere auf jeden Fall berufen werden. Eine demokratische Wahl sieht anders aus.

Es ist nicht leicht, Menschen für die Mitarbeit zu begeistern. Wer sich bereiterklärt, so unser Anspruch, soll auch auf jeden Fall mitwirken dürfen. So können wir von den Ideen vieler profitieren und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen. Nur bei bestimmten Entscheidungen, dürfen die berufenen Mitglieder dann nicht mitstimmen.

Trotzdem jeder quasi gewählt ist, ist es Ihnen wichtig, dass die Gemeindemitglieder ihre Stimme abgeben?

Natürlich! Das zeigt doch, dass unsere Arbeit gewürdigt wird. Jedem Einzelnen, der sich aufstellen lässt, wird so der Rücken gestärkt.

Was sind die Hauptaufgaben des PGR im Vergleich zum Kirchenvorstand?

Wir kümmern uns um den seelsorglichen Bereich, der Kirchenvorstand um den finanziellen. In Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen versuchen wir die christliche Botschaft weiterzugeben, damit der Glaube und die Kirchengemeinden vor Ort weiter lebendig bleiben. Der PGR versucht auch die Fäden der verschiedenen kirchlichen Gruppen und Einrichtungen zusammenzuhalten - von den Kindergärten über die kfd oder die Pfarrcaritas bis zu den Messdienern und Pfadfindern. Und in den kleiner werdenden Gemeinden ist es auch wichtig den Kontakt zu den anderen PGR zu halten, auch um mögliche Synergien abzusprechen. Es muss schließlich nicht überall ein Jugendgottesdienst stattfinden.

Wie selbstständig darf ein PGR entscheiden?

Pfarrer Johannes Sprenger hat immer schon gesagt: Pfarrer kommen und gehen, Gemeinde bleibt. Wir hier in Mariä Himmelfahrt haben das Glück, dass wir zurzeit gut mit den Hauptamtlichen zusammenarbeiten und daher auch alles umsetzen können, was wir als Ideen entwickeln. Ansonsten sehen wir uns hier auch in der Tradition unseres verstorbenen Pfarrers Felix Hoppe. Der sagte immer. „Nicht moppern - machen.“ Und: „Auch Fehler gehören dann dazu.“

Die Zahl der Hauptamtlichen wird weniger - nimmt dadurch der Einfluss der PGR eher zu oder ab?

Ich denke, tendenziell wird unser Einfluss größer, wenn die Laien auch bereit sind, sich einzubringen. Und wenn die Kirchen-Verantwortlichen uns auch entscheiden lassen, solange es vor Ort funktioniert. Denn ich bin überzeugt: Wenn man die kleinen Einheiten auflöst, geht der Bezug zur Kirche noch schneller verloren. Gemeinde braucht Gesichter.

In Wehrstapel haben sich aktuell nicht genug Bewerber für die PGR-Wahl gefunden. Zuletzt hatten St. Walburga und Grevenstein keinen Pfarrgemeinderat. Läuft doch auch so?

Es lief. Aber es fand kein aktives Gemeindeleben statt. Darunter leidet die Lebendigkeit. Außerdem fehlten die Stimmen der beiden genannten Gemeinden bei den überpfarrlichen Treffen. Deshalb bedaure ich es, wenn sich in einer Gemeinde keine Mitglieder für den PGR finden. Das schwächt die Kirche vor Ort.

Ist das auch der Grund, warum Sie sich seit 15 Jahren engagieren?

Ich bin in den PGR eingetreten, weil ich das Gemeindeleben hier über die Jahre kennen und schätzen gelernt habe. Es ist mir wichtig, das weiterzutragen und auch die Entwicklung meiner Gemeinde weiter zu gestalten. Die Menschen, die hier leben, liegen mir am Herzen.

>>>HINTERGRUND

Angelika Haude ist 57 Jahre alt und gelernte Krankenschwester. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Seit 15 Jahren engagiert sie sich im PGR Mariä Himmelfahrt Meschede. Seit 2014 ist sie dessen Vorsitzende.

Wahlen zum Pfarrgemeinderat finden am kommenden Wochenende in allen Gemeinden vor allem vor und nach den Messen statt. In Mariä Himmelfahrt am Sonntag von 9 bis 9.30 Uhr und von 10.15 bis 11 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr. In St. Walburga am Samstag von 18.30 bis 19 Uhr und 19.45 bis 20.30 Uhr sowie am Sonntag von 10.30 bis 11 Uhr und von 11.45 bis 12.45

Die genauen Zeiten finden sich unter www.katholische-kirche-meschede-bestwig.de

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