Navi-Gerät

Mescheder rätselt über angeblichen Schusswechsel an Autobahn

Diese seltsame Warnmeldung vor einem „Schusswechsel“ auf der Autobahn hat ein Meschedes geistesgegenwärtig fotografiert.

Diese seltsame Warnmeldung vor einem „Schusswechsel“ auf der Autobahn hat ein Meschedes geistesgegenwärtig fotografiert.

Foto: Privat

Meschede.   Eine verstörende Warnmeldung hat ein Mescheder auf seinem Navi erhalten: Angeblich drohe ein Schusswechsel. Die Warnung gibt Rätsel auf.

Darf man seinem Navi grenzenlos vertrauen? Definitiv nicht. Es gibt tatsächlich auch Fake-News. Diese Erfahrung hat jetzt ein Mescheder Autofahrer gemacht. Er war mit seinem Audi geschäftlich unterwegs, als während der Fahrt plötzlich eine verstörende Warnmeldung im Display auftauchte: „Schusswechsel“! Ein Schusswechsel auf der Autobahn?

Er fuhr langsamer, machte geistesgegenwärtig auch noch eine Fotoaufnahme von der Warnung. Er glaubt: „Mein Navi ist gehackt worden.“ Von einem Schusswechsel war auch nichts zu sehen. Er sorgt sich, was anderen Autofahrern passieren könnte, wenn sie diese Meldung lesen würde: Eine Vollbremsung mit Unfall?

Warnung vor Schusswechsel: Polizei und Audi recherchieren

Bei der Polizei Münster, zu deren Einzugsbereich das Autobahnstück gehört, auf dem der Mescheder unterwegs war, ist man erstaunt. „Es hat keinen Schusswechsel gegeben“, sagt Sprecher Andreas Bode.


Er sieht einen kurzzeitigen Bedienfehler, etwa von einer Radiostation an der Strecke, als mögliche Ursache. Der genaue Verursacher ist nicht zu finden. Der Katalog von entsprechenden Warnmeldungen ist lang, er reicht von einer „Person auf der Fahrbahn“ bis tatsächlich zur Gefahr eines Schusswechsels.

Audi sieht einen Irrtum als Hintergrund

Bei Audi ist intern durch eine Fachabteilung recherchiert worden. Auch in Ingolstadt sieht man einen Irrtum.

„Wir gehen davon aus, dass ein Provider irrtümlicherweise einen falschen Code verwendet hat“, sagt Audi-Sprecher Stefan Grillneder: „Wir sind bei unserer Analyse zu dem Schluss gekommen, dass diese Nachricht irrtümlich durch einen Versender von TMC-Meldungen (zum Beispiel Radiostationen in der Region oder entlang der Strecke) in das System eingeflossen sein muss.“

Hintergrund sind, wie im Fall des Mescheders, Nutzer von so genannten TMC-Meldungen. Die Abkürzung steht für „Traffic Message Channel“, also Verkehrsnachrichtenkanal. Darüber senden die Rundfunkanstalten ihre Verkehrsstörungen. Das funktioniert über einen digitalen Code.

Diesen entschlüsselt das Navi, der Code wird dann als Wortmeldung ausgespielt. In codierter Form finden sich Angaben zum Ort und zu der Art der Störung: Die „Location Code List“ und die „Event Code List“ zusammen erzeugen die konkrete Verkehrsmeldung. Gängig dabei sind die Staus. Die Liste mit den Codes ist international in einer Tabelle festgelegt, in Deutschland achtet darauf die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Provider können Warnmeldungen einspielen

Tatsächlich aber ist diese Warnliste, die immer fortgeschrieben wird (so tauchten auch „Gaffer“ erstmals in den Verkehrsnachrichten auf) eben mit über tausend Punkten viel umfassender – sie reicht von Evakuierungen, Lawinen, Kindesentführungen über radioaktive Zwischenfälle bis zu terroristischen Gefahren. Auch den Schusswechsel gibt es, Nummer 1479 „gunfire on roadway“.

Die TMC-Meldungen können von verschiedensten Providern in das System eingespielt werden, etwa von Radiostationen, aber auch von öffentlichen Institutionen, Endgeräte, Auto- oder Kartenherstellern.

Falschmeldungen kursieren

Audi untersuchte den Mescheder Fall: Für das Unternehmen sei es „nicht nachvollziehbar“, wer diese Information eingespielt hat. Sprecher Stefan Grillneder sagt: „Wir können lediglich ausschließen, dass diese Information durch einen von Audi beauftragten Provider von Verkehrsinformationen zur Verfügung gestellt wurde.“

Falschmeldungen per Navi tauchen immer mal wieder auf: Im Internet kursieren mehrere. Dank des geistesgegenwärtig gemachten Fotos des Mescheder konnte solch eine Falschmeldung jetzt auch einmal dokumentiert werden.

Meldungen auf Navigationsgeräten

Meldungen auf Navigationsgeräten sind sehr kleinteilig möglich – sie können theoretisch die Zahl der verfügbaren Stellplätze auf dem Parkplatz anzeigen, den man ansteuert.

Auf der anderen Seite: Alle möglichen drastischen Szenarien können angegeben werden, bis hin zum Luftangriff.

Auch diese Meldung ist als Code 2014 hinterlegt: „Nichts zu berichten“.

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