Digitalisierung

Mescheder Schüler erklären Senioren die digitale Welt

Jeweils ein Schüler und ein Senior bilden ein Tandem, in dem in den kommenden Wochen die jüngeren Menschen den Älteren in Sachen Smartphone, Laptop und Tablet helfen.

Jeweils ein Schüler und ein Senior bilden ein Tandem, in dem in den kommenden Wochen die jüngeren Menschen den Älteren in Sachen Smartphone, Laptop und Tablet helfen.

Foto: Lisa Klaus

Meschede.   Senioren aus Meschede lernen bei „Jung lehrt Alt“ mehr über Smartphones und Laptops. Die Realschüler bekommen dafür eine wertvolle Belohnung.

Ein schüchternes Lächeln hier, ein freundlicher Handschlag zur Begrüßung da: Der erste Kontakt zwischen den Senioren und den Schülern der Realschule Meschede am Freitagmittag war in den meisten Fällen noch etwas verhalten.

In den kommenden acht Wochen soll sich das ändern, den in dieser Zeit werden im Rahmen des Weiterbildungsprojekts „Jung lehrt Alt“ (JuleA) die Jugendlichen in Sachen Smartphone, Tablet und Laptop zu Lehrern und die Senioren zu Schülern.

„Das ist heute ein gewaltiger Start. Das macht Mut, weiterhin Gas zu geben.“ Wolfgang Rochna aus Arnsberg, Erfinder des Weiterbildungsprojektes, war begeistert von der starken Resonanz. 25 Senioren warteten im Computerraum der Realschule auf ihre neuen, jugendlichen Lehrer – aus den Stufen neun und zehn – der kommenden Wochen. „Das ist eine große Zahl“, zeigte sich Rochna beeindruckt.

Am Freitag durften sich die Protagonisten des Projekts zunächst kennenlernen – ab sofort werden die „Tandems“, jeweils bestehend aus einem Senior und einem Schüler, in acht Unterrichtsstunden nach individuellem Bedarf am Tablet, Smartphone und Laptop arbeiten.

Kein normaler Computerkurs

„Es gibt keinen Lehrplan. Die Senioren bekommen das beigebracht, was sie auch wissen wollen. Das ist nicht wie in einem normalen Computerkurs, wo man sich in der dritten Stunde schon langweilt, weil man das Gelehrte entweder schon kennt oder sich nicht dafür interessiert“, wies Rochna auf die Vorteile von JuleA hin.

„Wenn sie wissen wollen, wie man ein Telefonbuch im Handy anlegt oder das Bild von den blühenden Schneeglöckchen an die Kinder verschickt, können sie danach fragen und es wird ihnen von den Schülern beigebracht“, fügte Rochna hinzu.

Die Mescheder Realschule ist der 14. Standort, an dem das Projekt JuleA durchgeführt wird, und der achte im Hochsauerlandkreis. Die Initiative, JuleA auch in Meschede anzubieten, ging vom Seniorenbeirat der Stadt aus. „Die Digitalisierung bedeutet auch für uns Senioren neue Möglichkeiten und Voraussetzungen. Am besten lernen wir all das von denjenigen, die schon jahrelang damit umgehen“, erklärte Stefanie Schmidt vom Vorstand des Seniorenbeirates den Ursprung der Entscheidung, JuleA nach Meschede zu holen.

„Ich finde die Idee vom Seniorenbeirat richtig toll und wünsche allen Teilnehmern, dass sie ganz schlau aus diesem Projekt herausgehen“, wandte sich Gisela Bartsch, Fachbereichsleiterin Generationen, Bildung und Freizeit der Stadt Meschede, an die große Gruppe.

Zurück auf der Schulbank

Für Monika Melcher fühlt es sich nach eigener Aussage „interessant“ an, nach vielen Jahren wieder die Schulbank zu drücken. „Ich habe mir vor zweieinhalb Jahren ein IPhone zugelegt und mir die grundlegenden Dinge angeeignet. Jetzt würde ich das alles gerne noch etwas vertiefen“, berichtete die Seniorin.

Ihr wurde der Schüler Lucas Heuer zugeteilt. Gemeinsam freuen sie sich auf die Zusammenarbeit. „Ich wollte das mal erleben, wie das ist, jemanden zu unterrichten“, sprach der Schüler über seine Motivation, an dem Projekt teilzunehmen.

Die Jugendlichen geben zwar ihre Freizeit für das Projekt her, eine Belohnung wartet jedoch nach Beendigung der acht Wochen auf sie. Dann erhalten sie neben einem positiven Eintrag in das Schulzeugnis das NRW-Ehrenamtszertifikat. „So etwas ist bei einer Bewerbung später immer von Vorteil“, betonte Rochna. „Ich finde das richtig toll, dass sich die Senioren auf diesen Weg machen“, merkte Schulleiter Franz Stratmann an. „Sie kommen in der Neuzeit an.“

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