Serie: Im Gespräch

Mescheder setzt sich für Senioren und Kriminalitätsopfer ein

Franz Drinhaus setzt sich für die Menschen in seiner Heimatregion ein.

Franz Drinhaus setzt sich für die Menschen in seiner Heimatregion ein.

Foto: Sabina Butz

Meschede.  Franz Drinhaus will, dass alle Menschen ihren Alltag selbstbestimmt gestalten. Dafür setzt er sich seit Jahrzehnten ein.

Mit 14 Jahren begann Franz Drinhaus im Jahr 1956 seine Ausbildung in einer kosmetischen Fabrik. Sein Arbeitgeber, Hermann Rose, war blind „Von ihm habe ich viel gelernt, was mich mein Leben lang begleitet hat: genau zuhören und vor allem, auf alle Sinne achten. Ich bin ihm dankbar dafür.“

Damals zahlte der Arbeitgeber noch „Kartoffelgeld“, damit die Familien sich zur Erntezeit mit Kartoffeln eindecken konnten. Franz Drinhaus hat diese Zeit als hart, aber nicht erdrückend in Erinnerung.

Er wechselte zu einer chemischen Fabrik in Nuttlar und arbeite dort als Chemiefacharbeiter bis zu seiner Frühverrentung 1997.

Außenstelle des Weißen Ríngs

Als Drinhaus 1986 zum ersten Mal vom Verein „Weißer Ring“ hörte, setzte er sich umgehend mit den Verantwortlichen in Verbindung. Der Weiße Ring war 1976 in Mainz gegründet worden - unter anderem von Eduard Zimmermann und Hans Sachs, bekannt aus der TV-Sendung Aktenzeichen XY ungelöst. Die Ziele sind klar definiert: Unterstützung von Kriminalitätsopfern und Verhütung von Straftaten. Heute hat der Verein ca. 3000 ehrenamtliche Mitarbeiter und ungefähr 50.000 Mitglieder.

Damals wurde die Außenstelle Weißer Ring im Hochsauerlandkreis mit sechs Gründungsmitgliedern gegründet, einer davon war Franz Drinhaus. Polizeidirektor Wilhem Lentner übernahm die Außenstelle des Weißen Rings Hochsauerlandkreis. Er übergab sie 1995 an Franz Drinhaus, der sie fast neun Jahre leitete. „Alle Mitarbeiter werden qualifiziert geschult und begleitet, um Opfern effektiv zur Seite zu stehen zu können.“

Der Täter-Opfer-Ausgleich

Neben der persönlichen Betreuung der Opfer war Drinhaus immer daran gelegen, „den Weg der Opfer in den Alltag“ zu gestalten. In den 80er-Jahren war er deshalb maßgeblich an der Ausgestaltung des Gesetztes zum Täter-Opfer-Ausgleich beteiligt. Sinn und Zweck dieses Gesetzes ist es, Opfer und Täter miteinander ins Gespräch zu bringen, um eine „Verarbeitung“ zu erreichen. Das gelingt in vielen Fällen. Er erinnert sich an ein taubstummes, junges Mädchen, das Opfer einer Vergewaltigung geworden war, eine an sich schon unglaubliche Belastung. Diese starke junge Frau habe eingewilligt, sich mit den Tätern auseinanderzusetzen und sich danach erleichtert gefühlt. „Die Bestätigung der Schuldanerkennung hilft dem Opfer bei der Traumabewältigung“, ist Franz Drinhaus überzeugt. http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/215973429

Ansprechpartner für Senioren

Franz Drinhaus gründete dann 2005, unterstützt von seiner Ehefrau, die „Mescheder Senioren-Hilfe“. Ihr Gründungsgedanke: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben.“ Ähnlich wie bei der Arbeit für den Weißen Ring, geht es auch hier darum, den Alltag selbstbestimmt und erträglich zu gestalten. Dafür bietet der Verein verschiedene Dienstleistungen an, von der stundenweisen Betreuung bis zur Essenslieferung, aber „das Wichtigste ist immer die Kommunikation“.

Für sein ehrenamtliches Engagement erhielt Franz Drinhaus 2006 den Anerkennungspreis für das Ehrenamt des HSK und 2019 die Ehrenmedaille der Stadt Meschede.

Vergnüglicher Erzähler

Franz Drinhaus übergeht das Thema Ehrungen und erzählt lieber etwas Vergnügliches: „Da war dieser Einbruchdiebstahl in einem Ladenlokal, und der Besitzer hat wohl etwas missverstanden. Er schickte dem „Opferverband“ (gemeint war der Weiße Ring) eine Aufstellung aller gestohlenen Sachen mit Preisangaben und der Frage, wann der Scheck zu erwarten sei.“ Dem Manne konnte vom Weißen Ring leider nicht geholfen werden.

Der gebürtige Mescheder Drinhaus lebt gern in seiner Heimatstadt, aus der auch seine Frau stammt und in der seine Söhne und Enkel geboren wurden. „Wir haben es sehr schön hier, und ich möchte wirklich nirgendwo anders leben.“

>>>HINTERGRUND

Franz Drinhaus, geb. 1942 in Meschede, Ehefrau Monika, zwei Söhne mit ihren Familien und drei Enkel leben allesamt im Großraum Meschede. Ab 1956 absolvierte Drinhaus eine Lehre in einer kosmetischen Fabrik. Danach blieb er bis zu seiner Frühverrentung 1997 als Facharbeiter in einer chemischen Fabrik in Nuttlar.

Seit 1986 ist er Mitglied im Weißen Ring – Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e.V.. Er gründete die Außenstelle des Weißen Ring in Meschede mit, deren Leiter er fast neun Jahre lang war. Drinhaus beteiligte sich maßgeblich an der Ausarbeitung des Gesetz zum Täter-Opfer-Ausgleich, das bis heute Anwendung findet.

2005 rief er die Senioren-Hilfe Meschede ins Leben, für die er bis jetzt tätig ist.

2006 wurde ihm der Anerkennungspreis für das Ehrenamt des HSK von Landrat Dr. Karl Schneider verliehen.

2019 verlieh ihm Bürgermeister Weber die Ehrenmedaille der Stadt Meschede für sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement.

Wer mehr über ihn wissen möchte: Im Stadtarchiv liegt sein Buch „ Die verlorene Kindheit“, eine Biografie über seine Jugend mit entsprechenden Fotos und damit von besonderem Wert für Meschede.

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