SEE-GESPRÄCH

Mescheder Top-Gastronom: Deutsche Küche wieder im Trend

Mit wehenden Haaren auf einem Segway: Hans-Georg von Korff mit Redaktionsleiter Oliver Eickhoff beim Interview auf dem Hennedamm. Der Mescheder ist einer der erfolgreichsten heimischen Gastronomen.

Mit wehenden Haaren auf einem Segway: Hans-Georg von Korff mit Redaktionsleiter Oliver Eickhoff beim Interview auf dem Hennedamm. Der Mescheder ist einer der erfolgreichsten heimischen Gastronomen.

Foto: Stefan Meinhardt

Meschede.   Hans-Georg von Korff im Interview: Er spricht über Gastronomie, über gutes Essen und über die Stadt Meschede.

Hans-Georg von Korff zählt zu den erfolgreichsten Gastronomen in Meschede. Seine Familie blickt auf eine langjährige Tradition. Wir treffen uns mit ihm zum See-Gespräch. Schon bald darauf knurrt beim Interview der Magen, wir bleiben aber standhaft bei einer Tasse Kaffee.

Herr von Korff, wir sitzen hier nachmittags im Sonnenschein am Hennesee. Was würden Sie uns beiden servieren, wenn Sie hier ein Lokal hätten?

Ich finde, dass ein schöner Eisbecher passend wäre. Serviert auf einer großen Terrasse - das wäre doch vielversprechend.

...so wie demnächst gegenüber am See-Ufer, wo Andre Wiese sein H1 baut?

Zum Beispiel! Ich freue mich über alles, was gastronomisch passiert. Wir profitieren alle davon. Ich empfehle unseren Hotelgästen in Meschede auch andere Restaurants, wenn Sie danach fragen.

Sie haben jahrzehntelange Erfahrung in der Branche. Ist es schwierig, in Meschede als Gastronom zu bestehen?

Schwierig ist es in unserer Branche schon immer gewesen. Mehrere Restaurants wie unseres könnten sich in Meschede nicht halten. Die deutsche Küche ist aufwändig. Sie müssen sehr viele Zutaten bereit halten, viele Waren sind teuer. Ausländische Küchen sind oft unkomplizierter.

Schauen Sie nur auf die Beilagen: In der chinesischen Küche wird überwiegend Reis angeboten, in der italienischen sind es überwiegend Nudeln. Bei uns: Bratkartoffeln, Klöße, Rösti, Gratin, Pommes Frites... Die deutsche Küche ist insgesamt vielfältiger. Es ist schade, dass sie manchmal zu wenig geschätzt wird. Die Leute sagen, sie gehen zum Edel-Italiener. Aber nicht: Wir gehen zum Edel-Deutschen.

Wie hat sich die Gastronomie im Laufe der Jahre verändert?

Zunächst einmal kommt die gute, alte Küche wieder: Rouladen, Sauerbraten - aber selbst gemacht, mit eigenen Soßen, ganz ohne Fertigprodukte. Der Trend geht wieder dahin. Wo gibt es solche Speisen sonst noch? Ansonsten gilt auch in der Gastronomie: Vieles kommt wieder.

Es erinnert mich gerade an meine Zeit in den 70er-Jahren, als wir die neue deutsche Küche geprägt haben: bodenständig und frisch, zugleich verzichteten wir auf Schildkrötensuppe und Froschschenkel. Bis dahin gehörte dies zur Speisekarte einer Sterneküche. Auch unser Haus hatte ab Ende der 50er-Jahre einen Michelin-Stern, es wurden Gerichte mit fernöstlichen Gewürzen gekocht. Die Speisekarte war unglaublich umfangreich. Heute ist das alles nicht mehr zeitgemäß, und für eine Sterneküche ist kein Markt mehr in Meschede.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingsgericht?

Ja, einen schönen Sauerbraten. Oder eine Linsensuppe mit wenig Kartoffel, aber mit viel Essig. Wenn wir nicht in unserem Restaurant essen, kocht daheim übrigens meine Frau - das ist sehr lecker.

Wie sieht die Zukunft aus? Auch die eigene?

So lange es geht, unterstütze ich meine Tochter und meinen Schwiegersohn. Der kocht übrigens richtig gut. Ich bin sehr glücklich darüber, wie die beiden das Restaurant und das Hotel führen, und sie wollen das auch in Zukunft tun. Unter den Gerüchten, die es gab, dass wir angeblich verkaufen, haben wir alle sehr gelitten. Davon stimmt nichts.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten:
Was würden Sie verwirklichen?

Ich würde McDonald’s gegenüber eine Toilette bauen. Jetzt mal im Ernst: Dort herrscht eine Frequenz von 500 bis 600 Menschen täglich, davon müssen 80 bis 100 auf die Toilette - und es gibt keine. Sehr viele laufen dann mit einer Selbstverständlichkeit in unser Lokal. Das ist nicht in Ordnung. Ansonsten habe ich mir mit meinem kleinen Weinhandel einen Wunsch erfüllt. Der macht mir sehr viel Freude.

Sie sind auch Hotelier. Wie wichtig ist dieser Bereich für Sie geworden?

Das ist ein sehr wichtiges Standbein, wir sind oft ausgebucht. Die meisten Gäste, die bei uns übernachten, sind beruflich hier, ein Teil kommt als Tourist. Wir haben hervorragende Bewertungen. Inzwischen könnten wir zusätzliche Zimmer gebrauchen. Wir leben doch hier im Sauerland in einer sensationellen Region. Ich habe übrigens den Eindruck, dass unsere Gegend durch Kyrill noch bekannter geworden ist. Seitdem kommen noch mehr Gäste und genießen die Aussicht auf unsere Bergplateaus.

Was macht ein gutes Hotel aus, wonach buchen Sie privat?

Wir fahren oft zu Kollegen, die wir kennen. Ansonsten mache ich es genauso wie viele Gäste: Ich schaue mir Bewertungen an.

Schauen wir auf Meschede: Wie hat sich die Stadt entwickelt?

Ich habe den Eindruck, dass wir durch die Regionale, und das, was dadurch geschaffen worden ist, wieder vorn sind. Meschede ist im Zweiten Weltkrieg zweimal ausgebombt worden. Wir haben das Glück gehabt, dass die Stadt schnell wieder aufgebaut wurde. Es war eine moderne Nachkriegsstadt, auf die unsere Nachbarn neidisch schauten, bis sie in den 60ern und 70ern aufholten.

Es ist gut, wie sich Meschede jetzt wieder weiter entwickelt hat. Was wir bräuchten: eine bessere Nord-Süd-Verbindung. Auswärtige schauen immer ungläubig, über wie viele Brücken sie fahren müssen, um von der einen auf die andere Seite zu kommen.

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