Theaterstück

Missbrauch ist Thema in Schmallenberger Grundschulen

Die Schauspieler Sebastian Thrun und Sandra Wickenburg auf der Bühne in Schmallenberg. Nur kleine Requisiten und Kostüme, aber eine deutliche Botschaft: Sie zeigten das Stück auch vor einigen Eltern.

Die Schauspieler Sebastian Thrun und Sandra Wickenburg auf der Bühne in Schmallenberg. Nur kleine Requisiten und Kostüme, aber eine deutliche Botschaft: Sie zeigten das Stück auch vor einigen Eltern.

Foto: Carmen Bunse / WP

Schmallenberg.   Das Theaterstück „Mein Körper gehört mir“ wird an Schulen aufgeführt. Interaktive Szenen zeigen, wie sich Kinder in Situationen verhalten sollten.

Wo genau fängt sexueller Missbrauch an und wie muss sich ein Kind verhalten, um sich zu schützen? Seit einiger Zeit wird an vielen Grundschulen im Stadtgebiet das Stück „Mein Körper gehört mir!“ aufgeführt. Mit Hilfe von kleinen Szenen werden die Schüler der dritten und vierten Klasse aufgeklärt und sensibilisiert. Die Schauspieler Sandra Wickenburg und Sebastian Thrun führen das interaktive Theaterstück in insgesamt drei Teilen über drei Wochen verteilt auf. Pro Unterrichtsstunde gibt es drei kurze Szenen, die vorgespielt werden. Dabei benutzen die Schauspieler viele kleine Requisiten und bringen den Kindern auf spielerische Weise bei, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollten.


1. Szene: Einem jungen Mädchen wird von einem fremden Jugendlichen ein Arm um die Schulter gelegt. Das Mädchen sagt nichts. Nach der Szene werden die Kinder gefragt, was das Mädchen hätte tun können, damit der Junge damit aufhört. Die Kinder erarbeiten dann gemeinsam mit den Pädagogen die Lösung: Das Mädchen sollte laut „Nein“ sagen. Die Szene wird danach erneut aufgeführt, nur mit dem Unterschied, dass das Mädchen „Nein“ sagt und der Junge den Bus verlässt. So sollen die Kinder lernen, dass niemand sie anfassen darf, wenn sie das nicht möchten.


2. Szene: Ein Exhibitionist lauert vor einer Schule. Er zeigt einem Mädchen seine Genitalien. Nach dieser Szene sprechen die Schauspieler zum ersten Mal das Thema „Sexueller Missbrauch“ direkt an und erklären an dem Beispiel, wo sexueller Missbrauch beginnt und, dass Kinder nach solchen Erfahrungen unbedingt mit einem Erwachsenen oder auch der Polizei

sprechen sollten. Auch das Thema „Internet“ und die Gefahr vom Chatten wird thematisiert und die bedrohliche Situation schauspielerisch verdeutlicht. Den Kindern werden an dieser Stelle drei ganz wichtige Fragen erklärt, die sie sich in solchen Situationen selber stellen sollten: „Habe ich ein Ja- oder Nein-Gefühl? Weiß jemand, wo ich gerade bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich welche brauche?“ Sollte auch nur eine Frage mit „Nein“ beantwortet werden, sollten die Kinder sich aus der Situation befreien.


3. Szene: Sexuelle Übergriffe in der eigenen Familie oder im näheren Umfeld - und wie die Kinder damit umgehen sollten. Die von den Schauspielern verkörperten Jugendlichen wenden sich nun mit ihren Problemen an das Publikum, also die Kinder. Mittlerweile wissen die Grundschüler, was sie tun müssen und geben die benötigten Tipps: Natürlich muss unbedingt mit einer Vertrauensperson gesprochen werden, erklären die Schauspieler noch einmal. Aber was, wenn diese die Kinder und ihre Probleme nicht ernst nehmen? Auch dafür hat die Theater Pädagogische Werkstatt, die das Stück an den Schmallenberger Grundschulen aufführt, eine Lösung und rät, das Gespräch zu Lehrern zu suchen oder die „Nummer gegen Kummer“ zu wählen.

Gelerntes festigen und erklären

Laut der Schulleiterin der Grundschule Schmallenberg Petra Fontaine und Lehrerin Frau Kotthoff führen die Schauspieler der Theater Pädagogischen Werkstatt das Stück nun schon einige Jahre an den Grundschulen in Schmallenberg auf - und leisten somit Präventionsarbeit. „Das Projekt hat bis jetzt durchweg positive Spuren hinterlassen“, so die Schulleiterin. Es sei enorm wichtig, den Kindern zu zeigen, dass sie offen über solche Situationen sprechen müssen. Nach jeder Theaterstunde nehmen sich die Lehrer eine weitere Schulstunde Zeit und sprechen während einer Nachbearbeitungsstunde mit den Kindern, um das Gelernte zu festigen und offene Fragen zu klären.

>>>> INFO: Mehr als zwei Millionen Kinder aufgeklärt

Das Projekt wird seit einigen Jahren in Schmallenberg durchgeführt. Möglich gemacht wurde dies durch eine Finanzierung des Vereins „Menschen gegen Kindesmissbrauch“.

Die Theater Pädagogische Werkstatt in Osnabrück, die das Stück aufführt, wurde 1994 gegründet. Ihr erstes Programm „Mein Körper gehört mir!“ wurde mittlerweile an zahlreichen Grundschulen aufgeführt und klärte mehr als zwei Millionen Grundschulkinder auf. 2011 wurde das Stück mit der Comenius EduMedia-Medaille ausgezeichnet.

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