Wiedersehen

Missionare auf Zeit: Kulturschock bei Rückkehr in die Heimat

Haben Spaß miteinander: Die ehemaligen deutschen Missionarinnen auf Zeit  Lea und Luisa sowie die beiden mosambikanischen „Incomer“ Luisa und Esther.

Foto: SMMP/Ulrich Bock

Haben Spaß miteinander: Die ehemaligen deutschen Missionarinnen auf Zeit Lea und Luisa sowie die beiden mosambikanischen „Incomer“ Luisa und Esther. Foto: SMMP/Ulrich Bock

Bestwig.   74 ehemalige Missionare auf Zeit haben sich jetzt im Bergkloster Bestwig getroffen. Die Zeit im Ausland hat schon so manches Leben verändert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit 20 Jahren entsenden die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel Missionare auf Zeit. Von 1997 bis 2017 haben insgesamt 307 junge Erwachsene diese Möglichkeit eines Freiwilligen-Einsatzes im Ausland wahrgenommen. Jetzt waren sie zu einem großen Wiedersehen ins Bergkloster Bestwig eingeladen.

Freude über großen Zuspruch

„Der große Zuspruch hat uns sehr gefreut“, sagt Schwester Maria Dolores Bilo, die das MaZ-Team leitet, das die Missionarinnen und Missionare auf ihr Auslandsjahr vorbereitet, sie währenddessen begleitet und nach der Rückkehr Eindrücke zu verarbeiten hilft. „Denn man ist zweimal fremd. Zum ersten Mal, wenn man eine neue Kultur kennenlernt. Und das zweite Mal, wenn man zurückkommt. Das ist ein Kulturschock“, bestätigte Tobias Dingwerth zum Auftakt der beiden Tage beim Missionarischen Forum am Freitagabend. Er hat ein Jahr in Bolivien verbracht. Darüber hinaus bieten die Schwestern Einsätze an ihren Standorten in Brasilien, Mosambik und Rumänien an.

Leben in Bestwiger Familien

74 ehemalige Missionare auf Zeit waren ins Bergkloster gekommen. Darüber hinaus nahmen mehrere Senioren an dem Treffen teil, die ebenfalls für mehrere Monate im Ausland gearbeitet haben. Und neben weiteren Schwestern und Mitarbeitern des Klosters waren auch die vier Incomer dabei. „Denn seit diesem Jahr bieten wir Menschen aus dem globalen Süden an, ein Jahr bei uns in Deutschland zu verbringen, unsere Kultur kennenzulernen und Wissen von hier in ihre Heimatländer mitzunehmen“, erklärt Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow.

Dazu gehören die mosambikanischen Schwestern Luisa Mirandinha Agostinho und Ester da Conceicao Eduardo Mariquete sowie Márcia Silva, die im Bergkloster bzw. in Bestwiger Familien leben. Schwester Ester arbeitet im Pflegebereich der Schwestern mit, Schwester Luisa im Kindergarten Montekita und Márcia im Kindergarten Villa Kunterbunt. Márcia hat festgestellt: „Deutschland ist sehr aufgeräumt. Aber ich vermisse die Kinder. In Brasilien toben sie auf den Straßen. Hier sind die Straßen tot.“

Vorreiterrolle gelobt

Beim Missionarischen Forum lobte die Vorsitzende der katholischen Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe, Dr. Claudia Lücking-Michel, die Vorreiterrolle der Orden: „Nachdem ich vor fast 40 Jahren mein Abitur gemacht hatte, musste ich mir mein Auslandsjahr in Rom noch privat organisieren.“ Die Ordensgemeinschaften hätten damit begonnen, das in größerem Stil anzubieten. Wichtig sei dabei vor allem der interkulturelle Austausch, so Lücking-Michel, die auch stellv. Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist. Vielleicht sei dieser Freiwilligendienst sogar wichtiger als je zuvor: „Wer ein solches Auslandsjahr gemacht hat, weiß, was es bedeutet, sich in einer fremden Kultur und in einer anderen Sprache zurechtzufinden. Das führt dazu, dass wir Fremden aufgeschlossener begegnen.“

Im Ausland verliebt

Dass ein solches Jahr das weitere Leben prägt, bestätigten die Rückkehrer bei dem Erfahrungsaustausch im Bergkloster. Viele haben daraufhin ihren Berufswunsch geändert, interessierten sich zum Beispiel viel stärker für soziale Arbeit oder internationale Politik. Und manche haben sich auch im Ausland verliebt. „Es gab Schwestern aus Bolivien und Brasilien, die uns gebeten haben, das den MaZ zu verbieten. Und in der Tat ergeben sich dadurch Probleme“, weiß Birgit Bagaric, die viele MaZ-Jahrgänge mit Schwester Theresia Lehmeier auf den Auslandseinsatz vorbereitet hat. Andererseits gebe es eine Reihe von Partnerschaften und Ehen, die bis heute halten: „Und das ist ja ebenfalls ein Beitrag zur Völkerverständigung.“

Folgen Sie der WP Meschede auch auf Facebook

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik