Erste Hilfe

Mobile Retter: Auch Schmallenberg ist mit dabei

Die Mobile-Retter-App wird jetzt auch in Schmallenberg eingesetzt. Das System wurde in Meschede vorgestellt. 

Die Mobile-Retter-App wird jetzt auch in Schmallenberg eingesetzt. Das System wurde in Meschede vorgestellt. 

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Schmallenberg.  Für das neue System „Mobile Retter“ sind kreisweit bereits 270 Helfer alarmierbar, 35 kommen aus Schmallenberg. Aber das reicht noch nicht.

Bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen geht es oft um Sekunden, die über Leben und Tod oder dauernde Behinderung entscheiden. Je schneller fachgerechte Hilfe einsetzt, desto besser sind die Überlebenschancen. Das weiß Notarzt Dr. Hans-Georg Grobbel von der First-Responder-Gruppe Schmallenberg genau. Deswegen freut er sich, dass es nun „Mobile Retter“ im Hochsauerlandkreis gibt. Für das neue System sind kreisweit bereits 270 Helfer schon alarmierbar, 35 kommen aus Schmallenberg. Aber das reicht noch nicht, erklärt der Arzt im Interview.

Sie sind selbst in der First-Responder-Gruppe tätig - und jetzt „Mobiler Retter“. Wo ist der Unterschied?

Hans-Georg Grobbel: Die First-Responder bekommen in Notfällen auch eine Alarmierung. Diese waren bisher aber nicht standortspezifisch. Mit der neuen Smartphone adaptierten Alarmierung über das Mobile-Retter-System werden Retter von der Kreisleitstelle alarmiert, die sich in der Nähe des Einsatzortes befinden. Die Entfernungen sind kürzer, die Hilfe kommt schneller bei den Betroffenen an. Mobile Retter sind sozusagen die First Responder 2.0 (lacht). Aber wir werden trotzdem weiterhin eine eigenständige Gruppe bleiben. Viele unserer Mitglieder sind in beiden Funktionen aktiv. Im Bereich Erste-Hilfe hinken wir leider generell noch hinter anderen Ländern hinterher.

Warum ist das so?

Wir haben hier eine Laienreanimationsquote von zwischen 35 und 40 Prozent. Es ist in den letzten Jahren zwar schon besser geworden, das reicht aber noch nicht. Es geht schließlich darum, Leben zu retten. Wenn jeder Zweite in der Lage wäre, vernünftig Erste-Hilfe zu leisten, dann bräuchte man so ein System vielleicht gar nicht. In anderen Ländern liegt die Laienreanimationsquote bei bis zu 70 Prozent. Das zeigt, dass sich hier noch etwas tun muss. Auch deswegen sind die Mobilen Retter eine ganz tolle Sache, um die Rettungskräfte zu unterstützen - ein kleiner Technischer Aufwand, mit riesigem Effekt. Denn im Zweifel zählt jede Sekunde.

Kann denn jeder ein Mobiler Retter werden?

Nein. Vorerst zählt das System nur für zeitkritische Notfälle - also Herzstillstand und Bewusstlosigkeit. Künftig soll das noch erweitert werden. Mobile Retter müssen aber generell eine gewisse Qualifikation haben, um sich für das System zu melden. Das sind dann beispielsweise alle Personen, die qualifizierte Ersthelfer sind und auch beruflich viele Erste-Hilfe-Erfahrungen sammeln. Heißt: Polizei, Krankenschwestern, Ärzte, Feuerwehrleute, Krankenpfleger, Schwimmmeister usw. Das sind Berufsgruppen, die in der Notfallversorgung bisher zum Teil noch nicht berücksichtigt worden sind - im Ernstfall aber auch schnell helfen können.

Noch schnellere Hilfe: Was bedeutet das für die Betroffenen?

Die Überlebenschancen können durch die neuen Hilfskräfte von 10 Prozent auf über 50 Prozent verbessert werden. Es gibt Schätzungen, dass man durch dieses System bis zu 10.000 Personen pro Jahr mehr retten könnte. Denn wenn der Rettungsdienst eintrifft, hat schon jemand eingegriffen und somit das „therapiefreie Intervall“ deutlich verkürzt.

Aus Schmallenberg haben sich bisher 35 Personen gemeldet. Reicht das?

Natürlich soll das System noch weiter ausgebaut werden. In meinen Augen geht es aber vor allem auch darum, in der Bevölkerung Wissen aufzubauen und die Leute zu sensibilisieren und zu informieren. Durch gezielte Erste-Hilfe-Schulungen kann man Ängste nehmen, damit man im Notfall handeln kann. Die Erwachsenen- und die Kinderbildung in diesem Bereich muss noch viel besser werden. Es müsste also vermehrt an Schulen, in Vereinen etc. gelernt werden. Wir versuchen auch mit den First Respondern ein wenig Bewusstsein dafür zu schaffen. Für die aktiven Mitglieder der First Responder stand natürlich sofort fest, das wir uns für das System registrieren lassen.

Sie sind selbst auch Mobiler Retter - wie funktioniert die Alarmierung?

Ersthelfer, die in der Nähe sind (sie werden über GPS geortet), werden über das Handy alarmiert. Innerhalb von 20 Sekunden können sie den Auftrag annehmen oder ablehnen und während des Einsatzes einen Zwischenstatus abgeben. Beispielsweise: „Fahre los“, „Bin angekommen“ oder „Einsatz erledigt“. Nachdem Einsatz erfolgt dann die Rückmeldung, dass man wieder einsatzbereit ist.

Gab es schon Einsätze für Mobile Retter in Schmallenberg?

Wir hatten bisher (Start war der 1. Oktober) noch keinen MR-Einsatz in Schmallenberg. Der erste Einsatz im HSK war schon am 2. Oktober in Brilon-Wald bei einer Reanimation.

  • Seit Februar 2012 ist die First-Responder-Gruppe Schmallenberg nach einjähriger Ausbildungs- und Planungsphase einsatzbereit.
  • Die Gruppe setzt sich aus mehreren ehrenamtlichen Helfern zusammen. Darunter sind auch zwei Mitglieder, die hauptamtlich beim Rettungsdienst beschäftigt sind sowie ein ausgebildeter Notarzt.
  • Zur Ausrüstung der Gruppe zählen ein automatischer externer Defibrillator (AED), Sauerstoff, Absaugpumpe, Schienen und Verbandmaterial.

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