Neue Impulse

Nach der Entwidmung in Ruhe überlegen

Foto: Privat / WP Meschede

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Eslohe.Mit den Evangelischen Gotteshäusern in Wenholthausen und Reiste sind in diesem Jahr zwei Kirchen in der Gemeinde Eslohe entwidmet worden. Das Thema war nicht schön, aber auch nicht neu. Das hat der Kunsthistoriker Dr. Ulrich Althöfer, Fachmann vom Baureferat der Ev. Kirche von Westfalen, bei einem Vortrag in Eslohe deutlich gemacht.

Bereits in 70er-Jahren seien in der Evangelischen Kirche von Westfalen zwei Gotteshäuser außer Dienst gestellt worden, die erst nach 1938 gebaut worden waren. Exemplarisch könne man die Kirchenbaugeschichte des 20. Jahrhunderts Schritt für Schritt an der Kirchengemeinde Dorlar nachvollziehen, bescheinigte Althöfer. Kurz stellte der Experte in seinem Vortrag alle Gebäude der Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe vor (siehe Hintergrund).

Schlüssig und anschaulich zeigte Dr. Ulrich Althöfer an den Esloher Beispielen, wie der Kirchenbau im 20. Jahrhundert über die Jahrzehnte hinweg selbstbewusster und moderner wurde, wie die Stufen zum Altar- oder Chorraum verschwanden, um sich in der Kirche auf Augenhöhe zu begegnen, wie die typische Bus-Sitzplatz-Ordnung aufgefächert wurde und wie es plötzlich keine Fenster mehr hinter dem Altar oder Abendmahlstisch gab, um die Zuhörer nicht abzulenken - dieser Ort wurde stattdessen künstlerisch gestaltet. Nachdem schon in den 50er-Jahren sehr bewusst solche Akzente gesetzt worden seien, habe man ab den 60er-Jahren die neuen Kirchen künstlerisch genau durchgestaltet.

Erstaunen

Zwei Namen spielten an dieser Stelle des Referats eine wichtige Rolle: Wolfgang Kreutter und Helmut Ammann. Der erste war ein bekannter Bildhauer aus Wittgenstein, der zweite arbeitete eigentlich vornehmlich in Bayern und Franken. Entsprechend erstaunt war Ulrich Althöfer, als er bei der Inventarisierung der Wenholthauser Kirche in diesem Jahr ein kreisrundes modernes, künstlerisch hochwertig gestaltetes Fenster von Ammann vorfand (wir berichteten).

Die Dorlarer Kirchengemeinde, die jetzt übergangsweise in der Esloher zwei weitere Altäre mit den liturgischen Gegenständen aus Reiste und Wenholthausen aufgebaut hatte, will sich überlegen, wie die beiden aufgegebenen Kirchen auch künftig in der Gemeinde vorkommen können. Für Dorlar keine neuen Gedanken: So finden sich im Esloher Kirchturm Glasfenster aus Kirchrarbach und auf dem Altar der Kirche liegt eine Bibel, ebenfalls aus Kirchrarbach. Ulrich Althöfer hatte Fotos von guten und schlechten Beispielen aus diversen Kirchen in ganz Westfalen, wie Gemeinden mit ihren Umbrüchen umgegangen waren. Gemeindepfarrer Jürgen Rademacher dankte Althöfer am Ende nicht nur für seinen Vortrag, sondern auch für die Impulse für die konkrete Situation der Gemeinde.

Ausbau

Das künstlerisch wertvolle Glasfenster in Wenholthausen werde ausgebaut, so der Pfarrer. Was weiter passiere, darüber müsse man nachdenken. Dafür ermutigte Althöfer: Man möge gut überlegen und man möge in Ruhe überlegen.

Die Gebäude der Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe:

Die kleine 1939 eingeweihte und in den 70er-Jahren außer Dienst gestellte Johannis-Kapelle in Eslohe, die inzwischen als Friedhofskapelle genutzt wird.

Die von 1949 bis 1951 in Dorlar entstandene St.-Petri-Kirche in Dorlar war im Privatbesitz ihres Pfarrers Friedel Birker, nach seinem Tod ging sie in den Besitz des Martinswerks über, das ebenfalls von ihm begründet worden war.

1952 wurde die kleine Kirche in Kirchrarbach in Dienst gestellt, ein kleines Mehrzweckgebäude, das wie viele andere Diasporakirchen in Westfalen in einem speziellen Programm für Münster-, Sauer- und Paderborner Land nach einem ganz ähnlichen Bauplan entstanden war und bereits im Jahr 1972 verkauft wurde.

1953 wurde die St.-Matthäi-Kirche in Wenholthausen gebaut, ebenfalls eine kleine Diasporakirche, allerdings ein Geschenk an die Gemeinde von einem Presbyter, dem Fabrikanten Fritz Honsel.

1969 folgte die St.-Christopheri-Kirche in Reiste und 1973 die St.-Johannis-Kirche in Eslohe, die die kleine örtliche Kapelle ablöste.

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