Schicksal

Nach Schlaganfall kämpft sich Jeremy zurück ins Leben

Jeremy aus Gleidorf wünscht er sich einen eigenen Hund. Hier ist er mit Lächelwerk-Hund „Paul“ zu sehen.   

Jeremy aus Gleidorf wünscht er sich einen eigenen Hund. Hier ist er mit Lächelwerk-Hund „Paul“ zu sehen.   

Foto: Laura Handke

Gleidorf.   Jeremy hat mit 14 einen Schlaganfall und bekommt Epilepsie. Sein Herzenswunsch ist ein eigener Hund. Doch die Familie ist auf Spenden angewiesen.

22. August 2016. Mit einem Schlag ist alles in Jeremys Leben anders. Der damals 14-Jährige kommt gerade aus dem Schwimmbad. „Dann hat mein Arm gezuckt und gekribbelt, als ob er eingeschlafen wäre“, erinnert sich der 17-Jährige. Wenig später liegt Jeremy schreiend und gekrümmt auf dem Boden im Wohnzimmer. Die Eltern sind einkaufen, sein Bruder findet ihn. Ein Rettungshubschrauber bringt den Jungen in ein Bochumer Krankenhaus.

Erste Notoperation

Als seine Mutter Stephanie dort eintrifft, ist Jeremy bereits in Narkose und wird auf eine Not-Operation vorbereitet. Diagnose: Schlaganfall. Bei der Operation büßt der Junge ein Drittel seines Gehirns ein. Nach einer Woche im Krankenhaus bekommt er Hirnblutungen, wird wieder operiert, ein Teil der Schädeldecke muss entfernt werden.

„Die Ärzte haben ihm schlechte Chancen eingeräumt und gesagt, er bleibt für immer ein Pflegefall“, erinnert sich die Mutter mit Tränen in den Augen. Jeremy ist nach der OP linksseitig gelähmt, laut Aussage der Ärzte sollte er nie wieder laufen können. Der Kampf um ein normales Leben beginnt - und er dauert bis heute.

Erbeute OP am Schädel

Vier Monate nach dem Schlaganfall darf Jeremy das erste Mal wieder nach Hause. Mit Hilfe von Gehhilfen kann der Junge wieder gehen. „Es war wie ein Wunder für uns“, erinnert sich seine Mutter. Er kämpfte sich jeden Tag ein Stück weiter zurück in sein Leben.

Dann ein Schock: Jeremys Körper stößt die wieder eingesetzte Schädelplatte ab, der damals 14-Jährige muss wieder am Kopf geöffnet werden, eine Titanplatte wird eingesetzt. „Das war richtig schlimm“, sagt er. „Die Tackernadeln taten so weh.“ Zurück bleibt eine lange, große Narbe an seinem Hinterkopf.

Zurück in der Schule

Ein paar Monate später: Jeremy kann wieder laufen, sprechen und selbstständig essen, auf der linken Körperseite ist er immer noch teilweise eingeschränkt. Aber im Januar 2017 geht der 14-Jährige das erste Mal wieder in die Schule. „In vielen Fächern konnte ich schnell wieder Anschluss fassen“, sagt Jeremy rückblickend. Im August 2017 hat der Schüler dann einen Krampfanfall. „Ich weiß nicht mehr was passiert ist, nur, dass ich in Siegen im Krankenhaus aufgewacht bin“, sagt er. Die Ärzte finden nichts. Weitere Krampfanfälle folgen, der letzte einen Tag vor seinem Geburtstag am 13. Februar 2019.

Diagnose Epilepsie

Dann folgt die zweite Schockdiagnose für die Familie: Jeremy hat Epilepsie. „Ich wache dann einfach auf, und kann mich an nichts erinnern und alles tut weh“, sagt der 17-Jährige. Auch nach den epileptischen Anfällen kämpft sich der Junge ins Leben zurück. Mittlerweile geht er in die zehnte Klasse der Hauptschule. „Ich habe auch viele Freunde, die mich beschützen“, erklärt Jeremy. Ein jüngerer Schüler habe ihn mal „Krüppel“ genannt. „Aber meine Freunde haben sich eingemischt und mich verteidigt. Sie sind die Besten“, sagt er mit einem Lächeln.

Angst als ständiger Begleiter

Eins kann aber niemand Jeremy nehmen: Die Angst, sein ständiger Begleiter. „Vor allem wenn ich alleine bin“, sagt er. Der 17-Jährige hat Angst, dass ihm wieder etwas passiert, er wieder Krampfanfälle bekommt. Jeden Tag zwischen 17 und 18 Uhr fängt er an, immer wieder verstohlen auf die Uhr zu schielen. Er wird nervös, will seine Tabletten nehmen. Fünf Stück nimmt der Jugendliche am Tag. Manchmal vergisst er, ob er sie genommen hat. Aber seine Mutter Stephanie passt auf. „Wir kriegen das zusammen hin“, sagt sie zuversichtlich. Auch sie lebt nach den Diagnosen mit Einschränkungen, hat ihren Job aufgegeben. Jeremys Angst davor, allein zu sein, bestimmt auch ihr Leben.

Der Herzenswunsch

Jeremy befindet sich aktuell in psychologischer Beratung bei Personal-Coach Alex Martinez vom Lächelwerk, da er noch auf psychologische Unterstützung wartet. Jetzt will sich der Junge einen Herzenswunsch erfüllen: Einen Hund, „ein Labradorwelpe, die liebe ich“, sagt Jeremy und lacht. Die Familie hofft, dass der dem 17-Jährigen auch im Alltag hilft. Hilft, mit seinen Ängsten umzugehen.

Unterstützung durchs Lächelwerk

Aber die Anschaffung des Tieres ist teuer. Unterstützung bekommt die Familie deshalb vom Krebs- und Sozialprojekt „Lächelwerk“ aus Bad Fredeburg. Alex Göbel und Manja Schulz haben bereits einen passenden Rüden als Assistenten für Jeremy gefunden. Bis dahin muss das Grundstück noch eingezäunt werden, und es fallen zahlreiche Gartenarbeiten an.

Außerdem soll Jeremys Zimmer umgebaut werden. Vor dem Haus der Familie sollen Parkflächen entstehen. „Und hoffentlich kann bald dann auch Jeremys neuer Begleiter einziehen“, sagen sie. Möglich wird die Umsetzung nur, wenn genug Spenden zusammenkommen. Jeremy ist sich sicher: „Wenn das mit dem Hund klappt, wird das der tollste Tag seit langem. Ich liebe Hunde.“

>>>HINTERGRUND

Wie das Krebs- und Sozialprojekt „Lächelwerk“ aus Bad Fredeburg Jeremy und seine Familie unterstützen will:

Der rund 1000 Quadratmeter große Garten der Familie soll umgebaut werden. Unter anderem soll ein Parkplatz vor dem Haus entstehen.

Bereits 15 freiwillige Helfer haben sich gemeldet und das Sozialwerk St. Georg unterstützt die Arbeiten. Die Kosten trägt komplett das Lächelwerk.

Im Rahmen der Arbeiten müssen 20 Kubikmeter Bodenaushub entsorgt werden, der Verein benötigt dafür noch einen großen Container - mit Be- und Entladung, 20 Kubik Schotter und einen kleinen Bagger. „Wir hoffen auf Unterstützung“, sagt Alex Göbel.

Auch Jeremys Zimmer soll noch umgestaltet werden.

Wer spenden will, um den Verein bei den Arbeiten zu unterstützen kann dies über das Spendenkonto: Lächelwerk e.V., VOLKSBANK Bigge – Lenne, DE39460628174749316400, Betreff: „Jeremy“.

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