Pflege

Nach Schlaganfall: Pflegekosten treiben Ehepaar in den Ruin

Albert Heinemann wohnt seit einem Schlaganfall in der Senioreneinrichtung "Blickpunkt" in Meschede. Immer griffbereit liegen Erinnerungsfotos an seine Zeit als Unternehmer.

Albert Heinemann wohnt seit einem Schlaganfall in der Senioreneinrichtung "Blickpunkt" in Meschede. Immer griffbereit liegen Erinnerungsfotos an seine Zeit als Unternehmer.

Foto: Christina Schröer

Meschede/Reiste.  Albert Heinemann und seine Frau wurden durch Schlaganfälle aus dem Leben gerissen. Nun droht das Vermögen komplett für die Pflege draufzugehen.

Wenn Albert Heinemann sich die Fotos von seinem Fuhrparkunternehmen anschaut, kann man Begeisterung und Wehmut gleichermaßen aus seinem Gesicht ablesen. Bis vor zweieinhalb Jahren haben er und seine Frau Angelika sehr viel gearbeitet, selten Urlaub gemacht und sich ein kleines Vermögen angespart. Bis sie innerhalb von drei Wochen beide einen Schlaganfall erlitten und von jetzt auf gleich arbeitsunfähig wurden. Für ihre Pflege müssen sie größtenteils selbst aufkommen.

Inzwischen kann man Albert Heinemann wieder recht gut verstehen, wenn er spricht. „Vor einem halben Jahr hätten wir uns so noch nicht unterhalten können“, berichtet der 62-Jährige, der seit seinem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen ist und das Sprechen neu erlernen musste. Genau wie seine Frau, die jedoch noch stärker eingeschränkt ist.

Die Heinemanns sind als 100 Prozent schwerbehindert eingestuft und haben verschwindend geringe Chancen darauf, ihrem Job als selbstständige Unternehmer und Busfahrer je wieder nachgehen zu können. Firma und Fuhrpark, bestehend als Lkw sowie Bussen, wurden längst veräußert, eine Rückkehr in das alte Leben ist somit aus vielerlei in Hinsicht nicht mehr möglich.

Dabei würde Albert Heinemann nichts lieber tun, als wieder für sich selbst zu sorgen und unabhängig zu sein. Stattdessen sieht er machtlos zu, wie sein Vermögen nach und nach schrumpft. Fast 8000 Euro gehen jeden Monat für die Pflege der Heinemanns drauf, nur ein Drittel davon wird von der Pflegekasse getragen und auch die private Krankenversicherung zahlt nur die Behandlungskosten gemäß einer üblichen Krankenkosten-Vollversicherung. „Bislang haben wir schon etwa 250.000 Euro bezahlt“, weiß Albert Heinemann.

Vertrauen in den Versicherungsmakler

In die private Krankenversicherung hat er für sich und seine Frau Zeit ihrer gemeinsamen Selbstständigkeit eingezahlt. Dass er im nun eingetretenen Ernstfall nur einen Bruchteil der monatlichen Kosten erstattet bekommt, hat er nicht kommen sehen. „Wir hatten damals ein freundschaftliches Verhältnis zu unserem Versicherungsmakler. Als er gesagt hat, dass wir unser Leben lang abgesichert sind, habe ich das geglaubt“, erzählt Albert Heinemann. Inzwischen kämpft er seit Monaten mit der Hilfe eines Anwalts um mehr Zuschuss. Bislang aussichtslos.

Eine Weile wird er auch noch für die Kosten aufkommen können, doch spätestens mit Rentenbeginn im Jahr 2024 würde es eng werden. Dann stehen Albert Heinemann noch gute 400 Euro Rente zu. Denn für das Alter hatten er und seine Frau immer die üppige Lebensversicherung sowie das weitere Privatvermögen eingeplant. Dass die beiden nahezu gleichzeitig aus dem Leben gerissen werden, war nie denkbar. Wütend macht Albert Heinemann, dass der Staat für die Pflege von Menschen, die in ihrem Leben nie gearbeitet und nichts gespart haben, vollumfänglich aufkommt, er jedoch sein gesamtes, hart erarbeitetes Geld verlieren wird.

5000 Euro bleiben verschont

„Es gibt einen sogenannten Vermögensschonbetrag von 5000 Euro pro Person, bei Ehepartnern sind es 10.000 Euro“, erklärt Hartmut Humpert, zuständig für Pflege- und Wohnberatung im Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises, „alles darüber hinaus, sowohl Eigentum als auch eine Lebensversicherung, müssen eingesetzt werden. Wenn ich gutes Geld habe, muss ich es in Deutschland in die Pflege investieren.“ Sollte sich für die Heinemanns keine andere Lösung mehr ergeben, werden sie in wenigen Jahren ihr Vermögen und den Wert ihres Eigenheims voll und ganz für die Pflege aufgebraucht haben. Dann bleibt nur noch der Gang zum Sozialamt, der für den ehemals erfolgreichen Unternehmer noch unvorstellbar ist.

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