Gericht

Prozess nach Verwüstung am Mescheder Hegering

Das Mobiliar wurde zum Teil zerschlagen und mit dem Schaum des Feuerlöschers besprüht.

Das Mobiliar wurde zum Teil zerschlagen und mit dem Schaum des Feuerlöschers besprüht.

Foto: Sabine Kramer

Meschede.   Nach dem Einbruch im Hegering hinterließen die Täter ein Bild der Verwüstung. Jetzt stand ein Angeklagter vor Gericht.

Im Jahr 2016, in der Nacht auf den 1. Mai, wüteten mindestens zwei Täter im Vereinsheim des Hegerings Meschede. Als sie den Tatort verließen, blieben 38.000 Euro Schaden zurück. Jetzt stand ein 34-jähriger Arnsberger vor dem Mescheder Amtsgericht.

Die Tat

Die Täter kamen wahrscheinlich in der Nacht zum Hegering, denn am Vorabend hatte die Hausmeisterin noch das Vereinsheim kontrolliert, erläuterte Hegeringleiter Bernd Bertelsmeyer vor Gericht.

Am nächsten Tag bot sich ihm dann dort ein Bild der Verwüstung: Zaunlatten waren abgerissen und zerschlagen worden. Die Tür zur Toilettenanlage mit brachialer Gewalt eingetreten. Am Haus selbst hatten die Täter den Bewegungsmelder abgeschlagen und sich dann an der Eingangstür zu schaffen gemacht. Dort scheiterten ihre Aufbruchversuche, wie auch der zuständige Polizist, der am Tatort die Spuren gesichert hatte, erläuterte.

Die Spuren

Zurück blieb dort eine Bierflasche, die DNA-Spuren des jetzt Angeklagten aufwies. Insgesamt habe sich ihm „ein Bild des Grauens in der ansonsten so gepflegten Anlage“ gezeigt, sagte der Polizist. „Die ganze Zerstörung „erschien völlig sinnlos.“

Die Täter machten sich offenbar, nachdem sie an der Eingangstür gescheitert waren, weiter daran, ins Haus zu gelangen. Dafür wählten sie so der Polizist offenbar den Weg über die Schießanlage. Von dort schlugen sie eine Stahltür mit einem Vorschlaghammer ein, um ins Innere zu gelangen - „wie im Wahn“.

Im Vereinsheim zerschlugen sie dann Einbauschränke und Mobiliar, nahmen einen Zinnteller und Fahnen mit, die sich später im Gebüsch fanden, und besprühten die ausgestellten Tierpräparate mit Leuchtfarbe. Offensichtlich um Spuren zu verwischen, öffneten sie auch den Feuerlöscher und legten das ganze Vereinsheim unter feinen Staub.
Darin fanden sich dann zwar bei der Spurensicherung zwei unterschiedliche Schuhabdrücke, die aber keinem Täter zuzuordnen waren.

Erst später beim Aufräumen merkten die Verantwortlichen, dass auch eine Mikrofonanlage und einige kleinere präparierte Vögel verschwunden waren. Im Rahmen der Ermittlungen hatte Bernd Bertelsmeyer 5000 Euro Belohnung ausgelobt. „Doch darauf haben wir keine Resonanz erhalten“, sagte er vor Gericht.

Der Prozess

Wer vor Gericht nicht redete, war der Angeklagte. Er machte von seinem Recht zu schweigen Gebrauch. Die DNA-Spur an der Bierflasche hatte zu ihm geführt, weil von ihm aus dem Jahr 2008 bereits eine DNA-Probe vorlag. Und auch sein Bundeszentralregister-Auszug zeigte, dass er bereits einschlägig vorbestraft ist.

Doch da er schwieg, nur berichtete, dass er heute verheiratet sei und einen festen Job habe, hätte eine Verurteilung allein aufgrund der DNA-Spur erfolgen müssen. Denn auch bei einer Durchsuchung seiner Wohnung - zwei Monate nach der Tat - fanden sich keine weiteren Hinweise. So war es folgerichtig, dass Pflichtverteidiger Otto Entrup auf Freispruch plädierte. „Meinem Mandanten ist hier nichts zweifelsfrei nachzuweisen.“ Auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nannte ihre Bedenken, sagte aber: „Dass er überhaupt nicht beteiligt war, halte ich für ausgeschlossen.“

Das Urteil

Richter Dr. Sebastian Siepe sprach den Arnsberger schließlich frei. „Es besteht keinerlei Zweifel, dass Sie in der Nacht dabei waren, aber wir können nicht feststellen, wie Sie sich beteiligt haben.“ Auch wenn er - bei „lebensnaher Betrachtung“- davon ausgehe, „dass wir den Richtigen hier sitzen haben. Wir können es nicht zweifelsfrei nachweisen.“

>>>HINTERGRUND

Die Schäden am Vereinsheim wurden bereits von der Versicherung beglichen. Erst wenige Wochen vor der Tat hatte diese die Räumlichkeiten in Augenschein genommen und die korrekte Sicherung bestätigt.

Insgesamt dauerte es rund ein halbes Jahr, so sagte Hegeringleiter Bernd Bertelsmeyer, bis die Räume wiederhergestellt waren.

Verloren bleibt bis heute ein alter Forsthut mit hohem Erinnerungswert

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