Politik

Parteien im Hochsauerlandkreis verlieren Mitglieder

Foto: imago stock&people

Meschede.   Ältere sterben, zu wenig Junge rücken nach: Die Parteien im Hochsauerlandkreis verlieren deutlich an Mitgliedern. Bei der CDU jedes dritte, bei der SPD sogar jedes zweite.

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Bundesweit verlieren die großen Parteien schon seit Jahren massiv Mitglieder. Auch die Bewohner im Hochsauerlandkreis wenden sich zunehmend von CDU und SPD ab. Die Gründe für die Entwicklung sind vielschichtig. Ein Kernproblem: Ältere Mitglieder sterben - und es rücken zu wenig junge Leute nach. Beinahe jedes dritte Mitglied hat die CDU rein rechnerisch seit dem Jahr 2000 im Hochsauerlandkreis verloren, die SPD sogar nahezu jedes zweite.

„Es gibt einen veränderten Zugang zur Politik: Die Leute sind heute weniger bereit, sich dauerhaft zu binden“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende Matthias Kerkhoff. Diese Entwicklung sei eine Herausforderung für alle Parteien. Die Zersplitterung der Gesellschaft in viele Einzelinteressen betreffe aber besonders die großen Volksparteien. „Die Individualisierung nimmt zu, während die Bereitschaft abnimmt, sich im Großen und Ganzen einzubringen.“

Lebenserfahrung einbringen

Kerkhoff bedauert die Entwicklung. Er wünscht sich, „dass sich breite Bevölkerungsschichten in den Parteien engagieren und dort ihre Lebenserfahrung einbringen.“ Der CDU-Kreisvorsitzende zieht Parallelen zu den heimischen Vereinen - auch dort sinkt tendenziell die Zahl der Mitglieder. „Der Austritt aus der CDU“, berichtet Kerkhoff, „erfolgt meistens erst mit dem Tod.“ Zugleich, bekennt er, rückten zu wenige neue Mitglieder nach. Dafür sorgen soll bei den Christdemokraten eigentlich die Junge Union, die Jugendorganisation der Partei. Doch auch hier gibt es teilweise Probleme. In einer Kreisstadt wie Meschede beispielsweise gibt es nicht einmal mehr einen Ortsverband. Auf einem Dorf wie Remblinghausen funktioniert es dagegen mit einer eigenen JU. „Es läuft unterschiedlich und es gibt auch sehr erfreuliche Entwicklungen“, sagt Kerkhoff. „Probleme ergeben sich meistens dann, wenn eine ganze Generation zur Ausbildung oder zum Studium weggeht.“

„Mehr Rot im Sauerland“ - das ist ein Werbe-Slogan, den Dirk Wiese mitgebracht hat, seit er für die SPD kandidiert. Bezogen auf die Wähler-Stimmen hat er den ein oder anderen farblichen Tupfer setzen können. Bei den Mitgliederzahlen geht es dagegen abwärts bei den Sozialdemokraten im Hochsauerlandkreis. Den tiefsten Einschnitt erlebte die Partei, als sie mit Bundeskanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010 samt Hartz IV beschloss: Etliche Sozialdemokraten verließen in der Folge die Partei, einige wechselten zur heutigen Linkspartei. „Es waren keine einfachen Entscheidungen, und bei einigen hat es das Fass zum Überlaufen gebracht - und doch war nicht alles falsch“, sagt Wiese.

Ein weiterer Effekt: Zu Zeiten von Bundeskanzler Brandt („Willy wählen“) erlebte die Sozialdemokratie einen deutlichen Aufschwung. Zunehmend schrumpft dieser Bestand an Mitgliedern durch Tod - „und diese Zahlen sind schwer aufzufangen“, wie der Unterbezirksvorsitzende und Bundestagsabgeordnete bekennt. Er ist dennoch nicht pessimistisch: „Ich erkenne eine hohe Akzeptanz für unsere Partei vor Ort“, meint Wiese: „In Meschede hat es beinahe zur Wahl des Bürgermeisters gereicht, und in Sundern hat es geklappt.“

Die SPD im Hochsauerlandkreis verzeichnet nach seinen Angaben momentan viele Neueintritte, auch von jungen Leuten. Gleichwohl gilt auch hier: Die Jusos, die Jugendorganisation der Sozialdemokraten, existiert noch auf HSK-Ebene - auf Stadtebene längst nicht mehr.

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