Religion

Pater Erasmus ermuntert zum Besuch der Christmette

2014  feierte die Gruppe New Ground mit Pater Erasmus eine Christmette im Stall in Remblinghausen.

2014 feierte die Gruppe New Ground mit Pater Erasmus eine Christmette im Stall in Remblinghausen.

Foto: Dirk Lankowski

Pater Erasmus Kulke von der Abtei Königsmünster hat nichts gegen die sogenannten „ U-Boot-Christen“, die nur Heiligabend in den Kirchen auftauchen. Im Gegenteil: „Manch einer spürt eine Sehnsucht, die er sonst verdrängt.“

Heute steht sie bevor, die Heilige Nacht. Im pastoralen Raum Meschede und Bestwig wird seit Wochen organisiert, in welchen Kirchen, wann die Christmetten stattfinden. Die Gottesdienstordnung stellt viele Gläubige vor die Frage: Welchen Gottesdienst besuchen wir? Oft geht es vor allem darum, dass die Uhrzeit nicht mit dem Weihnachtsbraten im Ofen oder der Bescherung kollidiert. Doch für Pater Erasmus Kulke von der Abtei Königsmünster steckt einiges mehr dahinter. Gleich die erste Frage lässt ihn stutzen. Er beantwortet sie mit einem Vergleich.

Warum sollte man an Heiligabend überhaupt einen Gottesdienst besuchen?

Beim Glauben ist es wie in einer Partnerschaft. Der Glaube ist ja die persönliche Beziehung des Einzelnen zu Gott, zu Jesus Christus. Jede Beziehung lebt davon, dass man sie pflegt, miteinander Zeit verbringt, redet oder auch gemeinsam Geburtstag feiert, und das geschieht bei Jesus eben an Weihnachten. Einen Gottesdienst an Heiligabend zu feiern, ist für einen Gläubigen also ein inneres Bedürfnis, Ausdruck seiner Gottesbeziehung. Und bei einer Partnerschaft, also wenn zwei Menschen sich lieben, fragen sie auch nicht, muss oder soll ich meinen Partner küssen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, wenn sich Menschen gegen den Besuch der Christmette entscheiden?

Vielleicht haben sie noch nicht erkannt, dass der Glaube vor allem eine Beziehung ist und die Liebe Gottes noch nicht erfahren. Oder sie haben viele negative, langweilige Erfahrungen mit Gottesdiensten gemacht, wo der Bezug zum eigenen Leben fehlte. Solche Gottesdienste kenne ich auch.

Sollten denn diejenigen, die sich gegen einen Gottesdienst entscheiden, ein schlechtes Gewissen haben?

Es macht wenig Sinn, einen Gottesdienst zu besuchen, nur weil es von einem erwartet wird. Da bringt auch ein schlechtes Gewissen nichts. Wichtig ist eine innere Offenheit für Gott und seine Liebe zu mir. Wenn ich die spüre, folgt quasi automatisch meine Antwort auf diese Liebe, und ich versuche ihr Ausdruck zu verleihen.

Wie denken Sie darüber, dass viele Christen nur einmal jährlich an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen?

Unterschiedlich. Manche möchten vielleicht „nur“ den festlichen Rahmen für ihr Familienfest. Die Botschaft des Weihnachtsfestes, das „Eigentliche“, rückt in den Hintergrund. Aber es gibt auch diejenigen, die - auch wenn sie sonst nicht in die Kirche gehen - gerade an Weihnachten eine Sehnsucht in sich spüren, die sie sonst vielleicht verdrängen, und die dann durch einen Weihnachtsgottesdienst zutiefst bewegt sind. Gerade diese Menschen möchte ich ermutigen, Weihnachten in die Kirche zu kommen, auch wenn manche meinen, das sei inkonsequent oder ‘nicht richtig’.

Wie stehen Sie dazu, wenn Eltern ihre Kinder an Stelle einer kurzen Krippenfeier zu einer langen Christmette zwingen, obwohl sie dafür noch nicht aufnahmebereit sind?

Da muss man auf die individuelle Entwicklung der Kinder schauen und den Gottesdienst dem menschlichen Entwicklungsstand anpassen. Auch der Glaube muss sich weiterentwickeln, sonst wird er uns als Erwachsene nicht tragen. Dem müssen auch die Ausdrucksformen des Glaubens, wie zum Beispiel der Gottesdienst, entsprechen.

Sehen Sie alternative Orte, an denen wir die Weihnachtsbotschaft empfangen können statt in der Kirche?

Auf jeden Fall! Nehmen Sie dazu das Beispiel der Christmette im Stall Heiligabend 2014. Die Weihnachtsbotschaft besagt ja, dass Gott Mensch wird, also mir in konkreten Menschen begegnet, besonders in den armen und ausgegrenzten, die kein Heim, keine Herberge haben. Von daher liegt es gerade jetzt nahe, Gott in den Flüchtlingen zu suchen, ihnen in ihrer Not zu helfen und sie eben nicht abzuweisen.

Was ist für Sie persönlich das Wichtigste an einer Christmette?

Es ist dieses große Geheimnis der Liebe Gottes, das dort sichtbar wird: Gott wird in Jesus einer von uns, er begibt sich mit uns auf Augenhöhe und teilt unser menschliches Schicksal, mit allen Höhen und Tiefen. Unser Gott weiß also, was es heißt, Mensch zu sein. Er ist uns ganz nah und fühlt mit uns mit. In der Christmette sind natürlich auch das Weihnachtsevangelium und die gesungenen Lieder für mich sehr wichtig. Denn durch sie kann dieses Geheimnis besser unsere Herzen erreichen als durch die Sprache allein.

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