Artenschutzprojekt

Landwirte protestieren gegen Wisente auf der Almert

Unter dem Schnee auf der Almert suchen die Wisente Futter. Seit einigen Wochen sind sie regelmäßig hier zu finden und ziehen viele Schaulustige an. Die Landwirte ärgern sich über die aktuelle Situation.  

Unter dem Schnee auf der Almert suchen die Wisente Futter. Seit einigen Wochen sind sie regelmäßig hier zu finden und ziehen viele Schaulustige an. Die Landwirte ärgern sich über die aktuelle Situation.  

Foto: Katharina Rickert

Almert.   Die Sauerländer Landwirte fordern den Trägerverein auf, die Herde auf Wittgensteiner Seite zu halten – notfalls mit drastischen Maßnahmen.

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Die Landwirte im Hochsauerlandkreis stellen sich hinter ihre Kollegen auf der Almert – sie wollen die frei lebenden Wisente auf ihren Flächen nicht mehr sehen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben sie ihrem Frust über die Tiere Luft gemacht. „Es wird jeden Tag schlimmer“, sagt Kreislandwirt Josef Schreiber. „Was hier in den letzten Tagen passiert ist, kann und werde ich nicht mehr gutheißen.“

In den vergangenen Wochen hatten sich die Tiere regelmäßig auf der Almert aufgehalten und nicht nur viele Schaulustige angezogen, sondern auch Schäden angerichtet. In der Dunkelheit war es zu einem Autounfall gekommen, bei dem zum Glück weder Mensch noch Tier verletzt worden waren.

Landwirt bangt um Wintervorrat

Zudem bedienen sich die Tiere am Silo von Landwirt Hermann-Josef Vollmers. „Ich habe mehr als 60 Tiere und dort lagert der gesamte Futtervorrat für den Winter“, sagt er. Das Problem: Die Folie über dem Futter haben die Wisente bereits beschädigt, so kann Feuchtigkeit eindringen und es bildet sich Schimmel – Vollmers fürchtet nun den Verlust seines gesamten Wintervorrats. Nach einem Gespräch mit dem Trägerverein vor Ort hat dieser nun zugesichert, einen Elektrozaun rund um das Silo zu errichten. Das werten Vollmers und sein Anwalt als positive Geste,.

Er ist auch einer der Landwirte, die seit Langem wegen der Schälschäden an Bäumen klagen. Aktuell ruht das ihn betreffende Verfahren allerdings, es soll erst die im kommende Jahr ausstehende Entscheidung des Bundesgerichtshofs abgewartet werden.

„Wir haben insgesamt schon Schäden im Hochsauerlandkreis, die weit über 100 000 Euro liegen“, sagt Kreislandwirt Schreiber. „Das können und werden wir uns nicht weiter gefallen lassen.“

Deshalb appelliert er sowohl an den Trägerverein als auch an das nordrhein-westfälische Umweltministerium dafür zu sorgen, dass sich die Herde nur im Projektgebiet auf der Wittgensteiner Seite des Rothaarsteigs aufhält.

Einen großen Zaun entlang des Rothaarkamms vom Albrechtsplatz bis zum Rhein-Weser-Turm halten auch die Landwirte für unrealistisch. Deshalb fordern sie zur Not auch, dass die Herde wieder eingefangen und in einem Gehege gehalten wird – so wie die Artgenossen in der Wisent-Wildnis Wittgenstein.

Trägerverein bringt Warnhinweise an

Eine Attraktion sind sie derzeit nicht nur dort, sie ziehen auch zahlreiche Schaulustige auf die Almert. An einigen Tagen seien es mehrere hundert Besucher gewesen, berichten die Anwohner. „Die Leute laufen kreuz und quer, gefährden den Verkehr und behindern uns in unserer Arbeit, weil sie die Wege versperren“, sagt Landwirt Heinz-Josef Droste.

Der Trägerverein aus Wittgenstein hat mittlerweile Schilder auf der Almert angebracht, die darauf hinweisen, dass Besucher einen Abstand von mindestens 50 Metern zu den Tieren wahren und sich an die allgemeinen Verhaltensregeln im Wald halten sollen. Den Landwirten reicht das nicht, im Gegenteil, sie fühlen sich dadurch weiter auf ihren Privatgrundstücken eingeschränkt. „Ich muss mich auf meinem Grundstück verhalten, wie die es wollen? Das kann ja wohl nicht sein!“, ärgert sich Droste.

Frage der Haftung bei Unfallschäden

Die Anlieger hoffen außerdem, dass es zu keinen weiteren Verkehrsunfällen kommt, bei denen jemand verletzt wird. Zuletzt war es bei einem Blechschaden geblieben als eines der Tiere abends gegen den Pkw eines Schmallenbergers gelaufen war.

Der hatte die Frage aufgeworfen, ob entsprechende Schäden überhaupt versichert seien – denn frei lebende Wisente gibt es in der Region ja ansonsten nicht.

Frank Limper, Geschäftsstellenleiter der Provinzial in Bad Berleburg schüttelt den Kopf über die Versicherungsfrage: „Der Zusammenstoß mit einem Wisent ist über die Teilkasko oder die Vollkasko als Wildunfall abgesichert.“

Die Definition von Haarwild seien „alte Bedingungen“, sagt Limper. „Auch die Herrenlosigkeit ist für uns nicht entscheidend.“ Die heutige Versicherung umfasse den Zusammenstoß mit Wirbeltieren.

>> SORGE VOR SEUCHEN

  • Eine weitere Sorge treibt die Landwirte im Hochsauerlandkreis um: Sie fragen sich, ob die Wisente über ihre Ausscheidungen Krankheiten verbreiten oder gar Seuchen auslösen könnten.
  • Eine Seuche bedeute laut Kreislandwirtschaftsverband eine Gefahr, deren finanzielle Folgen gar nicht abschätzbar sei.
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