KRIMINALITÄT

Polizei geht im HSK mit Sondereinheit gegen Einbrecher vor

Ein Einbrecher dringt in eine Wohnung ein: Die Täter kommen tagsüber wie nachts.

Foto: imago

Ein Einbrecher dringt in eine Wohnung ein: Die Täter kommen tagsüber wie nachts. Foto: imago

Meschede.   Die Strategie ist zuletzt aufgegangen: Die Polizei geht mit einer Sondereinheit gegen Einbrecher vor. Doch: Es gibt Personalmangel.

Es wird wieder dunkler, das ist die Jahreszeit, die Einbrecher bevorzugen. Im Hochsauerland ist es für sie allerdings ungemütlicher geworden. Polizei und Staatsanwaltschaft haben aufgerüstet.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Einbrüche ist während der vergangenen acht Monate nahezu halbiert worden. Die schlechte Nachricht: Es sind noch immer sehr viele Taten. „Ich wäre froh, wenn wir die Zahlen halten könnten“, sagt Kriminaloberrat Josef Jakobi mit Blick auf die kommenden Monate. Denn: Das Personal ist knapp.

Beutezüge überörtlicher Banden

Für den vergangenen Herbst und Winter ist die Strategie der Polizei aufgegangen: Sie hatte eine Sondereinheit für den Hochsauerlandkreis gebildet. Bei ihr liefen alle Spuren und Daten zusammen, so konnten die Ermittler typische Vorgehensweisen erkennen und im Kontakt mit anderen Behörden die Beutezüge überörtlicher Banden verfolgen.

Hinzu kam ein Außentrupp, der für Kontrollen zuständig war. Mit dieser Taktik will die Polizei auch in diesem Jahr starten - allerdings mit voraussichtlich 11 statt 13 Leuten. „Die personelle Situation lässt es nicht anders zu“, sagt Jakobi. Er bedauert das.

Aufklärungsquote derzeit bei 20 Prozent

Die Zahlen dieser Strategie können sich sehen lassen. Zum einen: eine gestiegene Aufklärungsquote, derzeit bei 20 Prozent, und damit deutlich über dem Durchschnitt von Land und Bund. Zum anderen: halb so viele Einbrüche. „Damit haben wir in etwa den Wert erreicht, wie er vor einigen Jahren üblich war“, erklärt Jakobi.

„Die überörtliche Täter haben begriffen, dass es für sie schwieriger geworden ist. Sie weichen aus. Die übrigen Kriminellen werden abgeschreckt oder sie begehen andere Delikte“. Jakobi weiß als Leiter der Direktion Kriminalität allerdings auch: „Das steht und fällt mit der Kontrolldichte.“

Was ihm darüber hinaus wichtig ist: Die Bevölkerung soll keine Scheu haben die 110 anzurufen. Für Jakobi ist es eine Nummer, um Informationen zu übermitteln, nicht nur um Notfälle zu melden. „Wer verdächtige Feststellungen macht, sollte uns direkt anrufen“, bittet er.

Zeugen arbeiten zum Teil brillant mit

Zum Teil arbeiten Zeugen schon brillant mit, hat er festgestellt: In zwei Fällen alarmierten sie die Beamten aus der dunklen Wohnung heraus, als sie in der Nachbarschaft plötzlich Einbrecher entdeckten. Licht hätte die Täter verscheucht. Stattdessen dirigierten die Beobachter die Einsatzkräfte über die Leitstelle per Telefon - bis hin zur erfolgreichen Festnahme.

Zur positiven Bilanz beigetragen hat außerdem das Kommissariat Vorbeugung. Es berät die Bevölkerung, wie Wohnungen und Häuser gegen Einbrecher geschützt werden können. „Die Bereitschaft ist gestiegen, in solche Maßnahme zu investieren“, so Jakobi. Und auch die Staatsanwaltschaft hat sich seit dem vergangenen Jahr spezialisiert. In Arnsberg gibt eine eigene Stelle, die sich mit Bandenkriminalität befasst.

Organisierte Banden

Zwei Drittel der Einbrüche werden von organisierten Gruppen begangen, teilweise auch von Familien. Diese Täter stammen laut Statistik der Polizei fast immer aus dem Ausland. Bosnien, Serbien und Albanien stehen im Hochsauerland an der Spitze.

Die Banden arbeiten hochprofessionell, zum Teil in Abteilungen: Die einen kundschaften aus, die nächsten räumen aus und wieder die nächsten verkaufen die Waren. „Dazu kommt, dass sie sehr mobil sind“, sagt Jakobi. Das andere Drittel der Täter: Drogenabhängige, die Beute benötigen, um den Stoff zu bezahlen, außerdem heimische dauerhaft Kriminelle.

Für beiden Typen von Tätern gilt übrigens, dass Einbrüche seit Juli direkt als Verbrechen eingestuft werden. Das eröffnet den Ermittlern neue Möglichkeiten - sie können künftig leichter Telefondaten überwachen und auswerten. Jakobi: „Das erleichtert unsere Arbeit.“

Weitere Informationen zur Kampagne

Bereits zum fünften Mal startet die Polizei in Nordrhein-Westfalen eine Präventionswoche. Der Titel lautet: „Riegel vor! Sicher ist sicherer“. Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit möchte die Polizei in der kommenden Woche vor Einbrechern warnen, die Bevölkerung sensibilisieren und Tipps geben.

Dass ein Schutz möglich ist, zeigt sich daran, dass Einbrecher immer häufiger scheitern. So blieb es im ersten Halbjahr 2017 bei fast jeder zweiten Tat im Sauerland bei einem Versuch. Hierbei spielen nicht nur die technischer Sicherungen an Fenstern oder Türen eine entscheidende Rolle. Auch das richtige Verhalten und aufmerksame Nachbarn können laut Polizei helfen, Einbrüche zu verhindern.

Die Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer.“ baut deshalb auf drei Maßnahmen gegen potenzielle Einbrecher:

Lassen Sie sich neutral und kostenlos von Ihrer Polizei zum Einbruchschutz beraten!

Achten Sie auf verdächtige Personen oder Situationen!

Rufen Sie im Verdachtsfall sofort die Polizei über 110!

Auf Wunsch stellen die Experten der Polizei vor Ort die Schwachpunkte einer Wohnungssicherung fest und machen Vorschläge, wie diese beseitigt werden können.

Anschließend haben die Bewohner die Möglichkeit, diese Ein- oder Umbauten von spezialisierten Handwerkern einbauen zu lassen. Diese wurden vorab vom Landeskriminalamt NRW überprüft.

Am Donnerstag, 12. Oktober, werden Mitarbeiter des Kommissariats Kriminalprävention von 10 bis 18 Uhr über eine Hotline erreichbar sein. Es sind Oliver Milhoff, 0291/98077-20, Stefan Didam, 0291/90877-22, und Thomas. Wüllner, 0291/90877-27.

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