Justiz

Polizeihund beißt in Freienohl zu - so reagiert das Gericht

Polizei-Diensthündin „Ilvy“ hat zweimal zugebissen. Ihr Herrchen sollte sich jetzt dafür ein zweites Mal verantworten

Polizei-Diensthündin „Ilvy“ hat zweimal zugebissen. Ihr Herrchen sollte sich jetzt dafür ein zweites Mal verantworten

Foto: Polizei / WP

Freienohl/Meschede.  Zum zweiten Mal war ein Hundeführer der Polizei wegen eines Bisses durch seinen Vierbeiner angeklagt. Das Gericht reagierte jetzt kurzfristig.

Ein Hund gilt als Waffe, der Hundeführer muss ihn im Griff haben. Weil das Tier eines Beamten der Mescheder Wache sich aber aus dem Halsband wand und zubiss, als es das nicht sollte, war der 36-jähriger Hundeführer eigentlich für Freitag vor dem Mescheder Amtsgericht angeklagt. Das Verfahren wurde kurzfristig und vorzeitig gegen Auflagen eingestellt. Warum und mit welchen Folgen für den Hundeführer, erläutern Staatsanwaltschaft und Gericht auf Nachfrage.

Was in Freienohl geschah

Der Fall: In der Straße „Breiter Weg“ in Freienohl hatten sich im März 2017 um 3 Uhr morgens nach der Valentinsfete der JU mehrere Männer geprügelt. Laut Anklage, so erläuterte es Claudia Rosenbaum, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg, „kam der Hundeführer hinzu, als die Schlägerei beendet war.“ Der Hundeführer und seine Kollegin wurden von einer Gruppe junger Erwachsener massiv beschimpft und bedroht. Unter anderem riefen sie dazu auf, den Hund abzustechen. Die Beamten forderten die Beteiligten auf, sich auszuweisen. Ein 22-jähriger Arnsberger ging mit seinem Ausweis auf den Beamten zu, als das Tier zubiss, so die Anklage. Die Polizei meldete damals, der Arnsberger habe die Geldbörse auf den Hundeführer geworfen und sich dem Tier trotz mehrfacher Warnung genähert.

Dieser Mann wurde an zwei Fingern leicht verletzt.

Zu dem Zeitpunkt habe sich Ilvy noch an der Leine befunden, erklärte Rosenbaum. „Doch dann hat sich das Tier aus dem Halsband gewunden und einen weiteren Mann in den Oberschenkel gebissen.“ Laut Polizeibericht habe dieser vorher wild gestikuliert und geschrien. Trotzdem, so Rosenbaum, dürfe das nicht passieren. Das liege in der Verantwortung des Hundeführers.

Das Briloner Verfahren

Schon im Mai war der Hundeführer in Brilon zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Damals hatte Ilvy nach einer wilden Verfolgungsjagd einen Jugendlichen gebissen, als der bereits die Autotür geöffnet hatte, um mit erhobenen Händen aus dem Auto auszusteigen. Zu sehen war das erst in einem Videobeweis.

Schon damals hatte die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 154 Strafprozessordnung für den Fall aus Freienohl beantragt. „Wir waren der Ansicht, dass ein Verfahren reicht“, erläuterte Poggel. Doch der zuständige Mescheder Richter, habe dem erstmal widersprochen. „Da die Anklage bereits erhoben war, konnte nur er das Verfahren einstellen.“ Der Richter setzte einen Prozesstermin für Juni an. An dem Tag war der Hundeführer erkrankt. Der neue Termin sollte am Freitag stattfinden.

Die Entscheidung des Gerichts

Doch: Der Mescheder Richter stellte das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung gegen Auflagen ein. Das kann er, wenn zwar von einer Schuld ausgegangen wird, diese aber nicht so schwer wiegt und das öffentliche Interesse dem nicht entgegenstehen. Richter Philipp Weidlich, der stellvertretende Direktor des Mescheder Amtsgerichts erläutert: Der zuständige Richter habe sich jetzt den konkreten Freienohler Fall noch mal angesehen und daraufhin entschieden. „Auch die insgesamt unübersichtliche Gesamtsituation in Freienohl und die weitergehenden Folgen für den Hundeführer spielten da eine Rolle.“ Warum jetzt so kurz vor dem angesetzten Termin das Verfahren noch aufgehoben wurde, dazu könne er nichts sagen. „Aber das ist nichts Ungewöhnliches.“

Staatsanwaltschaft und Angeklagter stimmen zu

Wichtig war jetzt, dass Staatsanwaltschaft und Angeklagter zustimmen. „Für uns war das kein Problem, weil wir ja schon im Mai gegen einen weiteren Prozesstermin waren“, so Poggel. Die Vorwürfe im Freienohler Fall seien auch nicht so erheblich gewesen wie in Brilon. „Hinzu kam auch für uns, dass der Beamte nicht mehr als Hundeführer arbeitet. Er wird jetzt bei der Polizei anderweitig eingesetzt.“ Letzlich, so Poggel, sei die Einstellung des Verfahrens aber Sache des Richters gewesen. Doch der Oberstaatsanwalt sagt auch: „Ohne die Verurteilung in Brilon, hätte es die Hauptverhandlung in Meschede auf jeden Fall gegeben.“

Eine weitere Verurteilung wäre für den Polizisten existenzbedrohend gewesen, weil ein Beamter, der zu mehr als einem Jahr Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt wird, entlassen werden muss.

>>>HINTERGRUND

Die Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis verfügt grundsätzlich über zwei Stellen für Diensthundeführer. Die Anzahl ist in den vergangenen Jahren schon von vier auf zwei zusammengestrichen worden.

Zurzeit ist davon eine Stelle besetzt. Die vakante Stelle wird laut Information der Polizeipressestelle mittelfristig wiederbesetzt.

Die Polizeihündin Ilvy wurde der Diensthundeschule des LAFP (Landesamt für Aus-, Fortbildung und Personalangelegenheiten) in Schloß Holte-Stukenbrock übergeben.

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